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15.01.2017

15:18 Uhr

Krimi am Sonntag

Kölner „Tatort“ packt Thema Flüchtlinge an

Flüchtlinge, eine Bürgerwehr und überall ein Angstgefühl: Der nächste „Tatort“ aus Köln wagt sich an ein brisantes Thema heran. Und hält ein Schmankerl bereit: Film-Komponist Klaus Doldinger spielt einen Straßenmusiker.

Der Komponist Klaus Doldinger (M) sowie die Schauspieler Klaus J. Behrendt (r) und Dietmar Bär posieren bei Dreharbeiten zum neuen «Tatort - Wacht am Rhein» in Köln (Nordrhein-Westfalen). dpa

«Tatort - Wacht am Rhein»

Der Komponist Klaus Doldinger (M) sowie die Schauspieler Klaus J. Behrendt (r) und Dietmar Bär posieren bei Dreharbeiten zum neuen «Tatort - Wacht am Rhein» in Köln (Nordrhein-Westfalen).

KölnEin Mann mit Kapuze überfällt eine Zoohandlung. Jemand wirft eine Steckdosenleiste in ein Aquarium, das Licht flackert, ehe es erlischt. Durch die zuckenden Blitze irren schemenhaft Gestalten - eine von ihnen fällt zu Boden, als ein Schuss ertönt.

Der Sohn des Geschäftsinhabers ist tot. Der Kapuzenmann rennt weg. War es „einer von diesen Nordafrikanern“? Für eine Reihe „rechtschaffener Bürger“ ist das klar. Der Kölner „Tatort“ an diesem Sonntag (20.15 Uhr) packt ein hochaktuelles, brisantes Thema an.

Die „Wacht am Rhein“ - so der Titel der Folge - nennt sich im „Tatort“ eine Bürgerwehr, die sich in einem Kölner Viertel gegründet hat, nachdem dort die Zahl der Einbrüche sprunghaft gestiegen ist. Der dubiose Anführer dieser Truppe, Dieter Gottschalk - überzeugend gespielt von Sylvester Groth - nutzt die Situation für seine Interessen und will die Nachbarschaft bei einer Mahnwache für das Mordopfer aufwiegeln.

Fakten zum Tatort

Der Vorspann

30 Sekunden mit spannender, hastiger Ohrwurmmusik, zwei Augen in Nahaufnahme, das rechte im Fadenkreuz, ein Mann, der abwehrend die Arme hebt, rennende Beine auf nassem Asphalt und ein Fingerabdruck, dessen Linie den Flüchtenden einkreist. Übrigens: Für die Titelmelodie spielte Udo Lindenberg Schlagzeug.

Der erste Fall

Der erste „Tatort“ war „Taxi nach Leipzig“, der am 29. November 1970 ausgestrahlt wurde. Der Hamburger Hauptkommissar Paul Trimmel (Walter Richter) musste einen deutsch-deutschen Mordfall klären. Der 1000. Tatort heißt ebenfalls „Taxi nach Leipzig“.

Die erste Kommissarin

Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der Südwestfunk (SWF) 1978 Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) mit „Der Mann auf dem Hochsitz“ ins Rennen. Bis 1980 gab es drei Folgen mit ihr.

Am längsten dabei

Dienstälteste „Tatort“-Ermittlerin ist Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), die seit 27 Jahren (erster Fall: 29. Oktober 1989) in Ludwigshafen Verbrecher jagt. Bisher gab es 64 Fälle, in den meisten war Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) dabei.

Drehtage

In den siebziger Jahren wurde ein Tatort in fünf bis sechs Wochen gedreht. Heute sind es nur noch etwa vier.

Giftschrank

Einige wenige „Tatort“-Folgen dürfen nicht wiederholt werden. Sie haben senderintern einen Sperrvermerk. Die Gründe sind verschieden. So spielen bei „Wem Ehre gebührt“ verletzte religiöse Gefühle eine Rolle, bei „Krokodilwächter“ die große Brutalität im Film.

Der missglückte „Tatort“

Zu den Tiefpunkten der „Tatort“-Reihe zählen Kritiker die Fälle des Berliner Kommissars Ernst Roiter (Winfried Glatzeder, 1996-1998). Aus Kostengründen hatten die Folgen eine billig wirkende Optik. Zudem warf man den Filmen vor, zu sexistisch, brutal oder zu wirr zu sein. Die Quoten waren trotzdem passabel.

Die meisten Zuschauer

„Rot - rot - tot“ sahen am Neujahrstag 1978 mehr als 26 Millionen Menschen. Das entspricht einer Quote von 65 Prozent. In heutiger Zeit wäre das undenkbar.

Die meisten Toten

Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellte einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. In dem stark von Quentin Tarantino inspirierten Film zählten die Experten vom „Tatort-Fundus“ 51 Leichen – die meisten starben im Kugelhagel.

Die beliebtesten Ermittler

Die Münsteraner Boerne und Thiel (Jan Josef Liefers und Axel Prahl) sind das erfolgreichste „Tatort“-Team. Ihre Top-Quote von 13,63 Millionen Zuschauern erreichte kein anderes aktuelles Ermittler-Duo.

Zahl der Ermittler

Aktuell wird in 21 Städten ermittelt. In Hamburg sind sogar zwei Teams unterwegs. Es gibt sowohl Einzelgänger als auch größere Ermittlergruppen.

Besuch von Bond

Ex-Bond-Mime Roger Moore hatte einen Kurzauftritt in einer Bremer „Tatort“-Folge. Darin gab er Kommissar Stedefreund ein Autogramm.

Twitter-Tatort

Mehr als 9000 Tweets werden im Durchschnitt jeden Sonntagabend mit dem Hashtag #tatort verschickt. Bei der blutigen Ausgabe „Im Schmerz geboren“ waren es mehr als 20.000.

Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) schon bald auf den jungen Marokkaner Khalid Hamidi (Samy Abdel Fattah). Der hatte vor einiger Zeit die Schwester des Toten belästigt und provoziert auch ansonsten durch sein aggressives Auftreten ständig Ärger.

Währenddessen ist Khalids Landsmann, der Student Baz Barek (Omar El-Saeidi) wie vom Erdboden verschwunden - er trug in der Tatnacht die gleiche Kapuzenjacke wie der mutmaßliche Täter. Und welches Spiel spielt Adil Faras (Asad Schwarz), der seit vielen Jahren in Köln lebt und als Mitglied der Bürgerwehr Augenzeuge des Überfalls auf die Zoohandlung wird.

Die „Wacht am Rhein“ birgt also jede Menge Zündstoff und spiegelt die derzeitige gesellschaftliche Gemengelage recht gut wider.

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