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19.12.2014

10:44 Uhr

Amerika hat ein dickes Problem

„Zucker ist Gift“

Amerikaner lieben Zucker. Diabetes und Herzkreislauf-Krankheiten nehmen daher drastisch zu. Und belasten das Gesundheitswesen mit Milliardenkosten. Kommen nun schärfere Kontrollen und eine Steuer auf Softdrinks?

„Wir essen im Schnitt neunzehneinhalb Teelöffel zugesetzten Zucker am Tag“, sagt der amerikanische Pädiatrie-Professors Robert Lustig. dpa

„Wir essen im Schnitt neunzehneinhalb Teelöffel zugesetzten Zucker am Tag“, sagt der amerikanische Pädiatrie-Professors Robert Lustig.

San Francisco Schon seit Wochen verführen die weihnachtlichen Kalorienbomben die US-Bürger zum Zuckerkonsum. Rotweiße, gebogene Zuckerstangen gehören an jeden Baum, dicker Zuckerguss gehört auf die Lebkuchenhäuser und extra Sugar in den traditionellen Eggnog-Eierdrink.

Da möchte man Warnungen wie die des kalifornischen Pädiatrie-Professors Robert Lustig (57) von der University of California in San Francisco (UCSF) lieber nicht hören. „Heute sage ich mit noch mehr Nachdruck: Zucker ist Gift“, sagt der 57-jährige Mediziner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Schon 2009 machte Lustig mit seinem Vortrag „Zucker: die bittere Wahrheit“ als lautstarker Zucker-Kritiker Furore. Das Video dieser Lesung über den Zuckerstoffwechsel und die Gefahren des steigenden Zuckerkonsums wurde im Internet über fünf Millionen Mal angeklickt. „Jetzt haben wir alle Fakten dazu zusammen, dass zu viel Zucker zu Fettsucht, Herzkrankheiten, Leber- und Stoffwechselproblemen führt. Zucker macht nicht nur dick, sondern auch krank“, bekräftigt Lustig.

Zucker – der süße Energielieferant

Kohlenhydrat

Zucker ist ein Kohlenhydrat und hat einen hohen Kaloriengehalt. Der Energielieferant kommt in der Natur in verschiedenen Formen vor.

Quelle: dpa/zentrum-der-gesundheit.de

Haushaltszucker

Der Haushaltszucker (Saccarose) wird hauptsächlich aus Zuckerrohr und wie in Deutschland aus Zuckerrüben gewonnen.

Zucker hat viele Namen (1)

Es gibt verschiedene Sorten wie Kristallzucker, Puderzucker, Würfelzucker oder Kandis. In westlichen Gesellschaften ist der Konsum von raffiniertem Zucker zur täglichen Sucht geworden.

Zucker hat viele Namen (2)

Der Zuckergehalt eines Produktes wird häufig absichtlich vor dem Konsumenten „versteckt“. In der Zutatenliste des Etiketts wird der Zucker nämlich nicht unbedingt auch als solcher deklariert. Da steht vielleicht Saccharose oder Glukosesirup (als billiger Ersatz für Haushaltszucker, der nicht minder gefährlich ist).

Zucker hat viele Namen (3)

Oft enthalten Produkte auch reinen Traubenzucker (Glucose), Fruchtzucker (Fructose), Milchzucker (Laktose) oder Malzzucker (Maltose). Bei all diesen Zuckerarten handelt es sich um raffinierte Industriezucker – ganz egal, ob sie nun aus der Milch oder aus Früchten gewonnen wurden.

Fruchtzucker

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, klingt gesünder, hat aber keinen geringeren Energiegehalt als Kristallzucker. So müssen Diabetiker den Fruchtzucker wie normalen Zucker berechnen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass ein Übermaß an Fruktose in der Ernährung die Entwicklung von Fettleibigkeit begünstigt.

Künstliche Süßstoffe

Aspartam ist ein bekannter Süßstoff, der synthetisch hergestellt wird. Er ist in Softdrinks und Kaugummi weit verbreitet. Es gibt immer wieder Debatten, ob künstliche Süßstoffe gesundheitsgefährdend sind. Aspartam wurde in Deutschland 1990 zugelassen, die erlaubte Tagesdosis beträgt 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Natürliche Süßstoffe (Stevia)

Das zerkleinerte Stevia-Blatt ist 30-mal süßer als Kristallzucker. Wird der Süßstoff aus dem Blatt isoliert, erhält man den Süßstoff Steviosid, der 250- bis 300-mal süßer als Zucker ist. Ein weiterer Stoff, der aus der Pflanze gewonnen werden kann, ist das Rebaudiosid-A – 300- bis 450-mal süßer als Zucker.

Gesundheitsrisiko

Heute wird darüber diskutiert, ob Zucker ein Gesundheitsrisiko ist. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker ist in Deutschland und den USA mit mehr als 30 Kilogramm jährlich ähnlich hoch.

Maissirup

Die Amerikaner konsumieren aber mehr Maissirup, der häufig in Softdrinks verwendet wird. Er trägt möglicherweise zu Fettleibigkeit und einigen Erkrankungen bei.

Rund 15 bis 18 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr komme heute durch Zucker, früher seien es nur drei bis vier Prozent gewesen, sagt Lustig über den drastisch angestiegenen Zuckerkonsum in den USA. Für besonders gefährlich hält er die versteckten, kalorienreichen Zusätze in Getränken und Fertigprodukten, von Salatsaucen bis zum Frühstücksmüsli.

Amerika hat ein dickes Problem: Mehr als ein Drittel der erwachsenen Bürger leiden nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC an Fettleibigkeit. Auch 13 Millionen Kinder und Teenager (rund 17 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe) sind derart stark übergewichtig.

Diabetes und Herzkreislauf-Krankheiten nehmen drastisch zu. Lustig und seine Kollegen sprechen von einer öffentlichen Gesundheitskrise mit Milliardenkosten. Angefangen habe diese mit der Low-Fat-Kampagne in den 70er Jahren, als Fett als ungesunder Dickmacher verteufelt worden sei. Den Lebensmitteln wurde stattdessen Zucker zugefügt.

Kommentare (1)

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19.12.2014, 11:08 Uhr

Das Problem ist ja nicht erst seit heute bekannt und ist mittlerweile ebenso auch in z.B. Brasilien und Europa angekommen; die Lebensmittellobby hat ganze Arbeit geleistet.

Man kann auch fast sagen, das diese ganze Zuckerscheiße ganze Wirtschaftszweige ernährt; erst die Industrie (kann billig Waren herstellen), dann die Gesundheitsindustrie 8die wollen ja auch viel viel Geld verdienen) und zahlen tut´s der Krankenversicherte; denn der Krankenkasse ist es letzendlich egal.

Und da sind wie wieder beim Thema FETTAMPEL (auch wenn das erstmal mit dem Zucker selbst nichts oder wenig zu tun hat) und ORDENTLICHE DEKLARATION DER LEBENSMITTEL.

Aber wie immer hat die Politik kein Interesse ... weder an Aufklärung noch an enge gesetzliche Vorgaben; also mal was sinnvolles vorzugeben.


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