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25.10.2012

16:56 Uhr

Kunstfälschung

Blumenstrauß aus der "Sammlung Beltracchi"

VonOlga Grimm-Weissert

Am 22. Oktober sollte ein angeblich von Moïse Kisling gemaltes Gemälde mit der Provenienz „Sammlung Jagers“, „Sammlung Beltracchi, Palma“ in Dubai versteigert werden. Interpol ermittelte in Dubai und Paris.

Katalogabbildung des angeblich von Moise Kisling gemalten Bildes. (Ausschnitt) Millon, Paris Opera Gallery Group, Dubai

Katalogabbildung des angeblich von Moise Kisling gemalten Bildes. (Ausschnitt)

Dubai/ParisEs war zu erwarten, dass noch viele Gemälde, die der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi in Umlauf brachte, rund um den Erdball auftauchen würden. Zwischen Dubai und Paris fand man kürzlich ein vermutlich von Beltracchi gemaltes Bild. Im Auktionskatalog einer Versteigerung in Dubai, die das Pariser Auktionshaus Millon gemeinsam mit der Opera Gallery Group und deren Abteilung Opera Gallery Auction (Dubai) am 22. Oktober organisierte, befand sich ein angeblich von Moïse Kisling geschaffenes Blumenbouquet: „Bouquet varié, 1937“.

Fassungslos las man die Angaben zur Provenienz: „Sammlung Jagers“ und „Sammlung Beltracchi, Palma“ sowie den Hinweis auf eine andere Versteigerung: Sotheby's London, 1994, Privatsammlung Europa. Das dekorative Blumenbild war auf 150.000 bis 200.000 US Dollar geschätzt. Laut Angabe des Auktionskatalogs nahm Jean Kisling, der Sohn des Malers, das Gemälde in das Kisling-Werkverzeichnis auf. In Fachkreisen munkelt man, dass dieses Nachschlagewerk einige Irrtümer enthalten könnte.

Blumen-Los ohne Bieter

Nach ersten Ermittlungen des LKA Berlin, dem Eingreifen der französischen Polizei sowie von Interpol in Paris und Dubai zog Millon das inkriminierte Los und zwei weitere (ein anderes Blumenbouquet von Kisling und ein Kees van Dongen-Gemälde) zurück, allerdings nur aus dem elektronischen Auktionskatalog. Der Direktor des Pariser Auktionshauses, Alexandre Millon, teilte dem Handelsblatt jedoch bereits am Sonntag, den 21. Oktober telefonisch aus Dubai mit, dass er das zweite Kisling-Blumen-Los doch aufrufen würde.

Am Bildschirm im Pariser Büro von Millon, wo man am 22. Oktober per Direktübertragung aus Dubai die von Alexandre Million geleitete Auktion mitverfolgen konnte, sah man weder das fragliche Kisling-Blumenarrangement „Fleurs, 1942“ noch gab es einen Bieter, worauf das auf 200.000 bis 300.000 Dollar geschätzte Gemälde zurückgereicht wurde.

Französische Presse schweigt

Auf die Frage, wieso ein französisches Auktionshaus die Fälscheraffäre Beltracchi ignoriert, antwortete Alexandre Millon, dass er die Sachlage bis vor kurzem „schlecht kannte“ und dass es sich um eine „Nachlässigkeit“ gehandelt habe. Tatsache ist jedoch, dass der gesamte französische Handel sehr gut über sämtliche Details der Beltracchi-Affäre Bescheid weiß. Obwohl das Gros der französischen Presse nicht darüber berichtet, weil sie dezidiert der Ansicht ist, man schade dem Handel, indem man die Leser, die geprellten Sammler oder die potentiellen Käufer über den Skandal informiert. Das Schweigen der französischen Medien ist besonders bedauerlich, weil aller Wahrscheinlichkeit nach die Hälfte der von Beltracchi gefälschten Bilder in Frankreich abgesetzt wurde.

Da nun auch im arabischen Raum mindestens eines erscheint, sollte Interpol recherchieren, ob es sich dabei um einen Zufall handelt, oder ob es mit Absicht dort platziert wurde. In jedem Fall hatten Millon und Opera Gallery Group mit ihrer ersten Dubai-Auktion wenig Erfolg. Von den 140 Losen sind 40 europäischen Künstlern zugeschrieben und 100 zeitgenössische Werke, die laut Katalog aus dem Mittleren Orient und Indien stammen. Nur etwa ein Drittel fand Abnehmer. Christie's dagegen setzt am 23./24. Oktober für moderne und zeitgenössische arabische, iranische und türkische Kunst 5,9 Millionen Dollar um.

Kommentare (1)

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Beltracchibande

25.10.2012, 17:43 Uhr

Von ,,Sammlung Beltracchi'' zu reden ist Euphemismus. Es handelt sich um eine üble Verbrecherbande ,die zu je 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist und beschämenderweise der Kripo mehrfach entwischt ist.Der Schwerpunkt ihrer Verbrechen lag in Frankreich,und es ist in der Tat auffallend wie die französische und englische Presse schweigt.Dabei hat es Christies wohl am meisten erwischt.

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