Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.09.2012

19:46 Uhr

Kunstmarkt

Kunst für Kenner und Flaneure

VonChristiane Fricke, Susanne Schreiber

Ob erweiterte Eröffnungen oder Vernissagen - derzeit startet in Düsseldorf und Köln die Herbstsaison. In vielen Galerien kann man jetzt allerneuste Atelierprodukte und gehütete Frühwerke entdecken.

Blick in die Galerie Schönewald, die den Maler Norbert Tadeusz zum ersten Mal präsentiert. Frank Beer für Handelsblatt/Tadeuz/VG-Bildkunst

Blick in die Galerie Schönewald, die den Maler Norbert Tadeusz zum ersten Mal präsentiert.

Köln, DüsseldorfZum Saisonauftakt im Herbst präsentieren die Galerien in Deutschlands Kunsthandelsstandorten wichtige künstlerische Positionen. An den kommenden September-Wochenenden laden die Interessenverbände von Leipzig, München und Stuttgart zu Vernissagen und erweiterten Öffnungszeiten ein. So hält es auch die vierte "DC Open" in Köln und Düsseldorf. In 55 Galerien beider Rheinstädte kann der Kunstflaneur in aller Ruhe allerneueste Atelierproduktionen und gehütete Frühwerke, etwa von Norbert Tadeusz, entdecken. Tadeusz' Nachlass betreut nach dem Ende der Galerie Gmyrek jetzt Schönewald Fine Arts. In der Düsseldorfer Lindenstraße wird der Besucher Zeuge, wie Norbert Tadeusz (1940-2011) seine zunächst vor allem von deutschen Sammlern geschätzte Malerpranke entwickelt (-5.10.).

Für die oft vom erhöhten Betrachterstandpunkt komponierten Interieurs, Aktmodelle und Landschaften reichen die Preise von 16 500 Euro bis 56 000 Euro für das Großformat "Sakralraum mit Tuch" von 1971. Ute Parduhn zeigt in Kaiserswerth Arbeiten aus vier Jahrzehnten von Thomas Bayrle (-26.10.), der 2012 zum dritten Mal an der Documenta teilnimmt (s. S. 66). Der 74-Jährige blickt kritisch auf die (Waren-)Welt und unseren Konsum. Drum baut er Autobahnen aus Pappe in einer Endlosschleife, drum macht er Bilder von Flugzeugen, die aus Hunderten "verwebten" Flugzeug-Piktogrammen bestehen. "Alles ist mit allem verbunden und in einer Endlosschleife zu sehen."

Bayrles langjährige Galeristin Ute Parduhn bezeichnet den ehemaligen Städel-Professor "als Vorläufer für die endlosen Möglichkeiten der im Netz vorhandenen Kommunikation". Ausgesucht hat sie frühe Graphik zum Thema Masse und Konsum, frühe Papiermaschinen sowie eine kleinere Kopie des Flugzeugs und erste computergenerierte Graphik bis hin zu Autobahn-Skulpturen. Bayrles Graphik ist schon für Preise ab 1 200 Euro zu haben, die großen Wandarbeiten liegen bei 50 000 bis 60 000 Euro. Überschaubar ist die Schau in der Galerie Linn Lühn. Die drei Bilder von Sebastian Ludwig dürften den, der Spaß hat an räumlichen Verschiebungen und an Gedanken zur Illusion von Raum begeistern (-20.10.).

Bei Desmond Lazaro springt die extreme Plastizität der auf dickes Papier gemalten Motive den Galeriebesucher unmittelbar an. Viel Weißraum umgibt die fein ausgearbeiteten Häuser und Hütten der jüngsten "Home"-Reihe (bis 14.9.). Die Galerie Beck & Eggeling präsentiert den 44-Jährigen, der Technik und Malmittel indischer Miniaturmaler geschickt mit zeitgenössischen Motiven kombiniert, bereits zum zweiten Mal. Seine Preise liegen zwischen 8 000 und 38 000 Euro. Nicht alle namhaften Düsseldorfer Galerien machen bei den DC Open mit: Es fehlen u.a. Pfab, Conrads oder Maulberger & Becker auf dem Leporello. Interne Unstimmigkeiten sollten den Kunstfreund nicht abhalten, deren spannende, parallel eröffnete Ausstellungen zu besuchen.

Rupert Pfab wartet z.B. mit Arbeiten von Katharina Fritsch und Alexej Koschkarow auf (-3.11.). Alle Schattierungen der konzeptuellen Zeichnung sind das Verbindende in der Gruppenausstellung der Galerie Conrads (-20.10.). Drei junge Künstlerinnen treffen aufeinander. Sie entwickeln fast ohne Farbe einen Dialog über das Erzählen hochdramatischer Ereignisse mit gezeichneten Bildern und buchstäblich wohlgesetzten Worten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×