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17.12.2015

14:09 Uhr

Kunsthaus Lempertz

Deutschlands ältestes Auktionshaus blickt zurück

VonChristian Herchenröder

Mit einer Druckerei in der Schildergasse beginnt die Geschichte des Kölner Auktionshauses Lempertz. Der Rückblick auf die über 200-jährige Firmengeschichte ist reich an Fakten. Allerdings geizt die Chronik mit Preisinformationen und verzichtet damit auf entscheidende Marktindikatoren.

Die Fassade des Kunsthauses Lempertz. Architekt des 1953 vollendeten Neubaus ist Peter Baumann. Quelle: Foto: Oliver Berg dpa/lnw picture alliance/dpa

Prägt das Stadtbild Kölns am Neumarkt

Die Fassade des Kunsthauses Lempertz. Architekt des 1953 vollendeten Neubaus ist Peter Baumann. Quelle: Foto: Oliver Berg dpa/lnw

KölnRekordpreise auf dem deutschen Markt für Altmeistergemälde und Kunstgewerbe sind selten. Wir finden sie in den Lempertz-Auktionen: 1,1 Millionen Euro für eine Sitzende Löwin der Porzellanmanufaktur Meissen, 3,8 Millionen Euro für den „Maler im Atelier“ des Leidener Feinmalers Gerard Dou, 1,5 Millionen Euro für ein namenloses Werk der Rembrandt-Schule, 2,7 Millionen Euro für zwei Goldgrundtafeln des Trecento-Meisters Matteo Giovanetti. Das sind Zuschläge allein der letzten vier Jahre, die in dem ältesten deutschen Auktionshaus fielen. Einen faktenreichen Rückblick auf die über 200-jährige Firmengeschichte dieses Traditionshauses bietet die von Werner Schäfke verfasste Chronik „Kunsthaus Lempertz. Eine Kulturgeschichte“.

Das Kölner Unternehmen ist eine der wenigen deutschen Kunstmarkt-Firmen, deren Wirken sich heute über fünf Generationen erstreckt. Gut 100 Seiten widmet der Verfasser der Geschichte des Hauses, die 1798 mit einer Druckerei in der Kölner Schildergasse beginnt. Der aus Düsseldorf zugezogene Johann Mathias Heberle, der in Adressbüchern der Folgezeit als Antiquar und Händler für Kunst und Antiquitäten firmiert, verlegt hier Geschichtswerke und eine „Vaterländische Chronik“. Als Auktionator debütiert er mit Buchauktionen und hält erst 1821 seine erste Gemäldeversteigerung ab.

Filiale in Brüssel

1830 tritt Heinrich Lempertz als Lehrling in die Firma ein. Er wird nach dem Tod von Heberle (1840) kaufmännischer Teilhaber und übernimmt das Unternehmen 1845 ganz. Seit 1844 gibt es eine Dependance in Bonn, die sein Bruder Mathias Lempertz leitet. 1849 kommt eine Filiale in Brüssel hinzu. Zu dieser frühen Expansion spannt der aktuelle Erwerb eines von dem Jugendstil-Architekten Jules Barbier gebauten Palais in der Brüsseler Rue du Grand Cerf den historischen Bogen. Seit 2014 finden hier Auktionen statt, die die seit 1991 von Lempertz in der belgischen Hauptstadt versteigerte Stammeskunst ergänzen.

Cover der von Werner Schäfke verfassten, im DuMont Verlag Köln erschienenen Chronik des Kunsthauses Lempertz. Quelle: Lempertz

Rückblick auf eine über 200-jährige Geschichte

Cover der von Werner Schäfke verfassten, im DuMont Verlag Köln erschienenen Chronik des Kunsthauses Lempertz. Quelle: Lempertz

Die erste Kölner Ägide reicht bis 1921, dem Jahr, in dem die Firma „J.M. Heberle (H. Lempertz Söhne)“ im Handelsregister gelöscht wird. Schon zu Lebzeiten von Heinrich Lempertz (er stirbt 1898) lenkte sein Sohn Heinrich Lempertz jr. die Geschicke des Hauses. Ihm folgt bis zum 1916 eingeleiteten Konkursverfahren Dr. Heinrich Lempertz. In der Goldmark-Ära sind vor allem berühmte Bibliotheken, der Bestand der Kölner Kunsthandlung Bourgeois Frères und die geschmacksgeschichtlich prägenden ersten Ostasiatika-Auktionen die Veranstaltungen, die den Ruf des Stammhauses festigen.

Neuer Firmensitz am Neumarkt

Kurz nach der Jahrhundertwende gibt es in der Domstadt ein Konkurrenzunternehmen: die ältere Firma J.M. Heberle (H. Lempertz' Söhne) und das jüngere Unternehmen Math. Lempertz'sche Kunstversteigerung, Inhaber Peter Hanstein“. Der junge Arztsohn Peter Hanstein hatte bereits 1875 den Bonner Firmennamen von Mathias Lempertz für stattliche 20.000 Goldmark erworben.

1903 eröffnet Hanstein Am Domhof 8 ein Antiquariat und Versteigerungshaus, das dem rheinischen Platzhirsch Paroli bietet. 1917 kommt als neuer Firmensitz das spätklassizistische Haus Fastenrath am Neumarkt 3 hinzu – die Adresse, die nach Kriegszerstörung und Neubau (1952 mit der Skulpturensammlung Hubert Wilm eröffnet) noch heute Kunstinteressenten aus aller Welt anzieht.

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