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04.02.2008

10:04 Uhr

Allein in Japan

Surfen, wo der Delfin tanzt

VonUlrich Viehöver

Können Europäer alleine und ohne Sprachkenntnisse in Japan aufs flache Land reisen? Vorweg geantwortet: Sie können und kommen auch ohne Schutz einer Reiseleitung ganz gut zurecht. Freilich, eine Fahrt auf eigene Faust muss intensiv vorbereitet werden.

Als Kontrast zu dem Schauspiel der Wale und Delphine, bietet sich ein Besuch der alten Gräberstadt Nara auf der Halbinsel Kii an. Foto: AP

Als Kontrast zu dem Schauspiel der Wale und Delphine, bietet sich ein Besuch der alten Gräberstadt Nara auf der Halbinsel Kii an. Foto: AP

TAIJI. Japanern gilt die 3 440 Seelen zählende Gemeinde Taiji südlich des Ballungsgebiets Osaka, Kobe und Kiotoals als Metropole der riesigen Meeressäugetiere. Überall werben Delfine oder Wale als Sympathieträger, stilisiert in Stein, Ton oder Plastik, auf Stoff und Metall, von Plakaten oder Postern herab. Selbst Häuserwände werden tierisch verkitscht, um Touristen neugierig zu machen und nach Taiji zu locken.

Eigentlich ist der Küstenort am Pazifik nichts weiter als ein Dorf. Hier, zwischen steilen Hügeln und ganz normalen Wohnhäusern, vermisst der Europäer Kuh- oder Schweineställe und klassische Landwirtschaft ebenso wie einen urbanen Kern mit Kirche und Kneipe. Stattdessen beherrschen Fischerei und Fremdenverkehr – zwei große Hotels, Lokale, langer Strand – den Ort. Beide Gewerbe teilen Taiji in zwei Gebiete, die durch dunkle Autotunnel verbunden sind.

Traditionell siedelt die Fischerei am Hafen, in nüchternen, grauen Zweckbauten aus Beton, Stahl und Glas. Hier zerlegen, vermarkten und kühlen die Fischer ihre Fänge, Delfinjäger verarbeiten das Fleisch geschlachteter Delfine. Mehr zufällig entdecken wir gegenüber dem Hafenkomplex die Tempelanlage Shintus. Jenseits der kurvigen Straße und zwischen Bäumen versteckt duckt sich die heilige Stätte in einen Hügel hinein.

Taijis Schokoladenseite entlang der felsigen Küste gehört dem Tourismus. Blickfang sind das Walmuseum mit Delfinarium sowie ein Walfangschiff, das Besuchern offensteht. Allerdings könnten die Anlagen des Walmuseums eine Renovierung gebrauchen. Eine dicke Waschbetonmauer hält das Land streng vom Meer fern. Hier an der offenen Seeseite überwältigt der Charme einer wilden und fremden Landschaft, die bis zur nahegelegenen Tunfisch-Stadt Katsuura Teil eines Naturschutzgebiets ist.

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