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19.04.2011

17:41 Uhr

Kunst aus BRIC-Staaten

Konsolidiertes Marktsegment

VonMatthias Thibaut

Die zweite Londoner Auktion aus den BRIC-Staaten spielt bei Phillips de Pury in London 6,5 Millionen Pfund ein. Sie verlief routinierter als ihr Vorgänger 2010. Die Bieter waren diesmal wählerischer.

Liu Weis "Untitled (Worker)" aus dem Jahr 1992 kostete bei Phillips de Pury 385.250 Pfund. Quelle: Phillips de Pury

Liu Weis "Untitled (Worker)" aus dem Jahr 1992 kostete bei Phillips de Pury 385.250 Pfund.

LondonDie Begeisterung in Phillips de Purys zweiter BRIC-Auktion mit Kunst aus den – nun längst etablierten – neureichen Ländern Brasilien, Russland, Indien und China war nicht ganz so groß wie im letzten Jahr. 2010 hatte sich gerade in diesem Segment der Aufbruch des Kunstmarkts aus der Rezession manifestiert. Nun ist man längst wieder zur Tagesordnung übergegangen. Die Auktionsbilanz lag mit 6,5 Millionen Pfund unter den 7,2 Millionen Pfund von 2010, die Rückgangsraten nach Losen lagen mit 47 Prozent weit höher. Aber dafür waren die Preise deutlich höher: Im letzten Jahr verkaufte das Auktionshaus 227 Lose, diesmal waren es nur 103. Der Durchschnittspreis der verkauften Werke verdoppelte sich also fast genau von 31.718 Pfund auf 63.304 Pfund: Dies ist das klare Zeichen dafür, wie rasch sich dieses Marktsegment konsolidiert: Nach dem Aufbruch kommt es nun, genau wie in Sotheby’s Auktion türkischer Contemporary Art, darauf an, dass sich der Kanon der wichtigen Künstler herauskristallisiert und konsolidiert.

Wählerische Käufer

Dazu gehörte auch, dass die 38 Prestigelose der Abendauktion (davon 29 verkauft) mit 5,7 Millionen Pfund den massivsten Block stellten. Das Spitzenlose war wie geplant Ilya Kabakovs mit Papierblumen geschmücktes „Holiday #10“, das seine Taxe von 1,5 bis 2,5 Millionen Pfund aber knapp verfehlte und mit Aufgeld für knapp 1,5 Millionen Pfund oder 1,7 Millionen Euro an einen Telefonbieter verkauft wurde  – deutlich unter dem im BRIC-Sale vor einem Jahr erzielten Kabakov-Rekordpreis. Das Bild war bis 2007 in der wichtigen Sammlung russischer zeitgenössischer Kunst von John L. Stewart. Ähnlich erging es zwei fotorealistischen Arbeiten von Semyon Fabisovich von 1984 und 1990, die mit jeweils 145.250 Pfund knapp unter Schätzung blieben. Andere russische Hoffnungsträger gingen zurück, darunter Komar & Melamids propagandistisch-ironisches „Doppelselbstporträt“ (250.000/350.000 Pfund) und Eric Bulatovs „Russia in Paris“ (300.000/500.000 Pfund). Wohlfeiler war da Oleg Wassiljews an der oberen Taxe für 63.650 Pfund versteigerte Straßenszene „Nach dem Regen“.

Drei weitere Rückgänge trübten die Stimmung: „Relevo Espacial“, eine Skulptur des brasilianischen Avantgardisten Hélio Oiticica (1937-1980), auf 300.000/400.000 Pfund geschätzt ging zur Enttäuschung von Auktionsorganisator Henry Allsopp zurück, der hohe brasilianische Einfuhrsteuern verantwortlich machte. Bharti Khers fünfteilige Bindi-Abstraktion „Invisible People“ scheiterte mit der gleichen  Taxe, ebenso eine Installation ihres Ehemanns Subodh Gupta – indische Kunst war überhaupt am dünnsten vertreten.

China trumpft auf

Doch diesen Rückgängen standen soliden Verkäufe im Mittelfeld und in den großen Blöcken von russischer und chinesischer Kunst in der Folgeauktion gegenüber. China war, im Gefolge des Erfolgs der Sammlung Ullens in Hongkong, wieder am stärksten. Das Bild Nr. 21 aus Zeng Fanzhis „Maskenserie“  brachte 993.250 Pfund, ein Arbeiterporträt von Liu Wei verdoppelte die Schätzung auf 385.250 Pfund, einen Rekordpreis,  und Yang Shaobins „Untitled No. 15“ aus einer Gruppe, die im Bildraum schwebende Opfer brutaler Gewalt zeigt, kostete hohe 313.250 Pfund. Hierher gehört wohl auch das Solidaritätsgebot von 145.250 Pfund, das den Preis einer Fotoserie des seit 2 Wochen eingesperrten Chinesen Ai Wei Wei verdoppelte. 

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