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16.11.2011

10:02 Uhr

Liechtenstein Museum

Hohe Betriebskosten werden zum Verhängnis

Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein hat entschieden: Der Museumsbetrieb in Wien wird mit Jahresende eingestellt. Die breite Öffentlichkeit kann die fürstliche Sammlung nur noch im Rahmen von Events besichtigen. Das eingesparte Geld soll in den Ausbau der Bestände investiert werden.

Die Südfassade des Gartenpalais Liechtenstein, entworfen von Architekt Domenico Martinelli (1650–1718) um 1700. Foto nach der Restaurierung, 2003. LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz-Vienna

Die Südfassade des Gartenpalais Liechtenstein, entworfen von Architekt Domenico Martinelli (1650–1718) um 1700. Foto nach der Restaurierung, 2003.

WienDas Liechtenstein Museum im Palais Liechtenstein am Alsergrund (9. Wiener Gemeindebezirk) www.liechtensteinmuseum.at lag nie am Trampelpfad eines durchschnittlichen Wiener Städtetouristen. Weder als zeitgenössische Kunst (Museum Moderne Kunst, Sammlung Ludwig) dort Unterschlupf fand, noch danach, als man die aufwändig renovierten Prunkräume 2004 mit einem Bruchteil jener Exponate bestückte, die die Vorfahren seiner Hoheit und der regierende Fürst Hans-Adam II. für kaufenswert befunden hatten; die allererste Güte und stets das Beste dessen, was auch zwischendurch am Kunstmarkt verfügbar war. Darunter das "Badminton Cabinet", das 2004 bei Christie’s für 27,2 Millionen Euro versteigert, als teuerstes Möbel der Welt künftig nur noch im Rahmen von Events besichtigt werden kann.

Kunsthandel als Sponsoren

Die Besucherzahlen blieben stets hinter den Erwartungen zurück und angesichts der enormen Betriebskosten war die Wirtschaftlichkeit der größte Schwachpunkt. Bereits 2007 hatte der Fürst damit geliebäugelt, ab dem darauffolgenden Frühjahr nur noch sonntags geöffnet zu haben. Über die „Elite Groupe of Fine Art Dealers“ fand man Sponsoren, die mit ihrer monetären Unterstützung fünf Öffnungstage des Museums ermöglichten. Mit einem Jahresbeitrag von je 50.000 Euro revanchierte sich der von der fürstlichen Sammellust profitierende Kunsthandel. Zehn Partner waren es noch im Juli 2011, darunter Galerie Sanct Lucas (Zürich, Wien), Bernheimer (München), Galerie Neuse (Bremen), Galerie Kugel (Paris), Alexander Rudigier, Daniel Katz, Simon Dickinson (alle London) oder das Auktionshaus Christie’s.

Die Situation dürfte sich dennoch verschärft haben, statt der erhofften 300.000 stieg die Zahl der Besucher zuletzt nicht über 45.000. Eher beiläufig hatte man Ende Mai 2011 das Ende der Sonderausstellungen verlautbart. Auf Wunsch des Fürstenhauses wolle man sich völlig auf die eigenen Bestände konzentrieren: Möbel in größerem Umfang als bisher, mehr frühe Malerei und Gotik, gewährte Johann Kräftner als Kurator der fürstlichen Sammlung einen ersten Einblick.

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