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11.06.2011

18:10 Uhr

Lempertz

Surreale Skulptur an der Spitze

VonElke Trappschuh

Kurt Schwitters Skulptur "Tänzer" fuhr einen Rekord bei Lempertz ein. Begehrt waren auch Gemälde von Max Liebermann, Lovis Corinth, Otto Dix und ein Nagelrelief von Günther Uecker.

Kurt Schwitters: "The Dancer". Quelle: VG Bild-Kunst/Lempertz

Kurt Schwitters: "The Dancer".

KölnEr war ein leidenschaftlicher und glänzender Tänzer. Und genauso mitreißend, wie Kurt Schwitters selbst die Zeitgenossen in den wilden Dada-Tagen nach dem Ersten Weltkrieg mit seinem Übermut und seiner bekennenden Liebe zum „Unsinn“ ansteckte, genauso suggestiv bezaubert sein „Dancer“ von 1943 uns heute noch.

Doch das Amüsement über die organisch in sich verdrehte Skulptur mit den schlenkernden Beinen und Tentakeln, die zwischen anthropomorph und abstrakt changiert, ist nicht ungetrübt. Unübersehbar liegt in der Figur auch eine verstörende Tragik. Ein ergreifendes Meisterwerk des späten Schwitters, der im Londoner Exil weder mit seinem alten Avantgardisten-Ruhm noch mit seinen neuen, surrealistisch anmutenden Arbeiten landen konnte.

Der „Dancer/Tänzer“ hat mittlerweile viele Museumsgastspiele durchgetanzt, doch als er bei Lempertz am 31. Mai die vorgeschalteten Toplose Nolde und Corinth klar übertrumpfte, kam er wieder nicht auf dem musealen Platz an. Zur doppelten oberen Taxe ging er bei brutto 600.000 Euro – von Lempertz als Rekord für eine Schwitters-Plastik gewertet – in den Schweizer Handel.

Sicher auch eher im Museum als in einer Privatsammlung wären die beiden „Kirchenfiguren“ aus dem Kieler Völkerkundemuseum recht am Platz, die Emil Nolde 1913 malte. Doch die erwarteten 550.000 bis 650.000 Euro lagen wohl über dem, was Museen aufbringen können und was Sammler für das untypische Sujet aufbringen wollen. Nach dem Vorbehaltszuschlag bei brutto 630.000 Euro ist der weitere Verbleib vorerst noch unklar.

Bei voll besetztem Saal und ständigem Einsatz der Telefone kam die Abendversteigerung der Moderne erst nach ein paar zügigen Rückgängen, nach einer gerade noch akzeptierten, grob angelegten Armenhäuslerin von Paula Modersohn-Becker (unter Taxe bei 97.200 Euro verkauft) in Fahrt. Nach 204.000 Euro für ein kleines, begehrtes Spaziergänger-Bild von Liebermann sorgte Lovis Corinth für den ersten Höhepunkt: Sein hinreißendes Blumenstillleben „Amaryllis, Flieder und Anemonen“ von 1920 ging für brutto 504.000 Euro in den deutschen Handel – und blieb im Preisrahmen, den es 1993 bei Ketterer erreicht hatte (920.000 DM).

Einen besonderen Höhepunkt markierte Otto Dix mit drei Spätwerken in der nach dem Krieg wieder aufgenommenen schnellen, expressiven Alla-Prima-Malerei. Für alle drei Bilder schossen die Preise steil in die Höhe: Erst bei 102.000 Euro konnte sich die Otto Dix Stiftung in Vaduz das bedrückende „Mädchen in Trümmern“ von 1950 sichern; auf 108.000 Euro stieg „Hahn und Katze II“ von 1955 und auf 98.400 die Ansicht „St. Cyr Au Mont D’Or“.

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