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02.03.2017

14:23 Uhr

Krimi-Kult

Das große Sterben der „Tatort“-Kommissare

Kopper will nicht mehr improvisieren, das Bremer Team hört komplett auf, Martin Lüttge ist jüngst verstorben, und Harald Schmidt hat den Dienst als Kriminalrat gar nicht erst angetreten. Beginnt so das Ende einer Ära?

Berlin, München/Hamburg, Baden-Baden Es herrschen chaotische Zeiten bei der deutschen Fernseh-Kriminalreihe Nr. 1, dem „Tatort“. Neben Rücktritten und Kündigungen, traf auch der Tod einer „Tatort“-Legende die Sender der ARD und die Fangemeinde schwer. Ist das eine schwarze Serie?

Den Auftakt lieferte Ende Februar die plötzliche Absage Harald Schmidts für seine Rolle im neuen Schwarzwald-„Tatort“. Seinen plötzlichen Rückzug konnte keiner so recht nachvollziehen, hatte sich Schmidt doch eigenen Angaben zufolge richtig auf die ihm zugedachte Rolle gefreut. Mit großem Bedauern muss das Skript jetzt flugs von der zuständigen SWR-Redaktion umgeschrieben werden. Schließlich ist in drei Wochen Startschuss für die Dreharbeiten.

Kurz darauf der nächste Paukenschlag: „Tatort“-Legende Martin Lüttge verstirbt mit 73 Jahren in seiner norddeutschen Heimat. Ein herber Verlust, denn Lüttge galt als einer der „ganz großen Mimen“. Als vielseitiger Charakterdarsteller schlüpfte er in zahlreiche Theater-, Fernseh-, und Filmrollen und bekam mehrere Auszeichnungen. Einer seiner größten Erfolge feierte er in Stuttgart als Faust in der Inszenierung von Claus Peymann.

Tatort-Geschichte im kleinen Überblick

„Taxi nach Leipzig“

29.11.1970: Erster Krimi der Reihe: „Taxi nach Leipzig“ mit Walter Richter als Hamburger Kommissar Paul Trimmel. Ausgangslage: In der DDR wird an einem Autobahnrastplatz bei Leipzig die Leiche eines Jungen gefunden, der Schuhe aus der Bundesrepublik trug.

„Reifezeugnis“

27.3.1977: „Reifezeugnis“ von Wolfgang Petersen, der legendäre „Tatort“ schlechthin. Der Kieler Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) hat es mit dem Mord an einem Gymnasium und dem Verhältnis zwischen einer Schülerin (Nastassja Kinski) und einem Lehrer (Christian Quadflieg) zu tun.

Erste Kommissarin

29.1.1978: Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der SWF Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) ins Rennen. Auftakt: „Der Mann auf dem Hochsitz“. Bis 1980 gibt es drei Folgen.

Erster Schimanski-Tatort

28.6.1981: Erster Schimanski-„Tatort“ - Titel: „Duisburg-Ruhrort“. „Schimmi“, also Horst Schimanski (Götz George) wird Kult. Zwei Fälle kommen auch ins Kino: „Zahn um Zahn“ (1985) und „Zabou“ (1987).

Erster Odenthal-Tatort

29.10.1989: Start für Ulrike Folkerts als Lena Odenthal in Ludwigshafen. Sie ist noch heute im Einsatz und damit die dienstälteste Ermittlerin der Reihe.

Deutsch-deutsche Koproduktion

28.10.1990: Der Krimi „Unter Brüdern“ ist eine deutsch-deutsche Koproduktion von DFF und ARD aus den Krimireihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“, unter anderem mit Götz George und Eberhard Feik.

Kindesmissbrauchs-Tatort

26.11.1995: Zum 25. Jubiläum läuft der Münchner Krimi „Frau Bu lacht“ in der Regie von Dominik Graf - viele Kritiker halten diesen Kindesmissbrauch-Thriller für einen der besten „Tatorte“ überhaupt.

Erster Tatort aus Münster

20.10.2002: Der Münster-„Tatort“ startet. Das Team mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) gilt fortan als das mit Abstand beliebteste.

