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16.10.2011

10:00 Uhr

Kunstmesse Frieze

Das Gerede von der Krise

VonMatthias Thibaut

Auch wenn das Gesamtangebot der Kunstmesse Frieze in diesem Jahr 16 Millionen Pfund geringer eingeschätzt wird - in London dreht sich an diesem Wochenende alles um zeitgenössische Kunst.

Phyllida Barlow: "Untitled broken shelf" aus der Serie "Street", 2010 Courtesy of the artist and Hauser & Wirth

Phyllida Barlow: "Untitled broken shelf" aus der Serie "Street", 2010

LondonAlles drängt nach London, nicht nur wegen der Frieze Art Fair. Neue Galerien wie Eyken-McLean und die Pace Gallery aus New York eröffnen, White Cube hat südlich der Themse ein gigantisches Kunstwarenhaus aufgemacht. Überall gibt es Vernissagen und Nebenmessen, aber noch bevor die Frieze Art Fair (bis 16.10.) eröffnete, wurde über einen neuen Crash spekuliert.

Der Londoner Kunstmarktanalyst Art Tactic meldete den Einbruch seines Vertrauensindexes um 55 Prozent – die schlechteste Stimmung seit 2009. Tatsächlich war die erste Auktion der Woche bei Phillips de Pury mit 34 Prozent Rückgang eine ziemlich zaghafte Sache. Nach Angaben des Kunstversicherers Hiscox ging das Frieze-Angebot auf 225 Millionen Pfund zurück – 16 Millionen weniger als im Vorjahr. Neue Kunst, wie sie auf der Frieze gezeigt werde, sei eben das volatile, „spekulative Ende“ des Marktes, wo man am meisten gewinnen und verlieren könne, warnt Hiscox-Experte Robert Read.

Schon auf dem Weg zum Messezelt durch den Skulpturenpark entsteht der Eindruck, dass auch die Künstler verzagter sind. Von neun Jahren Frieze ist dies die langweiligste. Sogar Will Rymans Superrose „Icon“ unter den Bäumen im Regent’s Park fehlt das Übermütige. Sie kostet bei der Paul-Kasmin-Galerie 650000 Dollar, wenn man nicht lieber eine kleine, bunte Version (Auflage 8) für 270000 Dollar vorzieht – oder Yayoi Kusamas großen Tulpentopf bei Victoria Miro für 450000 Dollar. Gavin Turk hat eine offene, in Bronze gegossene Tür in den Park gestellt, die jedoch keine Schwellenerlebnisse bietet.

Im Zelt spaziert Kunstinvestor Philip Hoffmann vom „Fine Art Fund“ durch die Gänge und betont, er sei nur als Beobachter und zum Networking hier. „Alle sind da. Aber über eine Million Dollar wird hier wenig passieren, und das ist der Markt, wo jetzt das Geld hinfließt.“

Die Händler widersprechen natürlich. Von wegen, sagt man bei der Galerie Werner, der 3,5 Millionen Dollar teure Sigmar Polke von 1988 sei bereits reserviert. Die Galerie David Zwirner teilt am Abend ihre Verkäufe per Pressemitteilung mit: Neo Rauchs „Haus des Lehrers“ geht für 1,4 Millionen Dollar an einen amerikanischen Sammler, ein kleines Triptychon von Marlene Dumas für 550 000 Dollar ebenfalls in die USA, ein Asiate sicherte sich Daniel Richters „London is the place for me“ für 350000 Dollar.

„Kunst existiert in einer eigenen Welt, das war immer so“, behauptet Galeristin Maureen Paley. Das große Wolfgang-Tillmans-Dunkelkammerfoto „Freischwimmer“ in sanftem Blau hätte sie „viele Male“ verkaufen können, es sei mit 78000 Pfund viel zu billig gewesen. Aber bei Eigen & Art sind deutsche Maler, die früher schnell ausverkauft waren, noch zu haben – Matthias Weischer für 110000 Euro, ein Blumenbild von Martin Eder für 68000 Euro, ein Gruppenbild von Tim Eitel ist für 140000 Euro reserviert.

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