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16.01.2010

10:00 Uhr

Kristof Magnusson

Optionshandel ist Glücksspiel

VonKerstin Schneider

In seinem grandiosen Roman "Das war ich nicht" treibt Kristof Magnusson eine Bank in den Ruin und macht die Kapriolen der Finanzbranche zum Komödienspektakel. Der junge Autor schafft es, sogar den komplizierten Optionshandel treffend zu beschreiben - und aus der Krise ein Lesevergnügen zu machen.

Die Krise als Roman: Kristof Magnusson ist eine grandiose Komödie gelungen. Reuters

Die Krise als Roman: Kristof Magnusson ist eine grandiose Komödie gelungen.

BERLIN. Händler sind die Rockstars einer Bank. So sieht es der Banker Jasper Lüdemann. Ein Star mit dicken Bonuszahlungen will er auch werden. Noch ist der junge Deutsche ein kleines Licht im Händlersaal der Investmentbank Rutherford & Gold in Chicago. Er weiß: "Bestimmt gibt es auch eine Zeit für das Privatleben. Frau. Kind. Später. Ich war erst 31. Zwischen dreißig und vierzig muss man brennen." Jasper brennt heftig für seine Karriere, aber als sein Kollege entlassen wird, nutzt er dessen Account für zweifelhafte Börsentransaktionen. Er jongliert mit Millionen und treibt seine Bank in die Pleite.

Eine irre Geschichte legt der deutsch-isländische Autor Kristof Magnusson in seinem neuen Roman "Das war ich nicht" vor, in dem die Finanzbranche eine Hauptrolle spielt. Leicht nachzuerzählen ist das komplexe Verwirrspiel um drei Protagonisten nicht: Börsenhändler Lüdemann lernt die Übersetzerin Meike Urbanski kennen, die nach Chicago gereist ist, um nach dem verschollenen Bestsellerautor Henry LaMarck zu suchen. Der hatte sich auf einer Party seines Verlages abgesetzt, weil er unter einer Schreibblockade leidet. Jasper verliebt sich in Meike, und der wiedergefundene Henry liebt Jasper, durch den er neue Inspiration finden will. Am Ende verliert Jasper den Job, Henry bangt um sein Vermögen, und alle finden sich in Meikes nordfriesischer Kate wieder.

Die Kapriolen der Finanzbranche, aber auch die Eitelkeiten der Buchbranche verdichtet der 33-jährige Autor mit leichter Hand zu einem vergnüglichen Roman. Jasper Lüdemann mag dabei Händlern wie Nick Leeson nachempfunden sein, der 1995 die Londoner Barings Bank in den Ruin trieb. Mit einem Unterschied: Magnusson skizziert Jasper nicht als gierigen Händler, sondern als sympathisch-naiven Helden, der in den Betrug hineinrutscht, weil er einem Kollegen helfen will, eine Fehlbuchung von ein paar Tausend Dollar zu kaschieren. Doch Rutherford & Gold wird durch die Geschäfte ruiniert und Jasper per Haftbefehl gesucht.

Die Idee zu seinem Roman hatte Magnusson schon vor dem Ausbruch der Krise. Vieles, was den Financial Crunch ausgelöst hat, ist drin: faule Kredite, Sicherheitslücken und betrügerische Händler. Für Magnusson taugt die Finanzbranche auch zum Komödienspektakel: Der Autor, der mit seinem Stück "Männerhort" am Berliner Boulevardtheater große Erfolge feierte, glänzt mit ausgefeilten Dialogen und Slapstickszenen. Das Erstaunliche aber: Es gelingt ihm wirklich anschaulich, den komplizierten Optionshandel - den er als "informiertes Glücksspiel" bezeichnet - so treffend zu beschreiben, dass die schwierigsten Transaktionen nachvollziehbar werden. Magnusson hat genau hingeschaut und sich gut beraten lassen.

Kristof Magnusson: Das war ich nicht Antje Kunstmann, München 2010, 283 Seiten, 19,90 Euro

Kommentare (1)

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Wende

02.02.2010, 19:20 Uhr

Schädigende, undurchschaubare Geldgeschäfte wie z.b. die Optionsscheine werden als brauchbare Geldanlage, auch als Risikoversicherung bzw. als Versicherungsgeschäft angepriesen, es wird damit wichtig getan und dabei die (z.b. von professionellen Fondsmanagern) erzielbare ‚Rendite’, das Abkassieren von ca. -25% p.a. vertuscht. Das Erregen des irrtums, dass mit Optionsscheinen brauchbare Renditen erzielbar sind, sehe ich als betrug an. Habe in einem buch gelesen, dass ausgerechnet in Deutschland der größte Optionsscheinmarkt der Welt floriert (vgl. auch http://www.loys.de/fileadmin/Redakteur/downloads/080101-Si-DCb-Sparverhalten.pdf, http://www.gluecksspielsucht.de/materialien/bRSEN1DO.pdf) und dass die führenden Geldhäuser für Optionsanleger aus dem Ausland stammen. Die bürger in Deutschland werden offenbar unter billigung staatlicher Organe falsche Gewinnchancen vorgegaukelt. Offenbar scheinen sich Wirtschaftsbosse unter billigung der Staatsführungen alles erlauben und Geld einsacken zu können, was die Finanzkrise beweist. Der Mensch muss offenbar oftmals reinen Kapitalinteressen dienen. in Wirklichkeit muss das Kapital dem Menschen dienen, und es hat der Wirtschaft und den Unternehmen zu dienen.

Meine Petition betreffs „Optionsscheine“ wurde vom Deutschen bundestag und vom bundesministerium für Finanzen abgelehnt unter Hinweis, dass es sich um eine Anlagevariante mit außergewöhnlichen Gewinnchancen handelt, was bei der erzielbaren ‚Rendite’, auf die es mir übrigens ankam, irreführend ist. Schadenersatz über Gerichte gab es übrigens auch nicht, obwohl diese nach gesetzlichen bestimmungen und der höchstrichterlichen Rechtsprechung in mehrfacher Hinsicht fällig war.

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