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06.09.2015

14:58 Uhr

Krimis im Fernsehen

Die Tatort-Republik

VonChristian Bartels

An diesem Sonntag hat das Warten ein Ende: Nach der Sommerpause gibt es einen neuen „Tatort“ aus der Schweiz. Das Krimi-Format scheint auch nach 45 Jahren unverwüstlich, trotzdem droht eine große Gefahr.

Simon Amstad (Antoine Monot Jr., l) und Karin Amstad (Sarah Hostettler, r.): Eine Szene der "Tatort"-Folge „Ihr werdet gerichtet“. Foto: Daniel Winkler/ARD Degeto/dpa dpa

Tatort Schweiz

Simon Amstad (Antoine Monot Jr., l) und Karin Amstad (Sarah Hostettler, r.): Eine Szene der "Tatort"-Folge „Ihr werdet gerichtet“. Foto: Daniel Winkler/ARD Degeto/dpa

BerlinDer ARD wird oft vorgeworfen, Geld falsch auszugeben. Der „Tatort“ dagegen ist sein Geld wert, trotzdem machen die Programmentscheider mit der Sommerpause alles richtig. Die Verknappung des Angebots an Premieren in der Krimireihe und die Wiederholungen an Hochsommer-Sonntagen steigern die Nachfrage. Umso gespannter wird an diesem Sonntagabend um 20.15 Uhr der Beginn der Herbst-„Saison“ erwartet. Den Auftakt macht der schweizerische Fall „Ihr werdet gerichtet“.

Dem Fernsehen wird heute gerne ein Lagerfeuer-Charakter zugeschrieben - vor allem vor dem Hintergrund, dass er allmählich verschwindet. Die sogenannte „große Samstagabendshow“ etwa ist spätestens mit dem „Wetten, dass...?“-Aus endgültig zu Grabe getragen worden. Ganz anders der „Tatort“: Die Erstausstrahlungen erreichen selbst in den 2010-er Jahren oft mehr als zwölf Millionen Zuschauer und Marktanteile von mehr als 30 Prozent, darunter viele jener jüngeren Zuschauer, die sonst selten bei ARD und ZDF vorbeizappen.

Saison 2015/16: Was beim „Tatort“ passiert

Sommerpause vorbei

Beim ARD-„Tatort“ geht es mit neuen Fällen wieder los. Worauf sich die Zuschauer in den kommenden Monaten einstellen können – etwa Helene Fischer, Heike Makatsch, Til Schweiger.
Quelle: dpa

Neuerungen

Anfang September ist der Schweizer Fall „Ihr werdet gerichtet“ zu sehen – mit Antoine Monot Jr. als schießwütiger Rächer der Gerechten. Auch sonst hält das „Tatort“-Jahr 2015/16 einiges bereit – etwa Helene Fischer, Heike Makatsch und eine „Tatort“-Preview in Dutzenden Kinos elf Tage vor der eigentlichen Fernsehausstrahlung sowie ganz viel Til Schweiger.

Was macht Helene Fischer…?

Laut Sonntagskrimi-Experte François Werner von „Tatort-Fundus.de“ ist Schlagerstar Helene Fischer mit dem Hit „Atemlos“ zum Beispiel im Frankfurter Krimi „Hinter dem Spiegel“ zu hören, dem zweiten mit Margarita Broich und Wolfram Koch (13. September); außerdem auch im Münchner Oktoberfest-Krimi „Die letzte Wiesn“ (20. September).

…bei Til Schweiger?

Zu sehen ist sie dann außerdem bei einem Gastauftritt als Darstellerin in der Doppelfolge mit Til Schweiger, die an zwei Sonntagen hintereinander (wohl 22. und 29. November) zu sehen sein soll: Die Titel der Krimis lauten „Schwarzer Ritter“ und „Fegefeuer“. Am 29. November wird der „Tatort“ als Reihe übrigens auf den Tag genau 45 Jahre alt. Am 29.11.1970 kam damals „Taxi nach Leipzig“.

Wann kommen die Münsteraner?

Wohl wieder die höchste Zuschauerzahl von allen „Tatorten“ hat in den kommenden Monaten das Münster-Duo Axel Prahl und Jan Josef Liefers als Kommissar Frank Thiel und Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne. Voraussichtlicher Sendetermin ihres nächsten Falls rund um eine Psychiatrie („Schwanensee“): der 8. November.

