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22.07.2012

12:32 Uhr

Kunstgewerbe

Chinese ersteigert prachtvollen Automaten

VonMatthias Thibaut

Die für den chinesischen Markt hergestellten Automatenuhren bleiben ein Renner. Mit Prestigeauktionen für Prunkdekorationen prägen Christie's und Sotheby's den Geschmack einer neuen globalen Kundenelite.

Peter Torckler: Die vergoldete Automatenuhr erwarb ein Chinese für 1,6 Mio. Pfund. Sotheby‘s

Peter Torckler: Die vergoldete Automatenuhr erwarb ein Chinese für 1,6 Mio. Pfund.

LondonEdelste Möbel und Skulpturen, Spielautomaten und tanzende Elefanten, goldgefasste Prunkvasen und Tapisserien - zum Abschluss der Sommerauktion wurde in London wieder das Edelste europäischer Dekorationskunst für den globalen Konsum aufbereitet. Sotheby's verkauft "Treasures in Princely Taste" in goldbroschiertem Katalog. Bei Christie's "Exceptional Sale" wurde Holundersaft mit Pfefferminze gereicht.

Die für den chinesischen Markt hergestellten Automatenuhren des 18. Jahrhunderts bleiben ein Renner. Bei Sotheby's hörte der Saal andächtig das Glockenspiel von Peter Torckler an und sah zu, wie der goldene Elefant Schwanz und Rüssel bewegte. Dann wurde die Uhr von 1780 für 1,6 Millionen Pfund verkauft. Christie's hatte drei solcher Uhren, die alle die Schätzungen übertrafen. Der Londoner Kunstberater Hector Paterson stach bei einer Spieluhr von 1795 asiatische Bewerber mit 735 650 Pfund aus, zwei weitere kosteten 553 200 und 457 250 Pfund.

Seit fünf Jahren arbeiten die Auktionshäuser an diesen neuen Vermarktungsplattformen - Preise und Interesse steigen. "Diese Auktionen sind die DNA von Christie's", so Europa-Chef Jussi Pylkkänen stolz über die Abendauktion, für die Christie's nur 48 Lose auswählte. Was nicht ganz frisch aus altem Familienbesitz kam, hatte "Christie's Provenienz" - Objekte, die in der Vergangenheit durch Christie's Hände gingen und nun bei den einstigen Käufern für den Wiederverkauf angefragt wurden.

Zum Beispiel das Paar Marmorbüsten von Homer und Plato aus dem 17. Jahrhundert, das der legendäre Sammler Robert Walpole im 18. Jahrhundert aus Italien kommen ließ. Der Marquess of Cholmondley ließ das Philosophenpaar 1994 bei Christie's für 155 500 Pfund versteigern. Nun waren 200 000 bis 300 000 Pfund geschätzt und ein von Sumiko Roberts, Christie's Bieterin für den asiatischen Markt, vertretener Telefonkäufer bezahlte 577 250 Pfund brutto.

Mit diesen streng ausgelesenen Auktionen übernehmen die Auktionshäuser selbst die geschmacksbildende Rolle, die einst die großen Hausauktionen von Adelssammlungen wie Cholmondleys Houghton Auktion hatten - die es nun, wo der Adel finanziell weitgehend saniert ist, immer weniger gibt.

Händler, bisher die bestimmende Größe, kamen angesichts des Ansturms privater Sammler kaum noch zum Zuge. Mallets übernahm bei Christie's ein Paar halbelliptische englische Kommoden mit feinster Marketerie für die doppelte Taxe von 746 850 Pfund. Martin Levy von Blairman's & Co. bezahlte 1,2 Millionen Pfund für das im 18. Jahrhundert für den Großgrundbesitzer Thomas Brand hergestellte Gemmenkabinett mit 19 der Antike nachempfundenen Elfenbeinmedaillons. Aber der eigens für eine auf 300 000 bis 500 000 Pfund geschätzte "Clair-de-lune" Qianlong-Vase erschienene Chinahändler Giuseppe Eskenazi musste das in extravaganter Goldbronze gefasste Stück bei 1,2 Millionen Pfund einem Privatbieter überlassen.

S. J. Phillips aus der Bond Street erhielt trotz etlicher Versuche nur einen silbervergoldeten, spanischen Präsentierteller bei Sotheby's für 277 250 Pfund. In Bietgemeinschaft mit der Bremer Galerie Neuse, die als einzige deutsche Kunsthandlung auf diesem Niveau noch mit dabei ist, musste man den silbernen Lerchenpokal aus Neuchâtel für 433 250 Pfund der Konkurrenz überlassen.

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