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21.01.2010

08:32 Uhr

Airport-Chaos

Münchner Flughafenpanne erreicht Berlin

Die gefährliche Sicherheitspanne am Flughafen München wirft Fragen auf: Der Geschäftsmann, dessen Laptop den Sprengstoffalarm ausgelöst hat, eilte offenbar nach der Kontrolle zum Flugzeug – mit seinem PC unter dem Arm. Auf eine Flucht, wie anfangs vermutet, deutet nichts mehr hin. Nun hat sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière der Sache angenommen.

HB MÜNCHEN. Die für die Sicherheitskontrollen am Münchner Flughafen zuständige Bezirksregierung Oberbayern hat zwei schwere Fehler eingeräumt. Eine erfahrene Kontrolleurin habe am Mittwoch einen etwa 50-jährigen Mann in den Abflugbereich gehen lassen, obwohl eine Sprengstofftest noch gelaufen sei, erklärte sie am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Außerdem hätten die Gepäckkontrolleure die Bundespolizei zu spät informiert. Solch ein Fehler „darf nie passieren“, sagte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Ob der spurlos verschwundene Passagier Sprengstoff mitführte, sei ungeklärt.

Es handle sich um einen etwa 50 Jahre alten, nicht Deutsch sprechenden Mann, der sich kurz vorher noch nach einem Flugsteig erkundigt habe. Nach der Personenkontrolle habe er Sakko und Mantel wieder angezogen, habe seinen Laptop vom Laufband genommen und sei um 14.38 Uhr „in aller Gemütsruhe davonspaziert“, sagte Hillenbrand.

Ein Mitarbeiter der Röntgenkontrolle habe eine Kollegin aber gebeten, den Laptop vorsichtshalber einer Sprengstoffkontrolle zu unterziehen. Während ein dritter Kollege eine Wischprobe in einem Laborgerät untersuchte, habe die zuständige Mitarbeiterin den Passagier und den Laptop aus den Augen gelassen und sich statt dessen schon einem anderen Fluggast zugewandt. Das sei ein klarer Verstoß gegen die Dienstanweisung, der sich nie wiederholen dürfe, sagte Hillenbrand.

Zu Recht habe die Mitarbeiterin eine Minute später versucht, dem Passagier nachzueilen, aber er sei schon in der Menge verschwunden gewesen. Der Sicherungsbeamte der Bundespolizei an der Schleuse sei aber fälschlich nicht sofort, sondern erst Minuten später um 14.49 Uhr von anderen Kontrolleuren informiert worden. In einer solchen „Alarmsituation“ hätte die Bundespolizei sofort alarmiert werden müssen, sagte Hillenbrand. Um 15.10 Uhr habe die Bundespolizei die Sperrung und Räumung des gesamten betroffenen Abflugbereichs angeordnet und weitere Abflüge gestoppt.

Kommentare (4)

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WS

21.01.2010, 12:47 Uhr

haha ... so gehts, wenn man hoheitliche Aufgaben erfolgreich privatisiert ...

MUC Passagier

21.01.2010, 12:55 Uhr

Explosive-Sniffer können auf alles mögliche positiv reagieren, z.b. auf fabrikneue Elektronikbaugruppen, wie sie auch in Notebooks zu finden sind. Viele handelsübliche Medikamente gegen Herz-/Kreislauferkrankungen enthalten 1mg bis 50mg PETN oder Glycerintrinitrat pro Tablette als arzneilichen Wirkstoff (Vasodilator). Eine Schachtel mit 100 Tabletten kann dann 5g einer Substanz enthalten, die in anderer Aufbereitung als Sprengstoff eingesetzt wird. Auch Honig kann Sprengstoff-Alarm auslösen: http://www.avherald.com/h?article=425572d0
Man könnte sich die Situation in MUC wie folgt vorstellen: Nach dem Sprengstofflämpchen stecken die Mitarbeiter der privaten Security die Köpfe zusammen und ratschen auf bayrisch miteinander, was denn nun mit dem Notebook zu tun sei. Der ausländische Geschäftsmann fühlt sich ignoriert und abgefertigt, packt seinen Notebook ein und eilt zu seinem Flieger...
Es wurde in den Medien schon wiederholt angesprochen, daß beim privaten Securitypersonal Verbesserungspotential vorhanden ist.

MUC Passagier (2)

22.01.2010, 18:32 Uhr

beim Security Check arbeiten doch an jeder Schleuse Doppelposten: Security A führt die Kontrollen durch, Security b beobachtet die Szene - oder etwa nicht? Eine Einzelperson kann als Mensch nicht stundenlang fail-safe arbeiten. Das ist der Grund, warum es in jedem Cockpit Pilot und Kopilot gibt. Warum wird das Problem jetzt bei einer einzelnen Mitarbeiterin abgeladen? Hier liegen wohl eher Defizite in der Arbeitsorganisation vor.

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