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12.05.2012

10:43 Uhr

Kusnt-Auktionen

Kaum hochrangige Klassiker der Moderne

VonChristian Herchenröder

Für Versteigerungen fehlt es derzeit an reizvollen Objekten. Mangels Anlagealternativen fehlen auch der Villa-Grisebach-Auktion umsatzträchtige moderne Spitzenlose. Eine Übersicht.

Lesser Ury, „SIEGESALLEE MIT SIEGESSÄULE IM HERBST“. Um 1925, Pastell auf Pappe. 35 x 49,8 cm. Signiert. Schätzpreis: EUR 50.000 – 70.000. Karen Bartsch, Berlin / Villa Grisebach, Berlin

Lesser Ury, „SIEGESALLEE MIT SIEGESSÄULE IM HERBST“. Um 1925, Pastell auf Pappe. 35 x 49,8 cm. Signiert. Schätzpreis: EUR 50.000 – 70.000.

BerlinEs wird voraussichtlich keine besonders ertragreiche Frühjahrssaison für deutsche Auktionatoren. Denn der Mangel an hochrangigem, umsatzförderndem Material der Klassischen Moderne muss durch Alte Kunst oder Nachkriegskunst ausgeglichen werden. Alle Auktionatoren klagen darüber, dass „kaum einer etwas abgibt“. Sammler sind zwar geneigt zu kaufen, denn Geld ist genug da, aber mit Einlieferungen halten sie sich erst einmal zurück. Angesichts der Euro-Krise, begrenzter Alternativanlage und von der EU geforderter Erhöhung der Mehrwertsteuer für Kunst ist das Interesse, sich von wichtigen Werken zu trennen, gering. Sie können, so die generelle Einschätzung, nur noch teurer werden.

Nam June Paik, OHNE TITEL. 1987, Holzschrank, 3 Radios, 2 Plasmabildschirme mit eingebautem DVD-Spieler, afrikanische Holzmaske und Filzhut. 194 x 74,5 x 42 cm. Signiert und datiert, Schätzpreis: EUR 50.000 – 70.000 Karen Bartsch, Berlin / Villa Grisebach, Berlin

Nam June Paik, OHNE TITEL. 1987, Holzschrank, 3 Radios, 2 Plasmabildschirme mit eingebautem DVD-Spieler, afrikanische Holzmaske und Filzhut. 194 x 74,5 x 42 cm. Signiert und datiert, Schätzpreis: EUR 50.000 – 70.000

Das spiegeln auch die sechs Auktionen der Villa Grisebach (30.5. bis 2.6.). Die Versteigerungsserie beginnt mit dem 19. Jahrhundert, rund 100 Lose mit meist moderaten Schätzpreisen. Zeichnungen von Adolph v. Menzel sind wieder dabei, und es gibt auch zwei Porträts von Wilhelm Leibl und zwei Ölskizzen von Max Liebermann. Eine bildschöne historisierende Venedig-Szene von Friedrich Nerly („Das Haus der Desdemona“, 1855) ist mit 80.000 bis 100.000 Euro realistisch eingestuft. Das entsprechende Aquarell zu diesem großformatigen Gemälde besitzt das Angermuseum Erfurt.

120.000 bis 150.000 Euro werden für ein Grottenbild mit Blick auf den Golf von Neapel erwartet, das der Berliner Franz Ludwig Catel vor Ort schuf. Eines der wenigen erhaltenen Ölbilder des Kasselers Ludwig Emil Grimm zeigt die Heilige Familie in einer Berglandschaft. Es sucht die Synthese von altdeutscher Detailfreude und nazarenisch geprägter Renaissance-Sehnsucht.

Die Abendauktion ausgewählter Werke am 31. Mai enthält nur 62 Lose, von denen 28 in den Jahren 1947 bis 2011 entstanden sind. Es beginnt mit Lesser Ury und Otto Modersohn und endet mit einem Katastrophenbild von Dirk Skreber. Vier Aquarelle von Emil Nolde haben Schätzungen bis 120.000 Euro, ein frühes Dünenbild des Malers wirkt wie eine Abstraktion von Gerhard Richter (bis 90.000 Euro). Eines der besten Bilder der Auktion ist Lovis Corinths Bildnis einer Frau im Boot von 1897, das im November 2001 an gleicher Stelle 293.550 DM einspielte und nun eine Schätzung von 200.000 bis 300.000 Euro hat. In ähnlicher Preisregion ist eine frühe pointillistische Seelandschaft von Jawlensky angesiedelt, während für Gabriele Münters Bilderbuch-Bild „Am Starnberger See“ (1908) 300.000 bis 400.000 Euro erwartet werden.

Friedrich Nerly, „DAS ,HAUS DER DESDEMONA‘ IN VENEDIG“. 1855, Öl auf Leinwand. Doubliert. 110 x 86 cm. Signiert, bezeichnet und datiert: Nerly. f. 1855. Schätzpreis: EUR 80.000 – 100.000. Karen Bartsch, Berlin / Villa Grisebach, Berlin

Friedrich Nerly, „DAS ,HAUS DER DESDEMONA‘ IN VENEDIG“. 1855, Öl auf Leinwand. Doubliert. 110 x 86 cm. Signiert, bezeichnet und datiert: Nerly. f. 1855. Schätzpreis: EUR 80.000 – 100.000.

Die Plastik ist mit Ernst Barlach, Renée Sintenis, Alexander Archipenko und Ewald Mataré repräsentiert, dessen elegantes „Finnisches Pferd“ in Bronze mit 30.000 bis 40.000 Euro katalogisiert ist. Wichtigstes Graphik-Los der Sitzung ist Max Ernsts eminent rare Lithographiefolge „Fiat Modes pereat ars“ (60.000 bis 80.000 Euro). Ein wahrhaft furioses Farbfeuerwerk liefert Ernst Wilhelm Nay mit dem 1963 datierten Gemälde „Furioso“, das eine rasante Metamorphose der Scheibenbilder dokumentiert (250.000 - 350.000 Euro). Fernando Boteros auf dem Katalogumschlag abgebildetes Porträt einer Alten mit Katze („La Abuelita“, 1969) ist mit 300.000 bis 400.000 Euro beziffert. Ein Drittel bis zur Hälfte dieser Preiserwartung gilt einem spiralenförmig komponierten Nagelbild von Günther Uecker, dessen Erlös für eine neue Glocke der St. Johanniskirche im mecklenburgischen Rerik bestimmt ist.

Thomas Struths figurenreiche Fotoarbeit „San Zaccaria, Venedig“ von 1995 (Schätzung: 150.000 - 200.000 Euro) ist aus dem porträtlastigen Angebot der Fotoauktion in die Versteigerung der ausgewählten Werke eingeflossen, was der Fotosession ein Highlight zur prägnanten Umsatzsteigerung raubt.

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