Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.11.2016

14:43 Uhr

„Kreatives Europa“

Türkische Kunstszene kämpft ums Überleben

Die türkische Kunstszene bekommt die politischen Spannungen zwischen der Türkei und Europa zu spüren. Nach dem Ausstieg der Türkei aus dem EU-Kulturprogramm „Kreatives Europa“ kämpfen Künstler und Galerien ums Überleben.

Die Künstlerin Aylin Yavuz wollte einen Hauptsitz für ihre internationale Galerie in Istanbul eröffnen. Dieser Plan wird allerdings durch die Spannungen zwischen der Türkei und Deutschland gefährdet. dpa

Verfechterin der Kultur

Die Künstlerin Aylin Yavuz wollte einen Hauptsitz für ihre internationale Galerie in Istanbul eröffnen. Dieser Plan wird allerdings durch die Spannungen zwischen der Türkei und Deutschland gefährdet.

Istanbul/BerlinEigentlich hätte es gerade richtig losgehen sollen mit dem Berlin-Istanbul-Quartier: Im September wollte die Künstlerin Aylin Yavuz in Istanbul einen Hauptsitz für ihre internationale Galerie eröffnen. Ihr Konzept: Eine Brücke zwischen der deutschen und türkischen Kunstszene zu bilden. Gegründet 2014 in Berlin, richtete das Berlin-Istanbul-Quartier bisher als virtuelle Galerie Ausstellungen zwischen Deutschland und der Türkei aus. Einen festen Standort hatte das Quartier nicht; Künstler, die mit ihm zusammenarbeiten, wurden in verschiedenen Galerien in der Türkei und Europa ausgestellt.

Nun sollte ein Ort für europäische Kunst entstehen, an dem sich Künstler aus verschiedenen Ländern miteinander vernetzen können, an dem Workshops angeboten und wandernde Ausstellungen organisiert werden. Zudem sollten Ateliers für Künstler aus dem Ausland zur Verfügung gestellt werden. Einen Raum dafür hat Yavuz bereits gefunden, das Konzept für das nächste Ausstellungsprojekt steht. Doch der Ausnahmezustand in der Türkei veränderte alles.

Nach dem Putschversuch im Juli stockten die Gespräche zwischen Deutschland und der Türkei. Im Oktober kündigte die Türkei das EU-Kulturprogramm „Kreatives Europa“ auf - mit gravierenden Folgen für die türkische Kunstszene, die ab 2017 keine Fördergelder der EU mehr erhalten wird. Etliche Galerien in Istanbul, die von Kulturfonds und Stiftungen unterstützt worden sind, mussten bereits schließen. Da die Gelder verschiedener Stiftungen über das Kulturprogramm vergeben werden, betrifft dies auch das Berlin-Istanbul-Quartier.

Die regierungsnahe türkische Zeitung „Habertürk“ berichtete, Grund für den Ausstieg aus dem Kulturprogramm sei das ebenfalls von der EU geförderte Musikprojekt „Aghet“, in dem die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich thematisiert werden. „Wir bedauern die Entscheidung der Türkei und die Tatsache, dass türkischen Künstlern in Zukunft Chancen entgehen, mit Projekten in der EU zu kooperieren“, sagt eine Sprecherin der EU-Kommission.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×