Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.12.2011

09:27 Uhr

Kunstfälschungen

Alarmzeichen ignoriert

Ein Kunstfälscherskandal unbekannten Ausmaßes erschüttert New York. Im Zentrum des Falls steht die einst mächtige Kunsthandelung Knoedler. Das FBI ermittelt.

Pierre Lagrange, Mitbegründer des Hedge-Fonds GLG, erwarb ein mutmaßlich gefälschtes Gemälde von Pollock. Reuters

Pierre Lagrange, Mitbegründer des Hedge-Fonds GLG, erwarb ein mutmaßlich gefälschtes Gemälde von Pollock.

New YorkDie New Yorker Kunstszene ist schockiert. Knoedler & Company, die 1846 gegründete und einst sehr mächtige Kunsthandlung, schloss am 30. November kommentarlos ihre Tore. Später war auf der Homepage zu lesen, dies sei eine „geschäftspolitische Entscheidung, die nach langer Überlegung gefallen ist“. Vielleicht ist jedoch ein Kunstfälscherskandal noch unbekannten Ausmaßes der Grund. Das behauptet jedenfalls Pierre Lagrange, in London ansässiger belgischer Mitgründer des Hedge-Fonds GLG Partners. Danach hatte er der Galerie am Tag vor der Schließung Beweise vorgelegt, dass sein 2007 gekauftes Bild „Untitled“ (1950) von Jackson Pollock eine Fälschung sei. Das Bild hatte Lagrange 17 Millionen Dollar gekostet. Nun verklagt er die Galerie und die damalige Direktorin Ann Freedman auf mindestens 15,3 Millionen Dollar - den Kaufpreis, ohne die Vermittlungsgebühr an zwei Zwischenhändler - dazu die Differenz zum heutigen Wert zuzüglich Zinsen.


Familiäre Wurzeln in Deutschland

Über die letzten Jahrzehnte war Knoedler durch verschiedene Reorganisationen und Programmänderungen gegangen. Ursprünglich war die Galerie eine Dependance des Pariser Verlages Goupil, Vibert & Co. , der sich auf lithographische Reproduktionen spezialisierte. 1857 übernahm ein Mitarbeiter, Michael Knoedler aus Stuttgart, das Geschäft und wandte sich schnell den sehr einträglichen alten Meistern zu. Er handelte schließlich in derselben Liga wie die berühmten Rivalen Duveen und Wildenstein. Tonangebende Großsammler wie Andrew Mellon und  J.P. Morgan waren Kunden. Henry Clay Frick etwa kaufte die Hälfte der Werke, die heute in der Frick Collection hängen, bei Knoedler.

Nach 1971, nachdem die Galerie vom schillernden Industriemagnaten, Kunstsammler und Philantropen Armand Hammer, damals CEO von Occidental Petroleum, erworben worden war, schwenkte man auf Blue-Chip Zeitgenossen um. Zeitweise stellten hier Stella und Rauschenberg, Helen Frankenthaler, Lee Bontecou und Robert Motherwell aus. Zuletzt war Knoedler im Besitz von Armand Hammers Enkel Michael A. Hammer. Er ist CEO der Armand Hammer Foundation und betreibt in New York auch noch Hammer Galleries an der Park Avenue, die europäische und amerikanische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zeigt.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

printwerner

27.12.2011, 17:14 Uhr

Ein sehr interessanter Artikel, in dieser Branche ticken die Uhren anders.
Das liegt nur in der Einstellung, die ein Künstler in Prävention vorbeugen kann - wenn er will !
www.fingerprint-on-art.com



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×