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24.01.2010

10:08 Uhr

Kunstauktionen

Alte Meister trumpfen in New York auf

VonBarbara Kutscher

Die Woche der alten Meister in New York weckt stolze Erwartungen. Besonders Sotheby's überzeugt mit einem breiten Angebot. Auch Klassiker von Rembrandt und Goltzius kommen unter den Hammer. Das Schicksal mancher Bilder liest sich wie ein Kriminalroman.

Der Gott des Weines als Greis, ein ungewöhnliches Bild von Lucas Cranach. Christie's

Der Gott des Weines als Greis, ein ungewöhnliches Bild von Lucas Cranach.

NEW YORK. Das Dreiviertelporträt einer schönen Unbekannten des späten 15. Jahrhunderts hing lange im Louvre. Das Bild mit dem Spitznamen „La belle ferronnière“ oder kurz „La Belle“ soll der Legende nach von Leonardo da Vinci gemalt sein oder von einem Schüler. Im Jahr 1920 tauchte eine spätere Version als Hochzeitsgeschenk in der US-Familie Hahn auf. Händler und Mittelsmänner versuchten seither mit großem Aufwand, den Beweis zu führen, dass es sich um einen echten Leonardo handelt.

Bislang konnte kein Argument überzeugen. Aber das wechselvolle Schicksal des Bildes war 1993 Gegenstand der BBC-Dokumentation „The Two Belles“ und wurde in zwei Büchern behandelt. Sie lesen sich wie Krimis. Nach Klärung eines Eigentumsstreites, der das Bild für Jahre in einen Tresor in Omaha (Nebraska) verbannte, bietet Sotheby’s „La Belle“ nun in der New Yorker Altmeisterauktion am 28. Januar an. Nach einer gerade durchgeführten Pigmentanalyse tippen Experten auf einen französischen Künstler um 1700/1750 und erwarten 300 000 bis 500 000 Dollar.

Einem Urteilsspruch verdankt sich auch die Versteigerung von Hendrick Goltzius’ Großformat „Jupiter und Antiope“ (1612). Es wurde seit Kriegsende in verschiedenen niederländischen Museen verwahrt und erst kürzlich an die Erben des Nürnberger Spielzeugfabrikanten Abraham Adelsberger restituiert. Die Taxe von 8 bis 12 Mio. Dollar spiegelt die Rarität von Goltzius’ Werk. Aber sie orientiert sich auch am Überraschungspreis für ein anderes manieristisches Bild mit dramatischen Diagonalen. Cornelis Cornelisz. van Haarlems „Hercules und Antaeus“ (1590) brachte 2008 starke 8,1 Mio. Dollar, als Käufer wurde später der Künstler Jeff Koons identifiziert. Jetzt bietet Sotheby’s van Haarlems kleineres Format „Rituelle Waschung der Israeliten“ (1600) zu 400 000/600 000 Dollar an, das bis 1997 in der Sammlung des deutschen Politikers und Industriellen Günter Henle hing.

Nach einem sehr kurzen Aufenthalt in einer britischen Sammlung ist auch Rembrandts Porträt einer jungen Frau mit Barett wieder auf dem Markt. Vor drei Jahren zu 9 Mio. Dollar erworben, trägt es nach Entfernung der Retuschen den Schätzpreis von 8 bis 12 Mio. Dollar. Sotheby’s-Experte George Wachter sieht, dass sich der Altmeistermarkt in den letzten fünf Jahren verändert hat. Nicht alles lässt sich verkaufen, aber hohe Qualität und erstrangige Stücke haben keine Probleme. Das bewiesen im Dezember 2009 schon die Londoner Altmeisterauktionen. Einen Monat später legt sich Sotheby’s in New Yorks Old Master Week (27. bis 29. Januar) mit einem soliden Katalog und insgesamt 563 Losen erneut mächtig ins Zeug. Einschließlich der 178 Terrakotten und Bronzen des berühmten Philanthropen Arthur Sackler und 136 Zeichnungen sollen mindestens 85,4 Mio. Dollar eingespielt werden.

Christie’s erwartet am 27. Januar für eine viel kleinere Offerte von 331 Losen, in der das 19. Jahrhundert sehr stark vertreten ist, mindestens 45 Mio. Dollar. Toplos ist hier Louis Léopold Boillys „L’Entrée du Jardin Turc“ (1812, 3/5 Mio. Dollar) aus der Sammlung des australischen Medienmoguls James Fairfax. Boilly, ein feiner Beobachter des Pariser Straßenlebens, zeigt mehr als 60 Figuren, die sich vor dem Eingang des berühmten Gartenrestaurants drängen. Auch der bedeutende britische Landschaftsmaler der Romantik, Samuel Palmer, steuert eine seiner besten pastoralen Szenen bei. Häufig griff er das Motiv „The Sleeping Shepherd“ auf. Christie’s Version zur Taxe von 2,5/3,5 Mio. Dollar stammt ebenfalls aus der Sammlung Fairfax.

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