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13.07.2015

14:17 Uhr

Kulturgutschutzgesetz

Baselitz will Dauerleihgaben aus Museen abziehen

Georg Baselitz will seine Dauerleihgaben aus deutschen Museen zurückziehen. Ein herber Verlust für die betroffenen Ausstellungen. Das geplante neue Kulturgutschutzgesetz gerät damit zunehmend in die Kritik.

Vor dem Hintergrund des geplanten Kulturgutschutzgesetzes will der Künstler seine Dauerleihgaben zurückziehen. dpa

Georg Baselitz in München

Vor dem Hintergrund des geplanten Kulturgutschutzgesetzes will der Künstler seine Dauerleihgaben zurückziehen.

Dresden, BerlinDer Maler und Bildhauer Georg Baselitz will vor dem Hintergrund des geplanten Kulturgutschutzgesetzes seine Leihgaben aus deutschen Museen abziehen. Der 77-jährige Künstler bestätigte dies der Tageszeitung „Die Welt“ . Ein Sprecher der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag, Baselitz habe dem SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer am Freitag persönlich mitgeteilt, dass er zehn Leihgaben abziehen werde. Auch die Münchner Pinakothek der Moderne und die Kunstsammlungen Chemnitz sind davon betroffen.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) werden die zehn Dauerleihgaben von Georg Baselitz in den nächsten Tagen an den Maler und Bildhauer zurückschicken. „Es ist ein schwerer Verlust der Gegenwartskunst im Albertinum und von Werken von Baselitz, den wir auch erstmal nicht ausgleichen können“, sagte Generaldirektor Hartwig Fischer am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Abhängung wird bereits geplant. Der Künstler hatte Fischer vergangenen Freitag informiert, dass er die neun Gemälde und eine Skulptur zurückhaben möchte. „Diesem Wunsch werden wir so schnell wie möglich entsprechen.“

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Kunst ist für Georg Baselitz, sich nicht an Regeln zu halten – seine Position sei „asozial“. Mit dem Handelsblatt sprach er über seine frühen Jahre in der DDR und West-Berlin, über den Kunstmarkt und Provokation.

Mit dem Verschwinden der Werke ist der Baselitz-Saal im Albertinum Geschichte. „Der Raum wird so nicht mehr weiter existieren“, sagte Fischer. „Man sollte diese Woche ins lbertinum gehen, wenn man die Werke nochmal sehen will.“

Das Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes von 1955 soll die Ausfuhr von Kultur- und Archivgut oder dessen Verbringung ins Ausland verhindern. Dazu werden die Bestände in ein Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes oder ein Verzeichnis national wertvoller Archive eingetragen. Über die Aufnahme in das Verzeichnis entscheiden die Länder, in denen sich Kunstwerke und Archivgut befinden, auf der Basis von Gutachten.

Für eine Ausfuhr ist nach den Bestimmungen die Genehmigung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien nötig. Sie ist an Bedingungen geknüpft und zu versagen, „wenn die wesentlichen Belange des deutschen Kulturbesitzes das private Interesse überwiegen“.

Im geplanten Kulturgutschutzgesetz von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sollen die Ausfuhrbeschränkungen für Kunstwerke neu geregelt werden. Nach Angaben der Bundesregierung sollen bestehende Gesetze zusammengeführt, neues EU-Recht berücksichtigt und deutsches Recht an internationale Standards angepasst werden. Der Entwurf sehe strikte Ein- und Ausfuhrregelungen und eindeutige Sorgfaltspflichten beim Erwerb von Kulturgut vor. So würden unter anderem klare Angaben zur Herkunft und Provenienz eines Objekts beim An- und Verkauf vorgeschrieben. Kritiker sehen in dem Entwurf eine zu weit gehende Beschränkung des Kunsthandels.

Der Berliner Kunstexperte Peter Raue schrieb am Montag im Berliner „Tagesspiegel“, das Gesetz sei „der beispiellose Versuch, dem Staat den Zugriff auf alle jene Arbeiten mit leichter Hand und wenig Geld zu ermöglichen, die er - aus welchen Gründen auch immer - dem öffentlichen Besitz einverleiben will“.

Von

dpa

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