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04.07.2012

12:11 Uhr

Kunst-Mäzene

Sich gegenseitig Gutes tun

Nicht jeder Sammler kann sich ein eigenes Museum leisten. Um Standards für eine Kollektion zu garantieren, ist die Dauerleihgabe an eine renommierte öffentliche Institution der beste Weg. In Stuttgart zeigen zwei Ausstellungen wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen Museen und Privatsammlern sein kann.

Otto Dix: "Bildnis Frau Martha Dix", 1923, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Stuttgart, Geschenk der Landesbank Baden Württemberg, ehemals Sammlung Frank. (Ausschnitt) VG Bild Kunst, Bonn 2012

Otto Dix: "Bildnis Frau Martha Dix", 1923, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Stuttgart, Geschenk der Landesbank Baden Württemberg, ehemals Sammlung Frank. (Ausschnitt)

StuttgartSie muss betörend gewesen sein. Als Otto Dix „Mutzli“ 1923 zum Porträt bat, malte der verliebte Maler sie mit marmorfarbener Haut, rotem Hut und nackter Schulter. Doch seine junge Ehefrau Martha dreht sich weg vom Betrachter ins Dreiviertelprofil wie eine Renaissance-Schönheit. In einer „amour fou“ hatte der Künstler dem Arzt und Dix-Sammler Hans Koch die Ehefrau Martha abgejagt – ohne die Männerfreundschaft dauerhaft zu beschädigen.

Gekauft hat das prachtvolle Gemälde der Mannheimer Zahnarzt Rudolf Frank. Gemeinsam mit seiner Frau Bertha trug Rudolf Frank nach dem ersten Weltkrieg hochkarätige Werke des Expressionismus und des Verismus zusammen, die in der Zeit des NS-Regimes versteckt werden mussten. Ihre Enkel haben das wertvolle Erbe in die Obhut des Stuttgarter Kunstmuseums gegeben.

In einer Sommerausstellung umringt  Kurator Daniel Spanke das „Bildnis Frau Martha Dix“ mit Gemälden, Papierarbeiten und Skulpturen von  Erich Heckel, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller und Wilhelm Lehmbruck.  Um den Sammler und seine Nachfahren zu ehren, und um zu solch bedeutenden Dauerleihgaben anzustiften.

Dr. Robert Frank und Frau Bertha Frank kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs. (Ausschnitt) Kunstmuseum Stuttgart - Robert J. Trayhern

Dr. Robert Frank und Frau Bertha Frank kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs. (Ausschnitt)

Auf Sammler angewiesen

Dass substanzielle Kunst aus Privatbesitz in öffentliche Museen gelangt, ist kein Einzelfall. Auch die Staatsgalerie Stuttgart erinnert in diesem Sommer daran, dass ein Museum nicht ohne großzügige Privatsammler und Stifter auskommt. 140 Kunstwerke auf Papier von 21 Künstlern aus dem Vermächtnis von Günter und Renate Hauff und der Konrad-Kohlhammer-Stiftung treffen auf Gemälde und Skulpturen aus der eigenen Museumssammlung. Unter dem Titel „To the museum of modern dreams“ werden Künstlerpositionen von den 1960er-Jahren bis in die 1980er-Jahre vorgestellt. Insgesamt besitzt die Graphische Sammlung der Staatsgalerie 2.600 Blätter aus dem Hauff-Vermächtnis und der Kohlhammer-Stiftung.

Kuratorin Corinna Höper lotet  mit der Ausstellung die „Grenzen zwischen Malerei und  Graphik“ aus. Cy Twombly, Shusaku Arakawa, Gerhard Hoehme, A.R. Penck, Robert Motherwell oder Gotthard Graubner stehen für  kongeniale Wechselwirkung zwischen den Techniken. Interessant an beiden Sammlungen: Sie wurden von Menschen geprägt, deren  berufliches Leben eng mit Papier verbunden war. Günther und Renate Hauff führten den Thieme Verlag. Konrad Kohlhammer stand für die Konradin Mediengruppe. Die Sammlungen sind jetzt im Besitz der Freunde der Staatsgalerie Stuttgart.

Die aktuellen Ausstellungen beider Museen dokumentieren zwei wichtiger werdende Aspekte im Kunstbetrieb: die wachsende, auf gegenseitiges Vertrauen gegründete Zusammenarbeit der Museen mit Sammlern, deren Nachkommen und Stiftungen. Läuft sie gut, hat das Vorteile für beide Seiten:  Privates Mäzenatentum verhilft den öffentlichen Sammlungen zu größerer Breite und Dichte. Der Ausstellungsbetrieb im Museum verschafft den privaten Sammlungen Präsenz in der Öffentlichkeit, vergrößert ihre Bedeutung und steigert unter Umständen sogar den Marktwert.

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