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20.02.2012

16:43 Uhr

12 Stunden in Krakau

Ein Herz, viele Kammern

Krakau ist profan und außergewöhnlich zugleich. Eine magische Mischung, die allen schmeckt und süchtig macht. Lassen Sie sich anstecken und folgen Sie den Spuren von Königen, Künstlern und Zeitgeistern.

Krakau begeistert durch seine Architektur und kulturellen Schätze. Yavi Bartula

Krakau begeistert durch seine Architektur und kulturellen Schätze.

KrakauPolen ist ein Land der Gegensätze: Hier sind Berge und Flachland, Industrie und Landwirtschaft, Geld und Armut, Moderne und Klassik, Progression und Tradition, Geschichte und Zukunft, Wirtschaft und Kunst, Warschau und Krakau - zwei antagonistische Großstädte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Warschau seinen internationalen Status durch moderne Bauweisen und globale Vernetzungen behauptet, hütet Krakau akribisch seine kulturellen Schätze und zeichnet sich primär durch viele historische Dokumente aus, die sich im Stadtbild fest verewigt haben. Noch heute herrscht stille Konkurrenz zwischen den Städten und Warschau muss sich damit abfinden, dass Krakau auch 500 Jahre nach dem Verlust seines Hauptstadt-Titels selbigen heimlich weiterträgt. Nur einmal kehrte der Titel offiziell zurück, das war im Jahre 2000, als Krakau Kulturhauptstadt wurde.

Kultur ist tatsächlich eine der ersten Assoziationen, die Reisenden bei der Erinnerung an ihren Krakau-Besuch in den Sinn kommt. Natürlich gibt es eine ganze Menge kommerzieller Annehmlichkeiten; Shopping in gigantischen Kaufhäusern, Badespaß in phantastischen Schwimmlandschaften, Filme in überdimensionalen Kinos. Aber dafür sollten Sie nicht herkommen, nicht, wenn Sie nur 12 Stunden Zeit haben.

Warum dann? Ganz einfach: Weil Krakau mehrere Gesichter, aber nur ein Herz hat. Eins mit vielen Kammern. Es schlägt vor allem für die Geschichte, die die Weichen für alle weiteren Entwicklungen gestellt hat. Und so entwickelte sich die traditionsbewusste Stadt an der Weichsel zu einem kulturellen Zentrum mit dem Fokus auf Historie, hat seine Tore aber zu allen Richtungen geöffnet und erlaubt unterschiedlichste Einflüsse. Sie hütet sorgfältig ihren Kern, schützt ihn aber mit einer Hülle aus interkulturellem Stoff und stützt ihn mit Toleranz und Neugierde.

Auf diese Weise lebt Krakau optisch noch irgendwo in der Vorkriegszeit der 20-er Jahre, atmet aber frischen, angereicherten Sauerstoff aus aller Welt. So profiliert sich die Weichselmetropole durch eine reiche Mischung aus Geschichte, Kunst und hippem Lifestyle – und kann dem Besucher trotzdem immer wieder aufs Neue unterhaltende Alternativen bieten. Dennoch empfiehlt sich bei einem kurzen Aufenthalt eine stringente und geduldsame Tour, die die schönsten, spannendsten und charakteristischsten Punkte Krakaus zu einem roten Faden verbindet.

Eine phantastische Symbiose aus alter Bausubstanz, sakralen und royalen Komponenten, globalem und lokalen Handel, Bescheidenheit und Prunk, Eile und Gemütlichkeit. Das ist die Altstadt Krakaus und vielleicht eine der schönsten Mitteleuropas. Das ist leider kein Geheimnis und so hat die Stadt eine gewaltige Flut von Touristen zu stemmen. Während die einen friedlich und zurückhaltend den Spuren der Geschichte folgen, folgen andere – primär englische Junggesellengruppen -  ihrem Unterhaltungstrieb und nutzen die (noch recht) günstigen Preise für laute Party- und Alkoholexzesse.  Man ignoriert sich gegenseitig, so gut es geht. Und meistens kommt man sich nicht in die Quere, da Ort und Zeit sich selten kreuzen. Und was meint die Stadt? Sie bleibt altmodisch und skeptisch, lebt aber mit und natürlich auch von dem Tourismus und zeigt sich nachsichtig. Der alte Stadtkern empfiehlt sich wegen dieses gesunden Mittelwegs trotzdem für jeden Touristentypus als Start- und Endpunkt: Kultur, Kunst und Shopping am Tag, Restaurants, Bars und Clubs am Abend. Beginnen wir bei Tageslicht.

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