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10.06.2014

14:23 Uhr

Laurent Le Bon

Neubeginn im Picasso Museum

VonOlga Grimm-Weissert

Unter der Leitung von Anne Baldassari wurde das Pariser Picasso-Museum komplett renoviert. Im September eröffnet es wieder – unter dem neuen Generaldirektor Laurent Le Bon.

Laurent Le Bon, der neue Direktor des Pariser Musée Picasso an seiner bisherigen Wirkungsstätte, dem Centre Pompidou-Metz. Mickael Kamber, Centre Pompidou-Metz

Laurent Le Bon, der neue Direktor des Pariser Musée Picasso an seiner bisherigen Wirkungsstätte, dem Centre Pompidou-Metz.

ParisDas seit fünf Jahren wegen grundlegender Renovierungsarbeiten geschlossene Musée Picasso Paris in Paris soll im September 2014 unter neuer Leitung wiedereröffnen. Staatspräsident François Hollande ernannte den 45-jährigen Kunsthistoriker Laurent Le Bon zum neuen Generaldirektor. Le Bon leitete bisher das von ihm 2010 gegründete Centre Pompidou-Metz, wo er mehrere viel beachtete Ausstellungen organisierte.

Die oft verschobene Wiedereröffnung des Picasso-Museums wurde durch eine mehrmonatige, kräftige Polemik um den angeblich autoritären Führungsstil der langjährigen Generaldirektorin des Pariser Picasso-Museums, Anne Baldassari, verzögert. Kulturministerin Aurélie Filipetti beendete ihr Mandat Mitte Mai. Dabei war es Baldessari nicht nur gelungen, die Finanzmittel für einen großen Teil der horrenden Renovierungsarbeiten zu akquirieren – durch zwar öffentlich umstrittene, jedoch bezahlte Wanderausstellungen von Picasso-Meisterwerken und mit Hilfe mäzenatischer Unterstützung. Sie gewann darüber hinaus Jean-Paul Claverie, den Leiter der mäzenatischen Aktivitäten des Luxuskonzerns LVMH, für den Verwaltungsrat. LVMH sollte Mäzen des Picasso-Museums werden, was bei der personellen Änderung an der Museumsspitze in Frage gestellt werden könnte.

Guter Draht zum Kulturminister

Baldassaris Nachfolger Laurent Le Bon muss die Werke Picassos neu hängen. Baldassari droht andernfalls mit einem Prozess, weil sie sich als rechtlich geschützte „Autorin“ der Hängung auffasst. Vermutlich wird sich Le Bon mit zynischem Witz durchsetzen, denn er weiß sich von Ex-Kulturminister Jean-Jacques Aillagon gefördert.

Als Aillagon das Schloss und den Park von Versailles verwaltete, kuratierte Le Bon dort mehrere Aufsehen erregende Ausstellungen, etwa von Jeff Koons, Takashi Murakami und Xavier Veilhan; Künstler, die sich auch in der Sammlung von François Pinault befinden, für den Aillagon anfangs den venezianischen Palazzo Grassi bespielte.

Entwicklung der Gartenzwerge

Übrigens zeigte Le Bons erste Ausstellung die Entwicklung der Gartenzwerge von den Griechen bis zu den Arbeitergärten und ihre Phallus-Symbolik auf. Das könnte ein Indiz für die provokante Seite des Kurators gewertet werden. Ansonsten organisierte der Kunsthistorker 2006 die Ausstellung „Malereien“ im Martin-Gropius-Bau, Berlin, und legte im Centre Pompidou-Metz 2012 die Kunstproduktionen des Jahres „1917“ in epischer Breite dar.

Als Beispiel für Le Bons Verhandlungsgeschick galt die selten gewährte Leihgabe von Pablo Picassos größtem Werk, dem Bühnenvorhang zum Ballett „Parade“ (mit Musik von Erik Satie und einem Libretto von Jean Cocteau, 1917) an das Centre Pompidou-Metz.

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