Satanismus-Krimi

04.4.2004: Im Bremer Satanismus-Krimi „Abschaum“ mit Sabine Postel und Oliver Mommsen werden 14 Todesopfer gezählt - die viertmeisten Toten in einem „Tatort“.

Proteste der alevitischen Gemeinde

23.12.2007: Der Fall „Wem Ehre gebührt“ mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm in Hannover löst wegen seiner Verknüpfung von Inzest und der islamischen Glaubensrichtung der Aleviten rund um seine Erstausstrahlung Proteste der alevitischen Gemeinde aus.

Matthias Schweighöfer im Tatort

03.1.2010: „Tatort“ Nummer 751 mit dem Titel „Weil sie böse sind“ mit den Frankfurter Ermittlern Dellwo und Sänger (Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki) glänzt mit einem bitterbösen Adelsspross, gespielt von Matthias Schweighöfer.

Wiener Tatort

05.2.2012: In der Wiener Folge „Kein Entkommen“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser werden 15 Todesopfer gezählt - die drittmeisten Toten in einem „Tatort“.

Erster Schweiger-Tatort

10.3.2013: Erster „Tatort“ mit Til Schweiger. Mit dem Krimi „Willkommen in Hamburg“ setzt der Kinostar neue Maßstäbe in Sachen Action und Produktionskosten. Ein Jahr später (9.3.2014) hat der Fall „Kopfgeld“ mit 19 Leichen die zweitmeisten Toten eines „Tatorts“.

Abschied von „Franziska“ erst nach 22 Uhr

05.1.2014: Im Fall „Franziska“ stirbt die langjährige Kölner Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) bei einer Geiselnahme im Gefängnis. Die Erstausstrahlung des Gruselkrimis ist aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gelegt worden.

Tukur mit den meisten Toten

12.10.2014: Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellt einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. Experten vom „Tatort-Fundus“ zählen 51 Leichen.

Der 1000. Tatort

Voraussichtlich Ende 2016 kommt dann der 1000. „Tatort“.

Zuletzt stand er nach Angaben seiner Hamburger Agentur unter anderem für das „Forsthaus Falkenau“ vor der Kamera und tourte mit seiner Falkenau-Kollegin Julia Grimpe mit dem Stück „Das Interview“ durch die Lande. In den vergangenen Jahren war es aber ruhig um Lüttge geworden.

Das Logo der TV-Krimiserie «Tatort». dpa

"Tatort"

Das Logo der TV-Krimiserie «Tatort».

Auch die altgedienten „Tatort“-Ermittler im ARD-Verbund Sabine Postel und Oliver Mommsen packte die Lust auf Neues. Nach zwanzig Jahren Bremer „Tatort‘ gaben die Beiden „mit einem weinendem, aber auch mit einem lachenden Auge“ nun ihren Abgang bekannt.

Der Radiosender Bremen schlug kurz darauf ein neues Traumpaar vor: „Unser Vorschlag fürs neue Tatort-Team! #tatort #bremen“, twitterte der Sender mit einer Fotomontage von Sarah Connor und Jan Böhmermann. Zeit zum Nachdenken haben die Sängerin und der Entertainer noch, Postel (62) und Mommsen (48) stehen bis 2019 für den „Tatort“ vor der Kamera.

Kommentare (2)

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Herr Rolf Sieber

02.03.2017, 14:50 Uhr

Beim dem was die meisten letzten Tatort-Krimis so gezeigt haben sollte wirklich ernsthaft über das Konzept nachgedacht werden. Nicht alles Moderen ist auch gut. Zuletzt waren mache Filme aus der Reihe einfach nur grottenschlecht. Vielleicht mal drüber nachdenken, warum manche Schauspieler sich zurück ziehen. Nicht jeder will sich für so einen Mist noch vor die Kamera stellen.

G. Nampf

03.03.2017, 08:51 Uhr

Früher hatten die Tatorte noch eine Handlung, heute gibt es fast nur noch Action

So stirbt der "Tatort" sicher.

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