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15.10.2015

12:27 Uhr

Kriminalfall Rybolowlew

Warnung für die Nutzer von Zollfreilagern

VonOlga Grimm-Weissert

Die gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Kunstunternehmer Yves Bouvier und dem Milliardär Dimitri Rybolowlew fördern Erkenntnisse zu Tage, die für die Branche nicht absehbare Folgen haben. So befindet sich nun das Genfer Zollfreilager im Visier der Steuer- und Zollbehörden.

Drehscheibe für den Handel mit Finanzprodukten und Kunst. Foto: Gaetan Bally dpa

Die Schweizer Stadt Genf

Drehscheibe für den Handel mit Finanzprodukten und Kunst. Foto: Gaetan Bally

ParisDer weltweit größte Händler für zeitgenössische Kunst, Larry Gagosian, äußerte sich in der US-Presse, dass er die Anhäufung der Aktivitäten des Spediteurs, Zollfreihafen-Betreibers und Kunsthändlers Yves Bouvier als „einen schrecklichen Interessenskonflikt“ einschätze. „Ich würde Kunst nie längerfristig im Lager eines Händlers aufbewahren“, fügte der Galerist mit Blick auf die juristischen Auseinandersetzungen um zwei angeblich veruntreute Picasso-Porträts hinzu.

Catherine Hutin-Blay, die Stieftochter von Pablo Picasso (Tochter von Jacqueline Picasso, der zweiten Frau des Künstlers), hatte im Januar 2015 in Paris eine Klage gegen Bouvier wegen „Hehlerei“ eingereicht, da sie meint, Bouvier hätte die beiden Porträts ihrer Mutter aus einem Lager in einer Pariser Vorstadt ohne ihr Einverständnis verkauft. Bouvier konnte gegen eine Kaution von 27 Millionen Euro (davon waren 5 Millionen Euro sofort zu deponieren) der Untersuchungshaft entgehen.

führt in das Fürstentum Liechtenstein, einen der kleinsten und reichsten Staaten der Erde. Steuervergünstigungen und Bankgeheimnis haben zahlreiche ausländische Investoren und Anleger in den nur 160 Quadratkilometer großen Zwergstaat gebracht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby dpa

Ein Faden im Fall Rybolowlew

führt in das Fürstentum Liechtenstein, einen der kleinsten und reichsten Staaten der Erde. Steuervergünstigungen und Bankgeheimnis haben zahlreiche ausländische Investoren und Anleger in den nur 160 Quadratkilometer großen Zwergstaat gebracht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby

Ein Trust in Liechtenstein

Laut Bouviers Pressesprecher Marc Comina legte der beklagte Bouvier inzwischen dem Pariser Landgericht Unterlagen vor, die nachweisen könnten, dass der Beklagte den Kaufpreis (8 Millionen US Dollar) für die beiden Porträts – auf Anraten des Genfer Finanzanwalts Michel Abt – im Jahr 2010 auf ein Konto bei der Centrum Bank AG, Vaduz in Liechtenstein überwiesen habe. Das Konto, so Comina, würde dem Nobilo Trust Reg. Schaan in Liechtenstein gehören, dessen Bezugsberechtigte Madame Hutin-Blay sei.

Die Pariser Anwältin von Hutin-Blay, Anne-Sophie Nardon, teilt dem Handelsblatt mit, dass sie keinen Kommentar zu dieser Sache abgeben möchte, da eine gerichtliche Untersuchung läuft und sie dem Prozessgeheimnis unterworfen sei. Die Bitte um eine angeblich einzelnen französischen Journalisten zugesandte Pressemitteilung in dieser Angelegenheit ließ sie unbeantwortet. Der Genfer Anwalt Michel Abt reagiert gar nicht auf unsere schriftliche Anfrage.

Schadensersatz für Geschäftsrückgänge

Die beiden Picasso-Bilder verkaufte Bouvier für 27 Millionen Euro über seine in Hongkong eingetragene Firma MEI Investment im Jahr 2013 an Rybolowlew weiter. Bouvier, eine zentrale Gestalt des internationalen Kunsthandels, mit Beteiligungen an Galerien in Europa und Asien, Betreiber der Zollfreilager in Genf, Singapur und Luxemburg, dessen erfolgreiches Imperium auf Diskretion und Vertraulichkeit aufgebaut war, wurde im Februar 2015 in Monaco von seinem langjährigen Kunden, dem russischen Milliardär Dimitry Rybolowlew, wegen „Betrug“ und „Komplizenschaft bei Geldwäsche“ angezeigt.

Bouvier hatte dem Sammler in aller Diskretion eine Top-Kunstsammlung für rund zwei Milliarden Dollar zusammengestellt. Dabei soll er enorme Margen eingenommen haben, statt sich mit einer zweiprozentigen Kommissionsgebühr zufrieden zu geben, die Rybolowlew angeblich mit ihm ausgehandelt hatte. Bouvier will nun seinerseits auf Schadenersatz für seine Geschäftsrückgänge und sonstigen Schwierigkeiten klagen, informiert uns sein Pressesprecher Marc Comina.

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