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21.07.2012

13:08 Uhr

Kunsthändler Schmitz-Avila

Das Beste aus dem Barock

VonSusanne Schreiber

Deutschlands führender Möbelhändler kauft antizyklisch bedeutende Möbel des Barock ein. Jetzt eröffnet der Kunsthandel Dr. Schmitz-Avila gegen alle Trends einen Laden in Bamberg, einer Hochburg des Antiquitätenhandels.

Kunsthandel Schmitz-Avila Bamberg. XPO Michael Aust Bamberg

Kunsthandel Schmitz-Avila Bamberg.

Bad Breisig/ BambergEs wirkt tollkühn. Der Markt für Möbel liegt seit vielen Jahren danieder - trotzdem steigt der 26-jährige Sohn des deutschen Möbelpapstes unerschrocken ins väterliche Unternehmen ein. Julian Schmitz-Avila hat im Mai eine Dependance des Kunsthandels Dr. Schmitz-Avila in Bamberg eröffnet.

Ab kommendem Montag nimmt der groß gewachsene Rheinländer mit dem sonnigen Gemüt erstmals an den Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen teil. Da haben zehn Antiquitätenhandlungen in Bambergs prachtvoller Altstadt fünf Wochen lang täglich geöffnet. Denn die kunstsinnigen Opernfans aus dem nahe gelegenen Bayreuth verfügen tagsüber über viel Zeit. Sie sollen Lust bekommen, Alte Meister zu kaufen oder spätgotische Skulpturen, bedeutende Meistermöbel oder elegantes Silber (Bericht folgt am 27.7.).

Für viele Marktteilnehmer heißt Firmengründer Thomas Schmitz-Avila aus Bad Breisig bei Neuwied am Rhein nur "der Doktor". Der Zahnarzt mit dem unbestechlichen Auge für allerfeinste deutsche Möbel hatte schon 1981 aus seiner Leidenschaft ein Gewerbe gemacht, als er noch in einer Großpraxis mit elf Angestellten praktizierte.

Julian Schmitz-Avila führt die Dependance in Bamberg. XPO Michael Aust Bamberg

Julian Schmitz-Avila führt die Dependance in Bamberg.

Vom Doyen des Pariser Handels, von Bernard Steinitz, lernte der rastlose Doktor, immer vor den Mitbewerbern an der Einkaufsquelle zu sein. Während der Praxischef per Telefon auf einer Auktion bot, musste sich der Patient schon mal auf 20 Minuten Verzug bei der Weiterbehandlung einstellen. Seit 1989 ist die Praxis verkauft, der Lustgewinn bei der Arbeit hat zugenommen. Nur der Titel im Firmennamen erinnert noch an die einstige Doppelexistenz. Thomas Schmitz-Avila erkennt den Rang von Meistermöbeln aus den führenden Werkstätten zwischen Trier und Breslau sofort. Eine hübsche Bestätigung ist es, wenn Restaurator Lothar Rase später die Signatur des ausführenden Kunsttischlers samt Datierung an versteckter Stelle aufdeckt.

Bei Kaffee und Kuchen im Stammsitz betont der Senior sein Bauchgefühl beim Kauf. Es dürfte indes auch viel Erfahrung dabei sein. Schließlich erwarb der Sohn eines Zahnarztes und einer Antiquitätenhändlerin schon mit 13 Jahren seinen ersten Stuhl. Thomas Schmitz-Avila liebt barocke Dielenschränke und Aufsatzsekretäre, die mit Raffinesse alle Register der Prachtentfaltung ziehen, wie schöne Frauen.

Schmitz-Avilas Leidenschaft gilt bei Spitzenmöbeln originalen Schlössern und Beschlägen, unberührten, das heißt nicht falsch restaurierten Oberflächen. Wer für diese hohe Handwerkskunst in Museumsqualität zu wenig Verständnis zeigt, der kann den heute 65-Jährigen schon mal cholerisch erleben. Da fliegen dann die Fetzen.

Anspruchsvolle Möbel des Barock und Rokoko kauft Thomas Schmitz-Avila, weil er nicht anders kann. Er hat in der Hausse gekauft und kauft jetzt antizyklisch in der Flaute. "Aber die Spitze geht immer. Früher war es eine Kunst, das Beste zu bekommen", erzählt das temperamentvolle Familienoberhaupt. "Heute ist es eine Kunst, sie abzusetzen." Deshalb seine Entscheidung für Bamberg und die Arbeitsteilung. Deshalb bildet Vater Schmitz-Avila nach Julian jetzt auch das jüngste Familienmitglied, Lennart (20), aus.

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