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05.03.2012

12:41 Uhr

Kris Martin

Ein Knall, und er war da

Kris Martin fasziniert mit Objekten von spielerischer Eleganz und konzeptueller Strenge. Sammler stehen längst bei ihm Schlange. Seine erste große Werkschau ist nun im Bonner Kunstmuseum zu sehen.

Kris Martin: "Bee" aus der Sammlung Boros. Achim Kukulies, Düsseldorf

Kris Martin: "Bee" aus der Sammlung Boros.

BonnKris Martin ist 40 Jahre alt und noch gar nicht lange als Künstler tätig. Dennoch aber erzeugt das, was er mit seinem noch überschaubaren Werk zu sagen hat, einen unerhörten Nachhall. Zu erleben ist dieser fast unheimliche Effekt nach dem Besuch seiner Einzelausstellung im Kunstmuseum Bonn. Es ist die erste große Werkschau für den Belgier, dessen künstlerische Laufbahn nach einem Architekturstudium erst nach der Jahrtausendwende in die Gänge kam. Im Grunde gab es einen Knall, und er war da. Dies geschah 2004 auf der Art Cologne am Stand der Düsseldorfer Galerie Sies & Höke. Den größten Eindruck hinterließ damals das kleinste seiner Objekte, eine blankpolierte Kugel, von der es hieß, sie würde sich nach 100 Jahren selbst zerstören.

Oberflächliche Gags werden in der Kunst normalerweise schnell wieder vergessen. Aber diese „100 years“ betitelte Kugel besaß Eleganz und arbeitete im Gedächtnis noch lange weiter. Was für eine Vorstellung! Wo und in welchem Moment würde sie in 100 Jahren explodieren? Wen oder was würde sie dabei verletzen? Durch wie viele Hände war sie zuvor gegangen?

Sinn für die schöne Form

Eine Ausstellung ist im Idealfall mehr als die Summe ihrer Exponate. Dann folgt sie einer sinnfälligen Dramaturgie, die Zusammenhänge stiftet und Akzente setzt. In Bonn bei Kris Martin sind es die Themen Zeit, Endlichkeit, Dauer, die alles mit feinen Fäden zusammenhalten. Dabei ist es geradezu erstaunlich, wie wenig bemüht das Ganze wirkt.

Kris Martin arbeitet häufig mit gefundenen Gegenständen, die eine Geschichte haben. Er ist aber auch ein Verzauberer, mit einem Auge für die Qualität von Materialien und Sinn für die ästhetisch schöne Form. „Spatium“ zum Beispiel, zwölf Farbaufnahmen von 2009, auf denen er dem Auge scheinbar eine von zarten Furchen durchzogene Landschaft aus luftgetrocknetem, erodiertem Schlamm anbietet. Tatsächlich wurden diese Bilder von einer Miniaturkamera aufgenommen: im Schädel eines Mönches, der vor 650 Jahren starb.

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