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15.09.2011

14:29 Uhr

Kulturförderpreis

Partnerschaften der Zukunft

VonChristiane Fricke

Die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig ist Kooperationspartner der Alpha 2000 GmbH. Mit Museumsleiterin Barbara Steiner sprach Christiane Fricke über Herausforderungen und Chancen der Kooperation zwischen Wirtschaft und Kunst.

Barbara Steiner, Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (honorarfrei)

Barbara Steiner, Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig

DüsseldorfHandelsblatt: Sie kooperieren mit der Leipziger Firma Alpha 2000, indem Sie die Einzelausstellung des vom Unternehmen ausgezeichneten Kunstpreisträgers in Ihrem Haus beherbergen. 2008 war das Unternehmen im Rahmen der Ausstellungsreihe „Carte Blanche“ Gast in Ihrem Haus, 2010 erschien dazu ihr Buch "Das eroberte Museum". Was ist Ihre These?

Barbara Steiner: Sammler, Unternehmer und Galeristen erobern die Museen. Wir wollten wissen: Wenn man nicht will, dass diese drei Gruppen derartig dominant sind, was möchte man stattdessen haben? Für wen ist das Museum da? Wie können wir mit Privaten arbeiten und wo können wir es nicht? Und wenn es Alternativen gibt, wo sind sie? Wir als Institution dürfen uns nicht zurücklehnen; wir müssen einen aktiven Part in dieser Auseinandersetzung einnehmen. Teil des Projekts „Carte Blanche“ war es auch, Reibungsflächen zu erzeugen, um genau solche Fragen in Gang zu bringen.

War es schwierig für Sie, sich mit den Privaten einzulassen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Keiner kann in solchen Projekten restlos seine Interessen durchsetzen. Jemanden einladen und dann Bedingungen diktieren ist genauso schwierig wie umgekehrt. Für mich war wichtig, ein Forum zu schaffen, auf dem die Privaten und die Institution zunächst ihre Haltung artikulieren konnten. Diese traten dann gegeneinander bzw. miteinander an. In jedem Fall fanden diese Auseinandersetzungen über die Rolle der Privaten öffentlich statt. Möglich wäre ja auch gewesen, dass die Kunstinstitution oder auch der an ihr Interessierte zu folgendem Schluss kommen: Was da passiert, gefällt uns nicht; wir schalten uns in die Diskussion ein. Wir erobern uns unser Museum zurück.

Was sollten die Museen tun?

Es reicht nicht, einfach eine Ausstellung zu machen. Sie sollten auch fragen, warum machen wir diese Ausstellung? Was sind denn die Interessensverflechtungen dahinter? Wenn man sich schon darauf einlässt, mit Unternehmen oder Sammlern zu arbeiten, dann muss man auch den Mut haben, diese Verhältnisse zu thematisieren und auch darüber sprechen. Dies sollte ein Teil des Zeigens, des Ausstellens selbst werden – wie es bei „Carte Blanche“ der Fall war. Die Auffassungsunterschiede haben sich deutlich an den Ausstellungen ablesen lassen.

Werden wir irgendwann auf die Privaten nicht mehr angewiesen sein?

Wie soll das gehen? Wir werden nicht mehr das Mäzenatentum des 19. Jahrhunderts haben. Undenkbar. Und von Selbstlosigkeit konnte auch damals keine Rede sein, nur damals sprach man eben nicht über seine Interessen.

Wer wird den Mäzen ersetzen?

Wenn der Mäzen nicht wiederkommt, wäre die Schlussfolgerung, dass jeder Einzelne viel mehr gefordert ist sich einzumischen und bestimmte Debatten einzufordern. Das mäzenatische 19. Jahrhundert-Modell war ein Autoritätsmodell.

Die Galerie für Zeitgenössische Kunst wird praktisch nur von einer einzigen Person unterstützt, nämlich von dem Unternehmer Arend Oetker. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Dieses Modell hängt in der Tat an einer Person. Arend Oetker handelt aus einer gesellschaftlichen Verpflichtung heraus, ohne irgendetwas zu fordern. Er gibt, weil er der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Im Kontrast dazu werden wir uns in Zukunft mehr mit ganz konkreten, handfesten Interessenslagen herumschlagen müssen. Vielleicht glückt es aber auch zu einer neuen Form von gesellschaftlichen Engagements zu kommen, selbst wenn wir noch nicht wissen wie dieses aussehen wird.

Wollten die eingeladenen Unternehmen, Sammler und Galeristen vom Museum lernen?

Diese Bereitschaft war da. Sie nimmt ab je größer ein Unternehmen ist. Ein großes Unternehmen möchte in der Tendenz keine intensive inhaltliche Auseinandersetzung, es möchte sich in erster Linie in seinem Engagement, das bereits klar vorab definiert ist, präsentieren. Das ist durchaus legitim. Aber es geht nicht darum, seine Position zu verändern. Für uns war es generell wichtig, in die Auseinandersetzungen mit Selbstbewusstsein hineinzugehen, durchaus verbunden mit der Gefahr des Scheiterns. Und so war es denn auch: Ein Sammler ist vom Projekt zurückgetreten.

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