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18.10.2013

23:52 Uhr

Kunst-Messe München

Streifzug durch die dritte Dimension

VonChristiane Fricke

Das Skulpturenangebot der Kunst-Messe München führt quer durch die Epochen. Es reicht vom marmornen Jünglingskopf aus der frühen römischen Kaiserzeit und bis zum winzigen Silberpferd von Marino Marini.

Sich die Haare bindender Putto, Frankreich, 18. Jahrhundert., Marmor. (Ausschnitt) Härtl Kunsthandel, Bamberg

Sich die Haare bindender Putto, Frankreich, 18. Jahrhundert., Marmor. (Ausschnitt)

MünchenEine gut gelungene Antiquitätenmesse vermag ihr Publikum zu berauschen, aber in ihrer Fülle stets auch ein wenig zu verwirren. Nicht jedem Aussteller gelingt eine schöne, Beziehungen stiftende Hängung. Manche Stände zerstreuen das Auge mehr als dass sie es lenken, wecken auf der anderen Seite jedoch auch wieder den Entdeckerinstinkt; andere inszenieren ein Museum auf Zeit. So verhält es sich auch mit der Kunst-Messe München im Postpalast, die am heutigen Freitag, einen Tag vor der Kunst & Antiquitäten München im Paulaner am Nockherberg eröffnet wurde. (Vgl. Handelsblatt vom 18. Oktober 2013)

Bessere Orientierung

In diesem Jahr präsentiert sich die Kunst-Messe im Postpalast durch ihren achsialen, auf den Haupteingang bezogenen Grundriss sehr viel großzügiger und strukturierter. Günter Puhze setzt mit seinen schön aus dem Dunkeln leuchtenden Antiken gleich zu Beginn einen unübersehbaren Akzent. Nahezu jedes Exponat wird so zum Augenfänger, ganz besonders aber der lebensgroße Marmorkopf eines Jünglings mit dem dicht geschichteten, gelockten Haupthaar. Für die frühkaiserliche Kopie nach dem griechischen Original eines Diskuswerfers verlangt Puhze 95.000 Euro.

Von hier aus lohnt auch ein Blick auf die Nachbildung eines antiken Fundes aus Pompeji in Bronze, zu finden bei Klaus Spindler auf der Nockherberg-Messe: ein Kohlebecken, das auf drei hohen, bocksbeinigen Satyrn ruht. Kostenpunkt: 11.500 Euro.

Ein Buddha mit Verstand

Wer ein Faible für Skulpturen hat, wird im Postpalast quer durch alle Epochen fündig. Bei Peter Hardt bleibt der Blick auf einem entsetzlich abgemagerten Buddha hängen. Er ist aus Bronze mit Restvergoldung und entstand in Siam um 1850. Es ist der sehr seltene Typus eines Buddhas, der nach sechs Jahren Magerkost von nur einem Reiskorn pro Tag kurz vor seinem Ableben stand. Offenbar war er noch Herr seiner Sinne und brach die Selbstkasteiung ab, denn sie führte nicht zum Erfolg, nämlich zur Erleuchtung. Wer sich mit diesem tröstlichen Wissen zum Kauf entscheidet, muss 57.000 Euro auf der hohen Kante haben. Sehr viel unbeschwerter präsentiert sich dagegen die japanische Miniaturskulptur eines kleinen schlafenden Ebers bei Flachsmann. Kostenpunkt: 6.300 Euro.

Marmorkopf einer gelockten Jünglings, römisch, 1. Jh. n. Chr. nach einem griechischen Original. Günter Puhze, Kunst der Antike

Marmorkopf einer gelockten Jünglings, römisch, 1. Jh. n. Chr. nach einem griechischen Original.

Eine schöne Figur macht die spätmittelalterliche „Kleine Heilige“, die Antiquitäten Pöll für 24.000 Euro anbietet. Sie ist nur 48 cm hoch. Ihr ästhetisches Erscheinungsbild verdankt sie der leicht formbaren Terrakotta, wobei das Gewand mit dem Messer ausgearbeitet wurde. So erklären sich die hart geschnittenen Draperien. Sehr wahrscheinlich stammt das Werk aus der anonymen Werkstatt, die an und in der Stadtpfarrkirche St. Martin von Landshut einige Figurenzyklen schuf.

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