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08.04.2011

15:29 Uhr

Kunst aus Afrika

Schwergewichtiger Leitfaden

VonSusanne Schreiber

Mit dem Leitfaden "Afrika und die Kunst" haben die Herausgeber Dorina Hecht und Günter Kawik eine Marktlücke geschlossen. Erstmals werden in einem Buch Afrikas Stammeskunst und zeitgenössische Kunst vereint.

Der afrikanische Künstler Romuald Hazoumé inmitten einer Ausstellung seiner berühmten Benzinkanister-Masken. Quelle: picture-alliance

Der afrikanische Künstler Romuald Hazoumé inmitten einer Ausstellung seiner berühmten Benzinkanister-Masken.

DüsseldorfEine drei Kilogramm schwere, auch inhaltlich schwergewichtige Neuerscheinung bestätigt die auf diesen Schwerpunktseiten versammelten Analysen der Handelsblatt-Korrespondenten: Das Interesse an zeitgenössischer afrikanischer Kunst ist erwacht – allein es fehlt an Literatur jenseits von schwer verständlicher, ethnologischer Forschung und von Ausstellungskatalogen mit ihrem eng umrissenen Thema.

Diese Marktlücke besetzt der Sammler westafrikanischer Figuren und Masken, Günter Kawik, mit einem unorthodoxen und deswegen so anregenden, opulent ausgestatteten Buch. Erstmals vereinen Kawik und seine Mitherausgeberin, die Kunsthistorikerin Dorina Hecht, die bislang getrennt behandelten Bereiche Stammeskunst und zeitgenössische Kunst. Das ist ein Gewinn, denn Kunst ist ein fortdauernder Prozess. Es ergibt Sinn, blätternd auf die kecken Benzinkanister-Masken von Romuald Hazoumé zu stoßen und sie dann im Kontext von ausdrucksstarken Holz- und Bronzemasken der Elfenbeinküste noch einmal zu betrachten.

Dass die Forschung immer dieselben, sattsam bekannten Exponate der Tribal Art abbildet, war dem Sammler Kawik ein Dorn im Auge. Wenn es in Deutschland 78 Privatsammler von sogenannter „traditioneller“ afrikanischer Kunst gibt, dann wären da zahlreiche unpublizierte Werke zu entdecken. 36 Sammler gewährten schließlich Einblick in ihre Sammlungen, Strategien und Erkenntnisse. Doch etliche lehnten eine Veröffentlichung unter ihrem Namen und im Vergleich mit anderen ab. Statt letztendlich ermüdender Reihung entschieden sich Hecht und Kawik für eine praxisbezogene, thematische Ordnung und für vier Kapitel zur zeitgenössischen Kunst in Afrika.

Erfrischend anders ist neben dem Ansatz auch die Sprache von 13 meist jüngeren Autoren. Sie nehmen sich Kunstgeschichte und Kunstmarkt vor, stellen lokale Kunstzentren heraus, durchleuchten den Diskurs um das „Traditionelle“, erörtern Datierungsmethoden und diskutieren Präsentationsformen.

Sophie Eliot weist auf den diskriminierenden Gestus hin, der dem in Frankreich bis heute gebräuchlichen Begriff „Primitive Kunst“ innewohnt. Dass die Kunst aus Afrika weder stillsteht, noch unentwickelt und rückständig ist, beweist der Prachtband aufs Schönste.

"Afrika und die Kunst. Einblicke in deutsche Privatsammlungen.“
Hg. von Dorina Hecht und Günter
Kawik, 488 Seiten, 500 farbige Abb., Kawik Verlag, Bottrop,
98 Euro + Versand;

ISBN 978-3-00-031864-1,
www.kawik-verlag.de


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