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17.11.2014

16:55 Uhr

Kunst gegen Bares

WDR will Kunstwerke verkaufen

Der WDR muss dringend sparen. Bis zu 100 Millionen Euro fehlen dem größten ARD-Sender pro Jahr. Auch die Kunstsammlung soll Opfer bringen. Doch ein geplanter Verkauf trifft auf harsche Kritik von allen Seiten.

Der WDR mit Dom in Köln: Der Westdeutsche Rundfunk will angesichts massiver Sparzwänge Kunstwerke aus seinem Bestand verkaufen. dpa

Der WDR mit Dom in Köln: Der Westdeutsche Rundfunk will angesichts massiver Sparzwänge Kunstwerke aus seinem Bestand verkaufen.

KölnDer Westdeutsche Rundfunk will angesichts massiver Sparzwänge Kunstwerke aus seinem Bestand verkaufen. Eine Sprecherin des öffentlich-rechtlichen Senders sagte am Montag auf Anfrage, es werde geprüft, was möglichst schnell veräußert werden könne, um das Defizit zu verringern.

„Eine der Überlegungen ist der Verkauf des WDR-Kunstfundus.“ Ein externer Experte nehme die Bewertung der knapp 600 Kunstwerke vor. „Derzeit sind wir im Entscheidungsprozess, welche Bilder wir in welcher Form auf den Markt bringen“, sagte Sprecherin Ingrid Schmitz nach einem Bericht der „Rheinischen Post“.

Erst kürzlich hatte der Verkauf von zwei Warhol-Bildern aus dem Besitz des NRW-eigenen Unternehmens Westspiel Empörung ausgelöst. Der defizitäre Casinobetreiber - Tochter der landeseigenen NRW.Bank - hatte die Siebdrucke „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ in New York versteigern lassen - zusammen hatte das umgerechnet rund 120 Millionen Euro gebracht. Zu den Plänen des Senders sagte nun ein Regierungssprecher: „Unternehmensentscheidungen trifft der WDR in alleiniger Verantwortung.“

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Die WDR-Sammlung umfasst auch namhafte Künstler. Die Werke seien überwiegend in den 1950er und 60er Jahren mit „einem offensichtlich sehr guten Händchen“ für damals kleine Beträge zur Ausstattung des Senders und zur Dekoration der Studios gekauft worden, erläuterte Schmitz.

So sei etwa ein Werk des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner 1956 für 600 D-Mark erstanden worden, der heutige Schätzwert liege im hohen fünfstelligen Euro-Bereich. Andere Werke seien aktuell sechsstellige Summen wert. Der WDR verstehe sich auch weiter als Kulturträger, betonte Schmitz.

WDR-Intendant Tom Buhrow hatte vor einem Jahr einen harten Sparkurs angekündigt und dabei bereits als Sofortmaßnahme Verkäufe aus dem Kunstbestand genannt. Von 2016 an fehlen dem größte ARD-Sender durchschnittlich zwischen 80 und 100 Millionen Euro pro Jahr im Etat. Im Sommer war der Abbau von 500 Planstellen bis zum Jahr 2020 angekündigt worden, etwa über Altersteilzeit und Vorruhestand.

Kommentare (6)

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Herr Theo Gantenbein

17.11.2014, 17:43 Uhr

Richtig so. Der WDR ist kein Museum.

Noch wichtiger aber wäre Sparen und den überbordenden Verwaltungsapparat stutzen. Dort wimmelt es nur von Kostgängern, die von unsren Gebühren schmarotzen...

Herr Franz Paul

17.11.2014, 18:11 Uhr

Am besten gleich ganz zumachen, den Scheissladen. Und dafür nicht weiter Zwangsgeld zahlen.

Herr Lothar Brandt

17.11.2014, 18:14 Uhr

Mit Erschütterung muß man feststellen,daß der öffentlich-rechtliche WDR - der per se kein öffentlicher Dienst ist - mit den Gebühren der Fernseh/Rundfunkteilnehmer eine Kunstsammlung aufgebaut hat.
Gehört eine Kunstsammlung eines Fernseh/Rundfunksender zu seinem Auftrag die Öffentlichkeit mit Informationen zu versorgen? Ich denke nein. Ist es des weiteren rechtens solch eine Sammlung aufzubauen?
Die Kunstsammlung ist somit umgehend zu versteigern und der Erlös dem WDR-Haushalt zu widmen.

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