Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2008

08:16 Uhr

Kulturszene

Kunst statt Blut

VonStefanie Müller

Hochmoderne Beleuchtung und Rohbau mischen sich mit Plüschambiente – der Umbau des Madrider Schlachthof begeistert die heimische Kulturwelt. Wie die spanische Hauptstadt mit zahlreichen Musik- und Theaterveranstaltungen die internationale Kulturszene aufmischt.

HB. Hier sollen scharfe Messer gewetzt, soll Blut in Strömen geflossen sein? Dafür wirkt der Gebäudekomplex, vom Architekten Luis Bellido vor 100 Jahren im Neo-Mudejarstil entworfen, viel zu prächtig. Großzügige Grünflächen und zehn hohe Backstein-Hallen lassen vergessen, dass der „Matadero“, zu Deutsch Schlachthof, Anfang des 20. Jahrhunderts ein Industriebetrieb war, der Dreh- und Angelpunkt für den Vertrieb von Fleischwaren in Madrid.

Mit der Umwandlung des Schlachthofs im Viertel Legazpi in ein multidisziplinäres Zentrum wird die kulturelle Achse der Stadt fortgesetzt, die über die Museumsmeile Thyssen-Bornemisza, den spektakulär ausgebauten Prado und das Reina-Sofía-Museum bis zur anderen Seite des Manzanares-Flusses reicht. Der Umbau der Hallen, die seit den 70er-Jahren leerstehen, ist noch nicht komplett abgeschlossen – geleitet wird das Projekt vom spanischen Architekten José Antonio García Roldán. Hochmoderne Beleuchtung und Rohbau mischen sich mit Plüschambiente – die Kulturwelt ist begeistert.

Seine Arbeit folgt einem Trend der Städteplaner, alte Fabriken und Lagerhallen zu renovieren und kulturell zu nutzen. Zwischen den relativ hässlichen Hochhausbauten lag dieses Areal bisher wie eine Oase der Ruhe. Kinder aus dem Viertel spielten in den Grünanlagen. Jetzt ist auf dem 150 000 Quadratmeter großen Grundstück am Plaza Legazpi alles im Wandel.

Am Wochenende stehen die Spanier und auch viele Touristen hier Schlange, um an den zahlreichen Musik- und Theater-Veranstaltungen teilzunehmen. An Weihnachten wurde „Der kleine Prinz" aufgeführt, und seit dem Sommer zahlreiche Architektur- und Designwochen eingeläutet. Am Anfang kommen die Besucher jedoch meist nicht wegen des kulturellen Events, sondern eher wegen des bizarren Ambientes von hochmoderner Beleuchtung, Rohbau-Stil und Plüscheinrichtung. Trotz herunterfallenden Putzes wird es durch rote Teppiche und das richtige Licht gemütlich im Schlachthof – und das, obwohl es mit der Beheizung noch nicht so ganz klappt.

„Auf den 150 000 Quadratmetern entsteht ein internationales Kulturzentrum, mit dem die spanische Hauptstadt es schafft, zur Avantgarde der Städte Paris, London und Berlin aufzuschließen – aber auch zu Barcelona, dem ewigen Konkurrenten in Sachen Kultur und Tourismus“, sagt Carlos Urroz, Chef der spanischen Kulturagentur Urrozproyectos. Internationale Herbst- und Sommer-Festivals hätten Kulturreisenden schon in den vergangenen Jahren in Scharen nach Madrid gelockt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×