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30.04.2015

16:09 Uhr

Kunstmuseum Villa Zanders

Zeichnungen, die das Sehen lehren

VonChristiane Fricke

Wenn Künstler zeichnen, beschränken sie sich keineswegs auf Papier. Manche okkupieren ganze Räume, andere setzen die Zeichnung durch Videoanimation in Bewegung oder bringen den Rhythmus ihrer Hand mit einem musikalischen Takt in Verbindung. Zu besichtigen sind Arbeiten wie diese im darauf spezialisierten Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach.

Bergisch GladbachIn den Städten von Rhein und Ruhr ist das Netz renommierter Museen so dicht geknüpft wie nirgendwo sonst in Deutschland. Umso wichtiger ist es für die kleineren Häuser, ein eigenständiges Profil zu entwickeln, das sie nicht nur aus dem regionalen Kulturangebot heraushebt. Im Idealfall ist es zugleich ein Identifikations- und kultureller Anknüpfungspunkt für die Bewohner seiner näheren Umgebung.

In einer besonderen Lage befindet sich das städtische „Kunstmuseum Villa Zanders“ in Bergisch Gladbach. Es verfügt mit seiner Spezialsammlung zur Kunst auf Papier über ein Profil, das ihm historisch zugewachsen ist. Mehr als 400 Jahre reicht die Geschichte der Papierindustrie zurück. Ihr verdankt die Stadt ihre Entstehung und das Kunstmuseum seinen Namen, seine Existenz und sein nobles Zuhause, die Villa der Fabrikantenfamilie Zanders.

Zeitgenössische Kunst im 19. Jahrhundert

Es sind also starke und weit zurückreichende Wurzeln, die das selber gar nicht so alte Museum mit seiner Vergangenheit verbinden. 1974 wurde es gegründet, 100 Jahre, nachdem Maria Zanders im Herzen der Stadt die prächtige gründerzeitliche Villa errichten ließ. Dass die damals aktuelle Kunst dort bereits zuhause war, bezeugen eindrucksvoll die zum Bestand gehörenden Gemälde der Düsseldorfer Malerschule. Kostproben hängen in den feudalen, auch für festliche Veranstaltungen genutzten Räumen des Erdgeschosses.

Auf den beiden oberen Etagen haben Wechselausstellungen schwerpunktmäßig mit zeitgenössischer Kunst auf Papier ihr Refugium. Derzeit bespielt Museumsdirektorin Petra Oelschlägel die großzügigen Räumlichkeiten mit den Einzelausstellungen zweier Künstler. Sie gehören zu den nicht gerade Unbekannten auf ihrem Gebiet: der in Krefeld geborene Ignacio Uriarte (Jahrgang 1972), der seine Wurzeln im spanischen Baskenland hat, und der 1967 in Zürich geborene Schweizer Karim Noureldin, der seinen exotischen Namen dem ägyptischen Vater verdankt.

Logische Verbindungen

Beide Künstler arbeiten ungegenständlich. Es sind zarte, feine Arbeiten und nichts für den eiligen Blick, was sie auf Wänden, in Vitrinen und auf dem Boden präsentieren. Uriarte arbeitet darüber hinaus auch mit Videoanimation und Ton. In Bergisch Gladbach spielt der Sound eine zentrale Rolle.

Uriarte hat seine Ausstellung fast wie ein Gesamtkunstwerk arrangiert. Es ist fast zu schade, sie wieder auseinander zu reißen. Denn auf mehr oder weniger offensichtliche Weise stehen alle Werke miteinander in einer logischen Verbindung. Eines baut auf dem anderen auf, mit jeder Farbe, jeder Strichlage oder -richtung, jeder Handlung am Material Papier, die hinzukommt. Streckenweise werden die Arbeiten immer dichter. Das Ganze hat ein bisschen Ähnlichkeit mit einer strengen musikalischen Komposition aus der Zeit von Johann Sebastian Bach, wobei die Ton-Arbeit „8 Stunden, 2014“ mit den durchgezählten Sekunden eines Achtstunden-Tages den Takt vorgibt.

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