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08.07.2016

18:06 Uhr

Kulturgutschutzgesetz durch den Bundesrat

Deutschland wird ärmer

VonSusanne Schreiber

Das unter Kulturbürgern und Sammlern höchst umstrittene Kulturgutschutzgesetz ist nach dem Bundestag auch im Bundesrat angenommen worden. Ein Kommentar.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat das komplexe Gesetzeswerk zur Neuregelung des Kulturgutschutzes durchgeboxt. Foto: Wolfgang Kumm/dpa dpa

Der Kopf hinter dem Gesetz

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat das komplexe Gesetzeswerk zur Neuregelung des Kulturgutschutzes durchgeboxt. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

BerlinDer Bundesrat hat das Kulturgutschutzgesetz (KGSG) am 8. Juli 2016 angenommen. Mit Mehrheit. Das war abzusehen. Wer sich zu diesem Thema unter Politiker mischte, spürte Hilflosigkeit und Unwissenheit über Problemlage wie über Fakten. Zu groß war das Desinteresse an einem komplexen Gesetz.

Warum? Weil man mit Kunst und Kultur keine Wählerstimmen fängt. Nur 5 Prozent der Bevölkerung interessieren sich überhaupt für Kultur und ihre Geschichte. Die seit 2000 in astronomische Höhen geschossenen Marktpreise für bestimmte Blue-Chip-Künstler bestimmen in weiten Kreisen die Wahrnehmung der Kunst. Sie halfen wie auch die Skandale um Achenbach und Bouvier das fatale Bild zu etablieren, dass Kunst ohnehin etwas nur für die Reichen ist. Da interessiert es keinen Abgeordneten mehr, dass der Durchschnittspreis der in Deutschland versteigerten Kunst bei wenigen tausend Euro liegt – also massenkompatibel ist.

Exodus von Kunst und Handel

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat das KGSG zur Chefsache gemacht. Ein Triumph für sie dürfte die Zustimmung nur in der Kurzzeitbetrachtung von heute sein. In der Langzeitperspektive jedoch schlagen die Zerrüttung des Verhältnisses zur Sammlerschaft ins Kontor und die Verlagerung des deutschen Kunsthandels ina Ausland, der Umsatzsteuer und Gehälter dann eben im nahen Ausland zahlt und nicht mehr hierzulande.

Kulturgutschutzgesetz: Der Ausverkauf ist in vollem Gang

Kulturgutschutzgesetz

Der Ausverkauf ist in vollem Gang

Die Zahl identifizierter Werke aus deutschen Privatsammlungen in Londoner Auktionen reißt nicht ab. In der ersten Februarwoche 2016 kamen auch zwei expressionistische Bilder aus der Sammlung Schäfer unter den Hammer. Der Vergleich mit den Ergebnissen eines deutschen Auktionshauses verheißt nichts Gutes. Als Ort für das Sammeln und Handeln hochkarätiger Ware hat Deutschland bald ausgedient.

Der Exodus an wertvoller Kunst ins Ausland und der Aufbau von Auslandstöchtern von Galerien und Auktionshäusern hat bereits begonnen. Und demnächst dürften Verfassungsklagen eingereicht werden. Mit diesem, in dem die Ausfuhr betreffenden Teil so unfertigen wie einseitigen Gesetz hat sich die Politik so weit von der Kunst-Community entfernt, wie nie zuvor. Am 1. August tritt das KGSG in Kraft. Deutschland wird ärmer.

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