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08.12.2011

16:07 Uhr

12 Stunden in Kapstadt

Durch Slums und Luxusviertel

VonYavi Bartula

Kapstadt schafft den Spagat zwischen Naturspektakeln und Betonbauten. Was ihr aber noch nicht gelingt, ist die Brücke zwischen Arm und Reich zu schlagen. Ein Besuch mit schockierenden Kontrasten.

Rauf auf den Signal Hill! Nicht nur wegen der wunderbaren Sonnenuntergänge, sondern auch wegen des Blicks auf die Stadt und den Tafelberg.

Rauf auf den Signal Hill! Nicht nur wegen der wunderbaren Sonnenuntergänge, sondern auch wegen des Blicks auf die Stadt und den Tafelberg.

KapstadtKapstadt ist keine typische Business-Stadt, in die man für ein schnelles Meeting jettet. Und für 12 Stunden verirrt man sich an die fast südlichste Spitze Afrikas auch eher selten. Nicht nur, weil die Anreise lang und ein Connecting Flight eher unwahrscheinlich ist, sondern weil man eine Weile zu bleiben versucht, wenn man schon die südlichste Region Afrikas erreicht hat. Ob kilometerweite Strände, köstlicher Wein oder stundenlange Wanderungen – Kapstadt ist die perfekte Stadt für entspannte Naturliebhaber und Genießer, für die weder Zeit noch Geld eine Rolle spielen.

Es sind immer noch primär die Wohlhabenden, die Kapstadt aufsuchen. Camps Bay wimmelt nur so vor reichen Touristen und noch reicheren Bewohnern, deren Villen oft kunstvoll in die Felsenwände integriert sind und das Küstenbild prägen. Und obwohl dieser Immobilienluxus ein charakteristisches Merkmal Kapstadts ist, hört die Vielfalt nicht bei den Häuserfassaden auf. Die Stadt hat viele Gesichter, deren triste Züge von den Verlierern des Wirtschaftssegens getragen werden und auch dunkle Geschichten erzählen.

Deswegen sollten Sie selbst bei einem Kurzbesuch nicht nur die Schokoladenseiten beachten, sondern auch die schattigen. Denn bei all dem architektonischen Glanz und landschaftlichen Sensationen ist Kapstadt noch immer eine ambivalente Stadt mit einer gespaltenen Gesellschaft. Verschließen Sie davor nicht die Augen, wenn Sie das kostbarste Gratis-Souvenir mit nach Hause nehmen möchten: Eine unverfälschte Erinnerung an eines der schönsten Fleckchen der Erde.

Sie werden mit den Missständen in der ersten Stunde Ihres Aufenthaltes ohnehin konfrontiert, wenn Sie die Autofahrt vom Flughafen in die Stadt nicht verschlafen. Denn direkt neben dem Highway erstrecken sich Kapstadts flächendeckende Armenviertel aus Blechhütten. Inoffizielle Zahlen berichten von mehr als einer Million Bewohnern Khayelitshas, dem größten so genannten Township Kapstadts und dem zweitgrößten Südafrikas. Der Anblick ist aus der Ferne sehr bedrückend, wenn für Sie persönlich aber ungenügend, können Sie bei allen lokalen Reiseveranstaltern eine individuelle Führung buchen, in die Township-Hütten hineinschauen und mit ihren „Besitzern“ grillen.

Über diese Unternehmung als touristische Attraktionen lässt sich streiten, während eines kurzen Kapstadt-Aufenthaltes wird aber ohnehin davon abgeraten. Werden Sie sich der gigantischen Kluft zwischen Arm und Reich, die dort noch heute mehr als präsent ist, allerdings unbedingt bewusst und gehen Sie respektvoll mit den Ureinwohnern um. Jede Veränderung hat einen Anfang, so unbedeutend er zunächst erscheinen mag. Doch er ist mehr als fällig.

Kommentare (6)

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pepexx

08.12.2011, 18:54 Uhr

Kleiner Schönheitsfehler am Ende: Man fährt links, nicht rechts :-) Ansonsten schöner Bericht, wir sind selbst erst vergangene Woche nach 2 Wochen Aufenthalt dort wieder zurückgekommen.

Fabian

09.12.2011, 10:09 Uhr

Leider noch zwei weitere kleine Schönheitsfehler:
- Die beiden Ozeane treffen nicht am Cape Point sondern am Cape Agulhas aufeinander und
- es ist auch nicht der pazifische Ozean der auf den atlantischen trifft sondern der indische Ozean.
Ansonsten kann ich nur zustimmen, schön geschriebener Artikel.

YaviBartula

09.12.2011, 12:24 Uhr

Vielen Dank an beide Kommentatoren für das wertvolle Feedback und die wichtigen Hinweise - sie haben natürlich recht und ich entschuldige mich für die Fehler. Wenn man längere Zeit in Kapstadt gelebt hat, schleichen sich Selbstverständlichkeiten ein, die man evtl. nicht mehr hinterfragt, man verliert vielleicht einen objektiven Blick und ruft seine Erinnerungen nicht immer korrekt auf. Man glaubt die Stadt zu kennen - ohne die Details überprüfen zu müssen. Die Kapstädter sprechen zum Beispiel von Cape Point als DEM Schnittpunkt, obwohl das rein geographisch gesehen falsch ist. Das hätte ich in dem Artikel klar hervorheben müssen.
Viele Grüße, Yavi Bartula

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