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28.01.2008

08:18 Uhr

Biowinzer

Maurisches Erbe

VonPit Falkenstein

Wenn Andreu Oliver Oliver durch seine Weingärten stapft, dann möchte er am liebsten jeden Rebstock streicheln. In diesen Tagen ist noch alles grau auf Can Majoral, dem kleinen Ökobetrieb am Rande von Algaida. Doch in wenigen Wochen wird die Landschaft im Herzen von Mallorca einen Farbenrausch versprühen - ein Biowinzer mit ganzem Herzen.

HB. "Das ist dann hier die schönste Zeit des Jahres", schwärmt der kleine Mann mit der Eulenbrille und dem eisgrauen Bart. Zwischen den Reben blühen Wildkräuter auf das Bunteste gemischt. Später im trockenen Sommer werden sie untergegraben und bringen Nährstoffe.

Andreu Oliver Oliver ist mit ganzem Herzen Biowinzer. Sogar die Phasen des Mondes bezieht er in die Pflege der Weingärten ein.

Vor zehn Jahren noch leitete der studierte Maschinenbauer einen Betrieb für Haustechnik. 1998, an seinem 50. Geburtstag, machte er Schluss damit. "Das öde Büro, der Ausblick auf hässliche Mauern, ich war davon so müde", erzählt er. Schon lange hatte er daran gedacht, den Bauernhof der Eltern zu einem Weingut auszubauen. So wurde er Winzer, ohne diesen Beruf jemals erlernt zu haben. Doch da gab es den fast namensgleichen Neffen Andreu Oliver Pril, der Önologie studiert hat. Der 32-Jährige, der seinem Onkel verblüffend ähnlich sieht, ist jetzt dessen Kellermeister. Auf Can Majoral werden vor allem die uralten, eigenständigen Rebsorten der Insel gepflegt wie Callet oder Manto negro. Der Senior hat sich vom Neffen dazu überreden lassen, auch etwas Syrah und Merlot zu pflanzen, um die Weine damit abzurunden.

Das ist bei der Cuvée Butibalausí der Fall. Was merkwürdig klingt, ist ganz simpel: Butibalausí hieß zu Zeiten der Mauren das Land, auf dem sich das Gut befindet.

Die einheimischen Trauben geben dem Wein ein unverwechselbares Aroma. Er duftet und schmeckt nach Heidelbeeren und Schlehen. Rauch und eine Andeutung von Leder, Zimt und Sandelholz sind zu spüren. Dazu kommt eine ganz eigene erdige Note.

Mallorca ist voll von Kaninchen. Sie werden dort auf vielerlei Art zubereitet. Hier ein gängiges Rezept: Zuerst je zwei Möhren und Petersilienwurzeln klein würfeln, zwei mittelgroße Tomaten vierteln, zehn Schalotten und zwei Knoblauchzehen in dünne Scheiben schneiden. Vier Kaninchenschlegel in Öl scharf anbraten, das Gemüse mit einem Zweig Rosmarin dazugeben, mit einer halben Flasche Rotwein ablöschen, 45 Minuten sanft schmoren. Derweilen Auberginen und Zucchini in Scheiben schneiden, salzen, zwischen Küchenkrepp ausdrücken, mit Zitrone beträufeln und in Öl braten. Das Fleisch warm stellen. Den Sud mit dem Gemüse durch ein Sieb streichen, die Sauce kräftig einkochen lassen und mit saurer Sahne aufschlagen. