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09.11.2016

14:36 Uhr

Krimi-Tipp

Schwarzer Humor, viel Blut und ein Trick

VonThomas Schmitt

Der Versicherungsprofi Volker Bitzer schreibt nebenbei Kurzkrimis. Warum es dort übler zugeht als in der Versicherungsbranche und seinen Fans bei Lesungen das Essen im Hals stecken bleibt. Ein Interview mit dem Autor.

„Die Dick-Tossek-Verschwörung“ ist ein Krimi für Freunde des schwarzen Humors. Der Auftragsmörder John erzählt seine Geschichte als Ich-Erzähler und bezieht die Leser in das Geschehen ein. So mordet und leidet man Seite an Seite mit ihm.

Kurz-Krimi

„Die Dick-Tossek-Verschwörung“ ist ein Krimi für Freunde des schwarzen Humors. Der Auftragsmörder John erzählt seine Geschichte als Ich-Erzähler und bezieht die Leser in das Geschehen ein. So mordet und leidet man Seite an Seite mit ihm.

DüsseldorfZum Buch „Die Dick-Tossek-Verschwörung“: Der Auftragsmörder John und die Prostituierte Rosemarie O'Dowell denken, sie hätten das große Los gezogen. Sie haben Dick Tossek, dem König der Unterwelt, sehr viel Geld gestohlen.

Doch Tossek, dessen wahre Identität niemand kennt, jagt die beiden gnadenlos und lässt ihre schlimmsten Träume wahr werden: In einem mörderischen Katz-und-Maus-Spiel verwischen sich die Spuren von Gut und Böse. Die große Frage: Wem kann man vertrauen kann. Wie kam Autor Volker Bitzer, ein Kenner der Versicherungsbranche, zum Schreiben?

Herr Bitzer, Sie arbeiten in der Versicherungsbranche. Haben Sie die Skandale bei Vertretern für einen Krimi inspiriert?
Im Vergleich zur Versicherungsbranche geht es in meinem Krimi „Die Dick-Tossek-Verschwörung“ richtig übel zur Sache. Da wird gefoltert, geschossen und gestochen. Es fließt literweise Blut.

Aktuelle Krimis: Tipps von Experten

Experten

Spezialisierte Literaturkritiker wählen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus der Masse der Neuerscheinungen die zehn Titel, denen sie viele Leser wünschen. (Quelle: http://www.lehmanns.de/page/krimizeit)

Januar 2016

Regengötter, von James Lee Burke
Urteil der Jury: Südwesttexas. Massaker an einer Gruppe von Asiatinnen. Der einzige Zeuge wird gehetzt: von den Mördern, dem FBI, seiner Unschlüssigkeit. Sheriff Holland, Veteran auch er, sucht Frieden. Zuvor heißt es: Aufräumen. Landschaft, Menschen – so kann das nur James Lee Burke.

Februar 2016

Tal des Schweigens, von Malla Nunn
Urteil der Jury: Drakensberge, Südafrika 1953. DS Cooper und DC Shabalala sollen den Mord an einer schwarzen Land-Schönheit aufklären – die Arschkarte für Kriminalisten im Apartheid-Staat. Fallstricke überall: Zulu-Traditionen, Rassisten-Traditionen, Frauenunterdrückung sowieso. Behutsam, fein und klug: Nunn.

April 2016

Bitter Wash Road, von Garry Disher
Urteil der Jury: Tiverton, Südaustralien. Paul »Hirsch« Hirschhausen ist degradiert, auf einen Ein-Mann-Posten versetzt. Eine Sechzehnjährige wurde totgefahren. Hirsch (fast) allein gegen Sheriff, Vorgesetzte, Dorfbonzen. Weizen, Wolle, früher Kupfer, leeres Land. Ganz, ganz fein, staubtrocken und herzenswarm.

Juni 2016

Blaue Nacht, von Simone Buchholz
Urteil der Jury: Hamburg. Chastity Riley ist in die Abteilung Opferschutz kaltgestellt. Die Staatsanwältin belagert einen halb totgeschlagenen Österreicher so lange, bis es ihr und ihren Kumpels gelingt, den Drogenboss von St. Pauli zu stellen. Frech, witzig und ein wenig melancholisch. Simones bisher bester. Darauf ein Astra.

August 2016

Die Mauer, von Max Annas
Urteil der Jury: East London, Südafrika. Als sein Auto streikt, sucht Student Moses Hilfe in einer weißen Gated Community. Wachleute pöbeln, er haut ab. Doch wie rauskommen aus dem Mittelstandsghetto? Private Security, Polizei, ein Diebespaar: Ein Hexenkessel aus Verfolgungswahn und Rassenhass. Groteske hoch zehn, Action auf den Punkt.

September 2016

Die himmlische Tafel, von Donald Ray Pollock
Urteil der Jury: Georgia, Ohio 1917. Cane, Cob und Chimney Jewett haben genug von Mehl-Wasser-Klumpen und Schwerstarbeit. Als Outlaws gejagt, landen sie auf der Flucht nach Kanada in Ross County. Armut, Gewalt, Fanatismus und Heuchelei – Vierklang des weißen Amerikas. Rauer Realismus, mit winzigem Lichtstreif. Great.

Oktober 2016

Die Nacht von Rom, von Giancarlo de Cataldo; Carlo Bonini
Urteil der Jury: Rom. Papst Franziskus hat ein Heiliges Jahr ausgerufen. Kleriker, Immobilienhaie, Politiker, Bauunternehmer krabbeln wie Küchenschaben: Profit, Macht, Schwindel sind zu haben. Im Background der Kampf zweier Mafiosi um eine Frau und um Rom. Mafia capitale, zweiter Akt, famos illuminiert von zwei Insidern.

Was hat sie stattdessen zum Krimi-Schreiben gebracht?
Mein schwarzer Humor. Ich war wohl zu lange in England. Und ich habe zu viele Filme von Quentin Tarantino gesehen. Genauer gesagt alle. Das sind böse Anreize für einen Menschen, der eine Geschichte schreibt. Daraus entsteht einfach kein Arztroman.

Klassiker: Die besten Kriminalromane aller Zeiten

Umfrage

Das Bochumer Krimi-Archiv hat in einer Rundfrage bei Krimi-Kritikern, Krimi-Buchhändlern und Krimi-Autoren nach den ihrer Meinung besten Kriminalromanen gefragt. (Quelle: http://www.krimilexikon.de/dkp/die119.html)

Platz 10

RAYMOND CHANDLER: DIE TOTE IM SEE
AGATHA CHRISTIE: ALIBI
LEN DEIGHTON: IPCRESS - STRENG GEHEIM
UMBERTO ECO: DER NAME DER ROSE
JÖRG FAUSER: DER SCHNEEMANN
BRIAN FREEMANTLE: CHARLIE MUFFIN - AGENTENPOKER
FRIEDRICH GLAUSER: MATTO REGIERT
CHESTER HIMES: BLIND, MIT EINER PISTOLE
ROSS THOMAS: UMWEG ZUR HÖLLE
(jeweils 11 Punkte)

Platz 9

JOHN BUCHAN: DIE NEUNUNDDREISSIG STUFEN
RAYMOND CHANDLER: DAS HOHE FENSTER
DAN KAVANAGH: DUFFY
(jeweils 12 Punkte)

Platz 8

FRIEDRICH DÜRRENMATT: DER RICHTER UND SEIN HENKER
PATRICIA HIGHSMITH: DER TALENTIERTE MISTER RIPLEY
EDGAR ALLAN POE: DIE MORDE IN DER RUE MORGUE
MICKEY SPILLANE: ICH, DER RICHTER
(jeweils 13 Punkte)

Platz 7

RAYMOND CHANDLER: LEBWOHL, MEIN LIEBLING
& JAMES HADLEY CHASE: KEINE ORCHIDEEN FÜR MISS BLANDISH
DASHIELL HAMMETT: ROTE ERNTE
(jeweils 15 Punkte)

Platz 6

ARTHUR CONAN DOYLE: DER HUND DER BASKERVILLES
DASHIELL HAMMETT: DER GLÄSERNE SCHLÜSSEL
(jeweils 16 Punkte)

Platz 5

JOHN LE CARRE: DER SPION, DER AUS DER KÄLTE KAM
(17 Punkte)

Platz 4

ERIC AMBLER: DIE MASKE DES DIMITRIOS
FRIEDRICH GLAUSER: WACHTMEISTER STUDER
DASHIELL HAMMETT: DER DÜNNE MANN
(jeweils 18 Punkte)

Platz 3

RAYMOND CHANDLER: DER TIEFE SCHLAF
DASHIELL HAMMETT: DER MALTESER FALKE
(jeweils 24 Punkte)

Platz 2

RAYMOND CHANDLER: DER LANGE ABSCHIED
(25 Punkte)

Platz 1

JAMES M. CAIN: WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT
(26 Punkte)

Gibt es ein reales Vorbild für ihren Helden?
Mein Held, der Auftragsmörder John, ist real. Sie können jederzeit schriftlich Kontakt zu ihm aufnehmen: www.facebook.com/DickTossek. Deswegen lautet der Untertitel meines Krimis „Aufzeichnungen eines Auftragsmörders“. Es ist Johns Geschichte.

Sie schreiben so wenig in ihren Büchern. Fällt Ihnen nicht mehr ein?
Diese elendige Zeilenschinderei finde ich grausam. Selbstverständlich muss man seine Leser quälen: mit Spannung. Aber doch nicht, indem man das Grün der Wiese, die Speisekarte im Restaurant oder die Form der Kieselsteine in der Auffahrt beschreibt. Gerade heute, da die Menschen eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und wenig Zeit haben, ist man als Schriftsteller gefordert.

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