Wird der „Tatort“ …?

Zweimal wandert das Fernsehformat „Tatort“ in den kommenden Monaten ins Kino. Laut NDR können Fans den Krimi „Verbrannt“ mit Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller vor der für 11. Oktober geplanten Fernsehausstrahlung bereits am 30. September auf großer Leinwand in bundesweit etwa 160 Kinos ansehen.

… ein Kino-Ereignis?

Anfang 2016 kommt dann der Kino-„Tatort“ mit Til Schweiger („Tschiller außer Dienst“ (englischer Titel: Nick Off Duty)) – Kinostart ist womöglich bereits am 1. Januar. Im Fernsehen soll er erst 2018 ausgestrahlt werden.

Was steht an …?

An Neujahr kommt wahrscheinlich der Kieler „Tatort“ mit dem Comeback des Psychopathen Kai Korthals (Lars Eidinger), der bereits 2012 Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im Film „Borowski und der stille Gast“ zu schaffen machte.

… im Jahr 2016?

Außerdem soll der zweite Franken-„Tatort“ mit Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs laufen sowie der dritte Weimar-„Tatort“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner. Außerdem wird wohl ein Militär-„Tatort“ mit dem Titel „Heimatfront“ mit Maria Furtwängler ins Programm genommen.

Wer verabschiedet sich?

Im Laufe des Jahres 2016 wird das Bodensee-Team nach 14 Jahren abgeschafft. Noch drei Krimis mit Hauptdarstellerin Eva Mattes sind bis dahin zu sehen, der erste davon wohl am 13. Dezember („Côte d’Azur“). Wann der letzte Konstanz-„Tatort“ läuft, ist noch unklar.

Starten diese Saison neue Teams?

Das neue, junge, sehr weibliche „Tatort“-Team vom MDR – in Dresden statt Leipzig – soll im ersten Halbjahr 2016 TV-Premiere haben: die Schauspielerinnen Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Jella Haase. Den Kommissariatschef spielt Martin Brambach.

Und die Eintagsfliege?

Zunächst einmalig und wahrscheinlich zu Ostern läuft wohl der kürzlich vom SWR angekündigte Event-„Tatort“ aus Freiburg mit Heike Makatsch. Ihre Ermittlerfigur kehrt als „verlorene Tochter“ in ihre badische Heimatstadt zurück.

Welcher „Tatort“ wird der außergewöhnlichste?

Das Potenzial für besonders viel Aufsehen hat „Wer bin ich?“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot (voraussichtlich 27. Dezember). Der Film wird ein „Tatort“ im „Tatort“ – sehr selbstbezüglich und amüsant.

Wer kehrt zurück?

Bei „Tatort“-Dreharbeiten kommt es zu einem Mord – und auch „Tatort“-Star Tukur gerät unter Verdacht. In dem an Fellinis „Achteinhalb“ von 1963 angelehnten hessischen Krimi gibt es auch ein Wiedersehen mit Martin Wuttke, dessen Leipziger „Tatort“ im April endete.

Sicher ist das weniger als wichtige Fußballspiele erreichen, aber die Krimireihe spielt verlässlich Sonntag für Sonntag in dieser Liga. Lagerfeuer stehen sprachbildlich eben nicht für besondere Einzelereignisse, sondern eher für echte Dauerbrenner.

Ende November wird das Konzept 45 Jahre alt und es scheint unverwüstlich: Es verträgt die oft als betulich und auch aus anderen Gründen kritisierten Ermittler Flückinger und Ritschard (Stefan Gubser und Delia Mayer) aus dem schweizerischen Luzern, die die Saison einläuten, ebenso wie die ostentativ albernen Kommissare aus Münster (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) und den immer und überall polarisierenden Hamburger Kommissars-Darsteller Til Schweiger mit seinem noch alberneren Rollennamen „Nick Tschiller“.

So wie Schweiger Kino-Actionfilme imitiert – und im Februar 2016 mit einem von Warner Bros. verliehenen Kino-„Tatort“ wiederum an dessen Fernseherfolg anzuknüpfen versucht –, so imitiert der erheblich gediegenere Schauspieler Ulrich Tukur internationales Arthouse-Kino.

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