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25.09.2012

07:47 Uhr

Kunsthalle HGN

Den Ort mit guter Kunst "aufladen"

VonJohannes Wendland

Lange stand Duderstadt im Schatten der nahe gelegenen Universitätsstadt Göttingen. Doch seit einem halben Jahr verfügt die kleine Kommune über eine eigene Kunsthalle. Hinter ihr steht der Unternehmer Hans Georg Näder, Geschäftsführer des Prothesenherstellers Ottobock.

André Gelpke: "Der Schwimmer", 1972, Silbergelatineabzug, Leihgabe des Fotografen, Kunsthalle HGN, Duderstadt. (Ausschnitt) André Gelpke

André Gelpke: "Der Schwimmer", 1972, Silbergelatineabzug, Leihgabe des Fotografen, Kunsthalle HGN, Duderstadt. (Ausschnitt)

DuderstadtDuderstadt bei Göttingen war bislang kein Reiseziel für Kunstfreunde. Das ändert sich jetzt. Der Unternehmer Hans Georg Näder, geschäftsführender Gesellschafter des Prothesenherstellers Ottobock, hat auf seinem Privatgrundstück in unmittelbarer Nähe des Stammsitzes seiner Firma die Kunsthalle HGN gebaut. Hier möchte er nun zweimal jährlich Ausstellungen zeigen, die sich um Werke aus seiner eigenen Sammlung ranken, ergänzt um Leihgaben. Nach einer Eröffnungsschau mit Fotografien von Helmut Newton und Frantisek Drtikol im Frühjahr, die von immerhin 7.000 Besuchern gesehen wurde, sind jetzt Bilder des Malerstars Neo Rauch zu sehen. Ihnen zur Seite stehen Fotoarbeiten von acht internationalen Künstlern, darunter Duane Michals, André Gelpke und Roger Ballen. Alle ausgestellten Arbeiten tragen auf die eine oder andere Weise surreale Züge – daher der Ausstellungstitel „Traumwelten“.

Hans Georg Näder zählt zu den bekanntesten (und auch reichsten) Unternehmerpersönlichkeiten des Landes. Und in seiner südniedersächsischen Heimatstadt Duderstadt ist der 51-Jährige auch bereits vielfach mäzenatisch aufgetreten. Als Kunstsammler hat man ihn jedoch bislang nicht wahrgenommen.

Intuitive Spontankäufe

Mit dem Sammeln angefangen habe er „rein intuitiv“ wie er telefonisch aus Buenos Aires mitteilt. „Ich bin 200 Tage im Jahr weltweit unterwegs, weil wir Niederlassungen in 47 Ländern haben“, erklärt er. „Zunächst habe ich immer wieder Spontankäufe getätigt. Doch bald war zu Hause keine Wand mehr frei. So wuchs die Entscheidung, eine kleine Kunsthalle mit einer Dimension zu bauen, die etwas Persönliches hat und meiner Sammlung entspricht.“

Einheimische Resonanz

Der Bau nach dem Entwurf des ortsansässigen Architekten Harald Schmidt erscheint transparent und offen mit mehreren Ebenen. Großflächige Malerei findet hier ebenso ideale Präsentationsbedingungen wie intime Fotografie – und das parallel nebeneinander. „Ich möchte den Ort mit guter Kunst aufladen wie eine Batterie“, sagt Näder. „Die Resonanz in Duderstadt auf die erste Ausstellung war extrem gut.“

Rat von Fachleuten

Für seine Projekte lässt sich Näder gern von Fachleuten aus der Branche beraten. So steht ihm der Berliner Galerist Rudolf Kicken beim Aufbau der Sammlung zur Seite. „Ihm verdanke ich eine stattliche Helmut-Newton-Sammlung, die schon rund 100 Originale umfasst“, sagt Näder. Und für seine neue Ausstellung hat Näder den FAZ-Redakteur Freddy Langer als Kurator für den Fotografieteil gewonnen.

„Ich kannte Näder vorher überhaupt nicht“, sagt Langer. „Mich interessierte nur, wie da einer auf dem platten Land eine Kunsthalle aufbaute und habe darüber einen Artikel geschrieben. Daraufhin habe ich von Näder einen Anruf bekommen mit dem Angebot für eine Carte-Blanche-Ausstellung parallel zur Neo-Rauch-Ausstellung. Ich hatte völlig freie Hand.“

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