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11.01.2012

16:12 Uhr

Kredit- und Medienaffäre

Sprachexperte: Das Verb „wulffen“ breitet sich aus

„Ich wulffe, du wulffst, er wulfft.“ Unfreiwillig steht der Bundespräsident Pate für ein neues Wort im Deutschen. Experten kennen zwei Bedeutungen. Und keine von beiden ist schmeichelhaft.

Bundespräsident Christian Wulff Reuters

Bundespräsident Christian Wulff

DortmundMit der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff ist ein neues Verb in der deutschen Sprache aufgetaucht: „wulffen“. „Mittlerweile haben sich zwei Bedeutungen herauskristallisiert“, sagte der Sprecher des Vereins Deutsche Sprache, Holger Klatte, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa in Dortmund.

So stehe das Verb „wulffen“ zum einen für das Vollreden eines Anrufbeantworters. „Die zweite Variante bedeutet, dass man nicht direkt die Wahrheit sagt, aber auch nicht direkt als Lügner dastehen will“, erläuterte der Experte. „Das heißt, dass man nicht direkt angegriffen werden kann. Aber so richtig vertrauenswürdig ist man trotzdem nicht. Wir werden sehen, ob sich eine Variante durchsetzt.“

Die Neuschöpfung habe sich direkt nach dem Fernsehinterview Wulffs in der ersten Januarwoche ausgebreitet. „Neu ist diese Form der Wortbildung aber eigentlich nicht“, sagte Klatte. „Pasteurisieren, röntgen oder morsen sind teilweise über 100 Jahre alt.“

Seit einigen Jahren gebe es im Deutschen aber immer mehr Beispiele für wenig schmeichelhafte Verben, die von Politikernamen abgeleitet würden. „Da kann einem ,abwaigeln' einfallen - nach dem früheren Finanzminister Theo Waigel. Das heißt soviel wie abzocken. Relativ neu ist das Verb ,guttenbergen' oder ,guttenborgen'. Die Bedeutung mag jeder selbst herausfinden.“ Diese Wörter beschrieben „eine bestimmte Eigenschaft oder Verhaltensweise“ von Prominenten.

„Die meisten dieser Verben haben nicht lange im Wortgebrauch Bestand“, sagte der Sprachpfleger. „Es gab früher auch den Begriff „schrödern“ für rüpelhaftes Verhalten. Oder „merkeln“, das man mit zögerlichem Handeln verband.“ Es gebe aber auch Beispiele, dass sich solche Verben halten können. Das gelte etwa für „hartzen“, das Empfangen von Arbeitslosengeld II.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

11.01.2012, 17:05 Uhr

Der Kasus Wulf könnte noch ein weiteres Verb erzeugen: "schausten" für du kannst bei mir gegen Bezahlung von 150 Euro übernachten:
Unter Freunden: ' ich möchte Dich gerne besuchen. Wann ist das möglich.' Antwort:"Du kannst jederzeit bei mir schausten."

Wolle

11.01.2012, 17:11 Uhr

Endlich begreife ich wozu wir Sprachexperten benötigen.
Armes Deutschland.

Dr.NorbertLeineweber

11.01.2012, 17:12 Uhr

Dr.NorbertLeineweber:
Ich war der Erste, der "wulffen" für den Duden erfunden hat: Für schnorren, geizen, herumgeizen. Hat sich im Netz leider nicht durchgesetzt. Beweis: Dr.NorbertLeineweber FTD (zum Kredit). Auch in der FAZ wenig Resonanz, obwohl ich schnorren, geizen für am Besten halte.

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