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05.04.2011

16:53 Uhr

Kunsthaus Tacheles

Bewohner ziehen ab - für eine Million Euro

Nach dem Fall der Mauer besetzten Ostberliner Künstler eine Kaufhausruine in Berlin-Mitte. Das inzwischen legendäre Kunsthaus Tacheles kämpft ums Überleben. Jetzt gibt ein Teil der Nutzer gegen gutes Geld auf.

Der Kunstbetrieb im Kunsthaus und im von Künstlern genutzten Teil des Hofes geht weiter, während ein Teil der Fläche bereits geräumt wird. Quelle: dpa

Der Kunstbetrieb im Kunsthaus und im von Künstlern genutzten Teil des Hofes geht weiter, während ein Teil der Fläche bereits geräumt wird.

BerlinÜberraschende Wende im Streit um das bekannte Berliner Kunsthaus Tacheles: Nur einen Tag nach der ursprünglich geplanten Zwangsversteigerung hat ein Teil der Nutzer die Kaufhausruine in Berlin-Mitte freiwillig geräumt - und dafür eine Million Euro erhalten. Woher das Geld kommt, blieb zunächst unklar. Auf dem Gelände rückten Bagger an, um das Biotop im Hinterhof zu planieren.

„Der Kampf ist vorbei, und wir sind alle erleichtert“, sagte Tim Africa, der bisherige Sprecher der Gruppe, auf Anfrage. Betroffen seien rund 80 Arbeitsplätze im Kunst- und Gastronomiebereich. „Wir danken Berlin. Es war großartig, dass wir 21 Jahre hier sein konnten.“

Die HSH Nordbank, die das Gelände nach der Schieflage des bisherigen Besitzers verwaltet, machte zu Einzelheiten keine Angaben. Sprecherin Gesine Dähn sagte lediglich, angesichts der bevorstehenden Versteigerung habe sich ein Teil der Nutzer entschieden, das Gebäude zu verlassen. „Der vom Gericht bestellte Zwangsverwalter hat die entsprechenden Sicherungsmaßnahmen ergriffen.“

Die HSH Nordbank hatte das 16 Grundstücksparzellen umfassende Gelände im Herzen Berlins am Montag zwangsversteigern lassen wollen. Der Termin wurde aber kurzfristig abgesagt. Die Verhandlungen mit den Bietinteressenten seien noch nicht abgeschlossen, hatte es geheißen.

Die Nutzer des Hauses sind untereinander zutiefst zerstritten. Die sogenannte Gruppe Tacheles, die jetzt ausgezogen ist, betrieb unter anderem ein Café, ein Lokal, eine Metallwerkstatt und das Kino. Die eine Million Euro als Entschädigung für den Auszug seien der Gruppe von einem anonymen Bieter zugegangen, sagte Sprecher Africa. Die Vermittlung sei über eine Anwaltskanzlei gelaufen.

Die andere Gruppe will eigenen Angaben zufolge ihre Arbeit unverändert fortsetzen. Sie verwaltet vor allem die rund 30 Künstlerateliers und das Theater im Haus. „Für uns hat sich nichts an der Situation geändert“, sagte Sprecherin Linda Cerna. „Wir hoffen, dass die Stadt Berlin doch noch ihrer Verantwortung gerecht wird.“

Der Hamburger Bauinvestor Harm Müller-Spreer wies unterdessen Gerüchte zurück, er wolle das Gelände kaufen. „Nach derzeitigem Stand kein Interesse“, sagte der Unternehmer. Auf dem Tacheles-Gelände könne man wegen der Vielzahl von Auflagen und Einschränkungen derzeit gar nicht bauen. „Ich habe mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt aktiv gegen das Projekt entschieden und hatte auch nicht die Absicht zu bieten“, sagte Müller-Spreer.

Der zuständige Stadtbaurat Ephraim Gothe kündigte unterdessen an, dass bei einer möglichen Neufassung der Nutzungsvorgaben auf dem Gelände die Kultur ein größeres Gewicht bekommen soll. „Wir wollen mehr Wohnen und mehr Kunst, weniger Kommerz und weniger Halligalli.“

Von

dpa

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