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29.12.2011

14:16 Uhr

Beliebte Vornamen 2011

Das Ende des Kevinismus

Vor 100 Jahren waren es Gertrud und Walter, heute sind es Mia und Ben. Sie landeten auf der Liste der beliebtesten Vornamen ganz oben. Einstige Favoriten wie Kevin, Chantal und Mandy sind mittlerweile ganz abgeschrieben.

Mia und Ben sind die beliebtesten Vornamen im Jahr 2011 gewesen. dpa

Mia und Ben sind die beliebtesten Vornamen im Jahr 2011 gewesen.

HamburgSie haben nur drei Buchstaben, sind in vielen Fremdsprachen gut verständlich und duften doch mit einem kleinen Hauch Romantik oder Abenteuer: Mia und Ben sind die beliebtesten Vornamen des Jahres 2011. Der Buchstabe „L“ wie in Lust und Liebe steht bei vielen Namen ganz vorn: Lea, Leonie, Lukas oder Luis zählen ebenfalls zu den Top Ten. Das hat der Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld in seinen jährlichen Recherchen ermittelt.

Weil bei neugeborenen Mädchen nach einem Namen mit „L“ der Zweitname Marie nach wie vor gefällt, liegt zum Beispiel die CDU-Politikerin Kristina Schröder ganz im Trend, die im Juni als erste Bundesministerin in ihrer Amtszeit ein Baby bekommen hat. Ihre Tochter heißt Lotte Marie. Wenn die Kleine in ein paar Jahren in die Schule kommt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in ihrer Klasse auch Ben und Mia sitzen. „Diese Namen führen die Hitliste in diesem Jahr mit deutlichem Vorsprung an“, erklärt Forscher Bielefeld.

Er hat ausgerechnet: „Bei der Einschulung des Geburtenjahrgangs 2011 wird es dann bei einer Klassenstärke von 25 Kindern in jeder dritten Klasse eine Mia geben.“ Neben einer Helena zu sitzen, wird schon schwerer: Mit Platz 50 ist dieser Name nur in jeder 20. Klasse vertreten. Auch Emma, Hanna, Anna, Lea oder Leonie könnte es im Freundeskreis des Politik-Nachwuchses viele geben. Bei den Jungs sind neben Ben der bisherige Spitzenreiter Leon sowie Lukas, Finn, Jonas und Luis die Favoriten - wenn auch in verschiedenen Schreibweisen.

162.943 Geburtsmeldungen von 427 Standesämtern, Kliniken und Geburtshäusern hat Bielefeld für seine Statistik in diesem Jahr ausgewertet, rund ein Viertel aller 2011 in Deutschland geborenen Babys. Eine offizielle Statistik über Vornamen gibt es nicht; auch die Zusammenfassung der Gesellschaft für deutsche Sprache beruht auf Stichproben, wertet jedoch Vor- und Zweitnamen zusammen aus.

Namen spiegeln immer wieder auch gesellschaftliche Themen wieder. So ist zum Beispiel Kevin - Spitzenreiter bei den Jungs vor genau 20 Jahren - definitiv out und taucht nicht einmal mehr in den Top 100 auf. Das gleiche Schicksal ist Chantal und Mandy widerfahren. Zu groß war die Diskussion um den „Kevinismus/Chantalismus“: Eine Studie hatte ergeben, dass Grundschullehrer Schülern mit diesen Namen automatisch schlechtere Noten geben, weil sie damit eigene Unterschichten-Vorurteile verbinden. In der Studie fand sich der böse Satz: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.“

Doch nicht nur in der Schule haben es Kevins schwerer: Psychologen der Berliner Humboldt-Universität (HU) haben in einer neuen Studie herausgefunden, dass Namen wie Kevin oder Chantal die Chancen auf Partnersuche-Plattformen im Internet erheblich mindern können. Sie bekamen weit weniger Klicks von liebeshungrigen Singles als Namen wie Alexander oder Charlotte. Somit hat das Kevin-Vorurteil ein weiteres wissenschaftliches Fundament.

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