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08.04.2012

14:06 Uhr

Kulturinvestments

Angst vor dem Platzen der Kunstblase

VonMatthias Thibaut

Nie war das Interesse von Investoren am Kunstmarkt so groß wie heute. Fonds versprechen ihren Kunden Riesenrenditen. Dabei gerät der künstlerische Wert immer mehr in den Hintergrund - und das Verlustrisiko nimmt zu.

Tamara de Lempicka: Nu adossé I, 1925, Sotheby's London. Sotheby's London

Tamara de Lempicka: Nu adossé I, 1925, Sotheby's London.

LondonNie war die Kunst so wertvoll wie heute. Das wissen alle Sammler längst. Doch worauf lassen sie sich eigentlich ein? Auch Fachleute warnen inzwischen.

Auf der Maastrichter Jubiläumsmesse herrschte eitel Freude, selten war die Bilanz so positiv. Es gab gute Verkäufe, jeder fünfte Besucher war zum ersten Mal auf der Messe. „Noch nie waren so viel neue Kunden an meinem Stand und kauften Kunst“, berichtete der Asiatika-Händler und Messevorsitzende Ben Janssen.

Überall in der Welt strömen neue Sammler in den Kunstmarkt. Das globale Volumen hat sich seit dem Rezessionsjahr 1991 auf 64,1 Milliarden versiebenfacht. Aber immer mehr dieser Käufer suchen in der Kunst nicht Schönheit, Lebensbereicherung, ästhetische Überwindung des eigenen Alltags, sondern einfach nur den Investitionsgewinn. Und das beunruhigte mitten im Geschäftserfolg der Maastrichter Messe auch Kunsthändler und -berater.

Anlageexperte: „Kunst als sicherer Hafen für den Wohlstand“

Anlageexperte

„Kunst als sicherer Hafen für den Wohlstand“

Fabian Bocart ist Risikoanalyst beim Kunstberater Tutela Capital. Im Vergleich mit Immobilien oder Edelmetallen schneidet Kunst seiner Ansicht nach zum Teil ordentlich ab - ein gutes Gespür für Trends vorausgesetzt.

„Immer mehr springen auf einen Zug auf, bei dem sie gar nicht wissen, wohin die Reise geht“, warnte der niederländische Kunstberater Johan Bosch van Rosenthal von der Amsterdamer Art Consult und prophezeite: „Wenn der Zug nicht den Berg hinaufkommt und die Fahrt wieder rückwärts geht, springen diese Leute als Erste ab.“

„Die meiste Contemporary Art, die heute verkauft wird, ist in 50 Jahren nichts mehr wert“, warnte der Altmeister-Sammler George Kremer beim Kunstmarkt-Symposium der Messe. Risikoanalyst Fabian Bocart preist zwar den Investitionswert der Kunst, aber auch er warnt vor Spekulation und „Überhitzung in bestimmten Bereichen“ . Clare McAndrew, Verfasserin des Tefaf-Marktberichts 2011, weiß, dass sich hinter ihren global positiven Wachstumszahlen rezessive Bereiche des Kunstmarkts verstecken. Sie meint damit, ohne es zu laut zu sagen, westliche Altmeister und dekorative Kunst. In China, wo der Markt seit 2004 um 1000 Prozent zugelegt hat, baue sich eine Preisblase auf, warnt sie. „Wenn sich die Kreditbedingungen verschlechtern, könnte das auf den Kunstmarkt übergreifen.“

Kommentare (1)

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KunstWerte

08.04.2012, 23:14 Uhr

Kunst ist immmer nur so wertvoll, wie jemand bereit ist dafür zu zahlen. Im Kunstbereich exitieren zudem Moden, die Exponate hochreißen oder bis fast auf Flohmarktwerte abstürzen lassen. Kunst generell als Wertanlage zu betrachten, ist hoch spekulativ. Tamara de Lempicka ist eine Ausnahmeerscheinung; etliche Exponate aus der Jugendstil sind Ausnahmeerscheinungen. Alles aber Dinge, die so wertvoll & und selten sind, dass sie nur wenigen Menschen als Renditeobjekte dienen können.

Tragisch sind Kunstwerte, die im mainstream "hochgejubelt" und anschließend fallen gelassen werden; halt Mode. Auch Kunst ist Moden unterworfen. Vor ca. 35 Jahren war es hochmodern in alte Graphiken (Kupferstiche, Stahlstiche, etc.) zu investieren. Viele Bücher wurden regelrecht geschlachtet, um die Inhalte an die Wand zu bringen und den Rest quasi wegzuwerfen. Ganze Kulturwerte wurden dem Zeitgeist zum Ausschlachten übergeführt. Heute sind solche Graphiken "out" - die Eigentümer beginnen wegzusterben und die Erben interessiert es nicht mehr wirklich. Diese Kunst wird verramscht. Auch Kunst geht den Weg des Irdischen - früher oder später.

Tamara de Lempicka ist eine mächtige Ausnahmeerscheinung. Es wäre aber zu schade, die Bilder in Privatsammlungen zu verstecken. Bilder dieses Kalibers gehören in Museen, wo sie von vielen Menschen wahrgenommen werden können.

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