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27.09.2012

21:53 Uhr

Kunstfälschungen

Acht-Punkte-Plan für den Kunsthandel

VonChristiane Fricke

Stefan Koldehoff und Tobias Timm haben über den Kölner Fälscherskandal ein spannendes Buch geschrieben. Am Schluss liefern sie Anregungen für eine überfällige Debatte.

Cover des Buches von Stefan Koldehoff und Tobias Timm. (Ausschnitt) Verlag Galiani

Cover des Buches von Stefan Koldehoff und Tobias Timm. (Ausschnitt)

DüsseldorfWelche Angaben muss der Handel zu einem Kunstwerk machen, das er verkaufen will? Wie ausführlich und sorgfältig muss er für diese Angaben recherchieren? Das sind die entscheidenden Fragen, mit denen sich der Kunstmarkt zu beschäftigen hat, seit im Herbst 2011 das Urteil im Kölner Kunstfälscher-Fall gefällt wurde. Damals hatte eine Absprache dem Prozess ein vorzeitiges Ende bereitet und Wolfgang Beltracchi gegen ein Geständnis in 14 Fällen eine Haftstrafe von sechs Jahren beschert, die er zurzeit im offenen Vollzug verbüßt. (vgl. Handelsblatt vom 29.10.2011)

Zurück blieben hohe Vermögens- und Ansehensschäden der Geschädigten, sich hinziehende Zivilprozesse um Entschädigung, von denen der in Köln verhandelte nun entschieden werden soll, mindestens 80 weitere mutmaßliche, nicht „ausermittelte“ Fälschungen, deren Verbleib großenteils unbekannt ist, und deprimierende Einblicke in das Innenleben einer Branche, über dem normalerweise der Mantel diskreten Schweigens liegt.

„Es gibt kein Recht auf Diskretion“

„Es gibt kein Recht auf Diskretion und Geheimhaltung, wenn dadurch – wissentlich, fahrlässig oder unwissentlich – gegen geltendes Recht verstoßen wird“, fordern die beiden Journalisten Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk) und Tobias Timm (Die Zeit) am Ende ihres Buches „Falsche Bilder. Echtes Geld“. „Sollte es die Branche ernst meinen mit dem Nachdenken über einen nachhaltigen Selbstreinigungsprozess, so müsste ihr Bundesverband endlich eine Debatte über einen Kodex anstoßen, dem sich alle Mitglieder verpflichten und der auch tatsächlich überprüft wird.“ Andernfalls müsse dem Kunsthandel irgendwann die Justiz „diese Aufgabe abnehmen“, folgern die beiden Autoren.

Anstoß zu neuem Denken

Nur sieben Monate nach dem Urteil erschien die 277 Seiten umfassende Publikation im Verlag Galiani Berlin. Sie rollt chronologisch die Geschichte eines Verbrechens auf und die bestürzende Markt-Karriere eines Teils der Fälschungen. Dinge, die in der Öffentlichkeit als Unterhaltungsstück wahrgenommen wurden, und die den Leser fesseln, auch wenn er vieles schon in der Wochenzeitung Die Zeit publiziert sah. Das Wichtigste kommt jedoch am Schluss: der „Kodex für den Kunsthandel“, ein Acht-Punkte-Plan, Anstoß für eine überfällige Debatte und Basis für eine Erneuerung im Handeln und im Denken.

Kommentare (8)

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unikum

28.09.2012, 18:47 Uhr

Es wird Zeit, dass diese Diskussion auf einem so vernünftigen Niveau geführt wird.

dgaethgens

01.10.2012, 12:06 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:
„Nicht persönlich werden“
http://www.handelsblatt.com/netiquette

Koldehoff

14.12.2012, 11:52 Uhr

[...].Das Buch ist doch recht einseitig und wohl sehr schnell geschrieben worden,denn manches hat sich überhangen ueberholt. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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