Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.12.2014

15:53 Uhr

Kunsthändler gegen Aldi-Erben

Als Achenbach schluckt und seine Augen feucht werden

VonLucas Fuhr

Der Betrugsprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach nimmt eine überraschende Wendung. Der Angeklagte gesteht teilweise, bereut öffentlich und zeigt starke Gefühle. Die Aldi-Erben erhalten Genugtuung.

Kunstberater Helge Achenbach: Er legte vor dem Essener Gericht teilweise eine Geständnis ab und zeigte sich zerknirscht. dpa

Kunstberater Helge Achenbach: Er legte vor dem Essener Gericht teilweise eine Geständnis ab und zeigte sich zerknirscht.

EssenNach einer Stunde kommen die großen Gefühle. Helge Achenbach möchte sich entschuldigen. Er stockt, seine Stimme wirkt brüchig. Im gut gefüllten Verhandlungssaal 101 des Essener Landgerichts erzählt er von seiner „Männerfreundschaft“ mit Berthold Albrecht, dem inzwischen verstorbenen Aldi-Erben.

„Unverzeihlich“ sei es, „dass in mehreren Fällen das von Berthold Albrecht in mich gesetzte Vertrauen nicht gerechtfertigt war“. Und dann kommt er auf seine eigene Familie zu sprechen. „Sie hat in den letzten Monaten sehr gelitten“, erklärt Achenbach, der seit rund einem halben Jahren hinter Gittern schmort.

Achenbach schluckt. Um dann nach einer kurzen Pause fortzufahren: „Was ich allein zu verantworten habe.“ Die Stimme des Kunsthändlers bricht, er kämpft mit den Tränen. Das war es für diesen Montag. Die Verhandlung vertagt sich auf Mittwoch, den 17. Dezember.

Kunstberater Achenbach: Millionengeschäfte mit dem Aldi-Erben

Helge Achenbach

Der Düsseldorfer Kunsthändler ist seit Jahrzehnten in der Kunstszene tätig. Er gilt als Erfinder der Kunstberatung.

Geburtsdatum

17. April 1952

Achenbach Art Consulting

Achenbach besitzt seine eigene Kunstberatung. Die Achenbach Art Consulting existiert seit knapp 40 Jahren und arbeitete bereits mit renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff oder Andreas Gursky zusammen.

Betrugsvorwürfe

Im Juni 2014 wurden Betrugsvorwürfe gegen den Kunstberater bekannt. Babette Albrecht, Witwe des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, soll Anzeige gegen Achenbach erstattet haben. Der Grund: „verdeckte Preisaufschläge“. Auch Christian Boehringer von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim soll zu den Opfern Achenbachs zählen.

Sündenfall (1)

Achenbach verkaufte Bilder von Oskar Kokoschka. Dieser war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er wurde 1886 geboren und starb 1980.

Sündenfall (2)

Achenbach verkaufte Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Dieser war ein deutscher Maler und Grafiker und wird zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gezählt. Er lebte von 1880 bis 1938.

Geschäftspartner

Achenbach machte Geschäfte mit Berthold Albrecht. Der Manager war einer von zwei Söhnen des Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht. Berthold Albrecht lebte von 1954 bis 2012.

Geschäftsvolumen

Berthold Albrecht hat in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden.

Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit den Albrecht-Geschäft Achenbachs von Betrug aus und hat einen Schaden von rund 23 Millionen Euro errechnet.

Immerhin, erklärt der Vorsitzende Richter Johannes Hidding, müsse auch die Kammer „erstmal verdauen“, was Achenbach zuvor rund zwei Stunden lang alles erzählt hatte. Was Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und viele Zuschauer gehört hatten, war teilweise ein Geständnis, zum Teil aber auch eine Verteidigungsrede.

Achenbach ist es wegen Millionenbetrugs angeklagt. Er war einst der prominenteste und reichste Kunsthändler der Bundesrepublik. Nun geht eine Witwe aus der Aldi-Familie, Babette Albrecht, mit aller Macht gegen ihn vor. Die Folge: Er steht ohne Vermögen da, der Gerichtsvollzieher steht vor seinen Türen, und Achenbach muss sich gegen den Vorwurf des Millionenbetrugs wehren.

Das tat er am Montag, so gut wie es eben ging. Achenbach räumte ein, Rechnungen für Kunstwerke gefälscht zu haben, zeigte sich öffentlich als reuiger Sünder. Aber er wehrte sich auch gegen die Vorwürfe, er habe bei seinen Oldtimer-Verkäufen den Aldi-Erben Berthold Albrecht über den Tisch gezogen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×