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24.06.2012

09:14 Uhr

Künstler und Sammler Jeff Koons

„Kunst ist ein Investment ins Leben“

VonNicole Bastian, Susanne Schreiber

Er wird überall auf der Welt gefeiert und ist der teuerste lebende Künstler: Jeff Koons. Im Interview spricht er über die Macht der Werbung, Kitsch, Sex – und verrät, was wahre Kunst wert ist.

Künstler Koons: „Meine Werke wollen erregen“ dpa

Künstler Koons: „Meine Werke wollen erregen“

FrankfurtHandelsblatt: Herr Koons, Ihre Kunst handelt von Geburtstagstorten, Comicfiguren und Sex. Der rote Faden ist ...

Jeff Koons: ... das Leben, die Erhaltung von Leben, die Lebensbejahung. Ich liebte immer Kierkegaard und die Existenzialisten. Ich will in meiner Kunst Leben und Lebensenergie einfangen.

Die Oberflächen Ihrer Skulpturen und Gemälde sind überwältigend. Manipulieren Sie damit nicht unseren Blick?

Das tue ich - ich will kommunizieren. So wie Led Zeppelin mit seinem „UUUH my baby let me take you there". Das hörte ich mit 16 beim Autofahren. Er hat mich manipuliert mit seiner Stimme. Meine Bilder wollen den Betrachter ansprechen, stimulieren und erregen.

Wie erreichen Sie das?

Ich möchte, dass der Betrachter seine Gefühle entdeckt, wenn er vor meinen Bildern oder Skulpturen steht. Ziel dieser Manipulation ist immer die Akzeptanz.

Was verstehen Sie unter Akzeptanz?

Ich mache seit 30 Jahren Kunst und fordere den Betrachter dadurch auf, tolerant zu werden. Es geht mir um Selbstakzeptanz und Akzeptanz von allen auch banalen Dingen. Ich habe Schwierigkeiten, wenn Urteile gefällt werden. Wenn man urteilt, distanziert man sich von Dingen, die einem guttun könnten. Dabei geht es mir letztendlich um den Menschen. Jeder Betrachter ist perfekt auch mit seinen Unzulänglichkeiten. Er muss nur herausfinden, wie er seine eigenen Möglichkeiten erweitern kann. Deshalb arbeite ich mit einer bestimmten Bildlichkeit.

Dreimal Jeff Koons schauen

Fondation Beyeler, Basel

„Jeff Koons“ bis 2. September
www.fondationbeyeler.com
Der Katalog im Hatje Cantz Verlag kostet 68 SFR bzw. 49,80 Euro.

Liebieghaus, Frankfurt am Main

„Jeff Koons: The Sculptor“ bis 23. September
www.koons-in-frankfurt.de
www.liebieghaus.de

Schirn, Frankfurt am Main

„Jeff Koons: The Painter“ bis 23. September
www.schirn.de
Der Katalog im Hatje Cantz Verlag kostet 39,80/49,80 Euro.

Sprechen Sie von Kitsch?

Ich glaube nicht an Kitsch. Der Begriff Kitsch etabliert eine Hierarchie. Dass etwas in der Wahrnehmung besser oder wertvoller ist als anderes. „Woman in Tub" symbolisiert für mich einen Aschenbecher aus meiner Kindheit. Mit dem spielte ich immer im Haus meines Großvaters. Er stellte eine Frau in der Badewanne dar. Dort, wo man die Zigarette ablegt, waren ihre Beine. Der Rauch ließ dann ihre Beine wackeln. Für mich ist der Aschenbecher gleichwertig mit einem Michelangelo oder einem Leonardo. Denn die Kunst liegt im Auge des Betrachters. Sie liegt nicht im Kunstwerk.

Kommentare (9)

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24.06.2012, 10:26 Uhr

Kunst liegt im Auge des Betrachters? Richtig, brr! Das ist für mich alles hässlicher Kitsch.

Account gelöscht!

24.06.2012, 11:01 Uhr

Jede Zeit bringt ihre Kinder hervor. Und Herr Koons ist ein wunderbares Beispiel für die degenerierte und dekadente Zeit in der wir leben wo nur noch Blender, Nichtskönner, Lügner und Scharlatane das sagen haben.

Account gelöscht!

24.06.2012, 11:12 Uhr

Na, da investier ich mein Geld doch lieber in eine schöne Frau.

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