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29.10.2015

17:21 Uhr

Belastender Dauerlärm

Weniger Gesundheitsrisiken als erwartet

Welche Gefahren birgt Dauerlärm? Nach einer Studie sind die Auswirkungen von Krach auf die Gesundheit nicht so schlimm wie angenommen. Die Forscher räumen aber ein: Es gibt noch viel Forschungsbedarf.

Krach ist besser als sein Ruf – jedenfalls aus gesundheitlicher Perspektive. obs

Weniger schädlich als angenommen

Krach ist besser als sein Ruf – jedenfalls aus gesundheitlicher Perspektive.

FrankfurtPermanenter Verkehrslärm verursacht einer neuen Studie zufolge insgesamt geringere Gesundheitsschäden als bisher angenommen. Der Krach von Flugzeugen, Autos und Eisenbahnen kann demnach das Risiko für Depressionen und Herzschwäche erhöhen, wirkt sich aber nicht auf den Blutdruck aus. Besonders genervt seien Menschen vom ständigen Fluglärm, berichteten die Autoren der Studie Norah (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health) am Donnerstag in Frankfurt. Frühere Untersuchungen kamen zum Teil zu schwerwiegenderen Folgen für die Gesundheit.

Überraschend in der neuen Studie sei der Zusammenhang zwischen Depressionen und Lärm. Das Risiko für diese Erkrankung steige mit wachsendem Lärm, den stärksten Effekt habe Fluglärm. „Das lässt uns schon aufhorchen“, sagte der Psychologe Dirk Schreckenberg vom Zeus-Zentrum für angewandte Psychologie (Hagen). Es gebe weiteren Forschungsbedarf. Das gilt nach Ansicht der Wissenschaftler auch für das Herzschwäche-Risiko, das bisher unterschätzt worden sei.

Für die Norah-Studie hatten sich mehrere Forschungs- und Fachinstitutionen zu einem Forschungskonsortium zusammengeschlossen. Die Forscher hatten fünf Jahre lang die Folgen von Flug-, Straßen- und Schienenlärm in den Regionen Rhein-Main, Köln-Bonn und Stuttgart untersucht. In Teilstudien beschäftigten sie sich mit der Lebensqualität, dem Schlafverlauf, der Häufigkeit von Krankheiten im Rhein-Main-Gebiet und der Veränderung des Blutdrucks in Lärmgebieten.

Die Kosten der Untersuchung von knapp zehn Millionen Euro tragen das Land Hessen, Kommunen, der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und die Luftverkehrsgesellschaften. Fraport hält wegen der „minimalen“ Auswirkungen des Fluglärms weitere Regulierungen für überflüssig.

Subjektiv fühlten sich die Menschen rund um alle untersuchten Flughäfen stark belästigt. Diese Beeinträchtigung der Lebensqualität sei sogar bei gleichbleibendem Dauerschallpegel in den vergangenen Jahren gewachsen, berichteten die Forscher verschiedener Disziplinen. Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen habe die Norah-Studie aber keinen Effekt auf den Blutdruck nachweisen können.

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz hatten in früheren Untersuchungen festgestellt, dass ständiger Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen kann. Die Mainzer Forscher wollen an diesem Freitag ihre Bewertung der Norah-Studie geben. Das Umweltbundesamt sieht negative Effekte auf das Nervensystem und das hormonelle System, als Folgen gebe es Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Kreislauffaktoren.

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