Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.12.2015

20:14 Uhr

Kulturgutschutzgesetz

Genickschlag für den Asiatika-Handel

VonChristiane Fricke

Die erhöhte Sorgfaltspflicht, die das neue Kulturgutschutzgesetz einführen will, birgt gefährliche Tücken. Wer beweisen kann, dass sein Kunstwerk rechtmäßig eingeführt wurde, ist fein heraus. Da Unterlagen bislang jedoch nur zehn Jahre aufbewahrt werden mussten, kommen Händler wie Sammler in Schwierigkeiten. Für den Handel namentlich mit Asiatika bedeutet das nichts Gutes.

Kunstvoll gestalteter, sehr seltener Stellschirm (235 x 415 cm) mit Rotlackpaneelen. Eines der Top-Lose der Asiatika-Auktion bei Nagel in Stuttgart.

Kommt aus einer alten europäischen Privatsammlung

Kunstvoll gestalteter, sehr seltener Stellschirm (235 x 415 cm) mit Rotlackpaneelen. Eines der Top-Lose der Asiatika-Auktion bei Nagel in Stuttgart.

Stuttgart, KölnDen Teil des geplanten Kulturgutschutzgesetzes, der den Schutz von illegal nach Deutschland eingeführten Kulturgütern regelt, finden zunächst einmal alle gut. Genauer besehen haben jedoch die neu erdachten Bestimmungen für die nun geforderte Nachweispflicht für rechtmäßige Einfuhr der sich auch schon jetzt in Deutschland befindenden Kulturgüter gravierende Folgen; und zwar sowohl für den noch in Deutschland verbliebenen Handel, als auch für die Sammler.

Die nicht eindeutige und in der Auslegung variable Formulierung des vorliegenden Gesetzes-Entwurf beinhaltet so zum Beispiel eine erhöhte Sorgfaltspflicht für jedwede Kunstobjekte außer Kunst ab 1945. Je nach Auslegung der erforderlichen Provenienz-Recherchen kann dies zu erheblichen Schwierigkeiten führen, wenn das Kulturgut in Verkehr gebracht wird.

Nachweise nur für zehn Prozent

Die Gründe erläutert Michael Trautmann, Asiatika-Experte des Stuttgarter Auktionshauses Nagel. „Es gibt so zum Beispiel für chinesische Objekte keine Wertgrenze für die erhöhten Sorgfaltspflichten.“ Die Auslegung des Gesetzentwurfs könne jedoch bedeuten, dass für jedes Stück die Provenienz bis 1992 lückenlos nachgewiesen werden müsse, was letztlich für schätzungsweise zehn Prozent der von Nagel angebotenen Stücke möglich wäre.

Der Anhang zum entsprechenden Paragraphen (§ 29) vermerkt dazu, dass sich „im Interesse von Sammlerinnen und Sammlern und des Handels“ „das Einfuhrverbot nicht auf solche Kulturgüter erstreckt, die sich nachweislich rechtmäßig bereits im Inland befinden. Dadurch soll eine Rückwirkung der Einfuhrregelung ausgeschlossen werden“.

Rechtsunsicherheit durch Widersprüche

„Wie jedoch soll bewiesen werden, dass sich ein chinesisches Objekt, das so zum Beispiel auf einer deutschen Auktion 2001 rechtmäßig erworben wurde, sich rechtmäßig in der Bundesrepublik befindet und hier rechtmäßig eingeführt wurde, wenn die Unterlagen des damaligen Versteigerers nicht mehr verfügbar sind“, fragt Trautmann. Hierzulande galt bislang nur eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist der Geschäftsunterlagen von zehn Jahren. Wie soll ein Erbe oder Besitzer von chinesischen Objekten beweisen, der diese vor 20 oder 30 Jahren geerbt oder erworben hat, jedoch über keine Unterlagen mehr verfügt, dass sich diese rechtmäßig in der Bundesrepublik befinden?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×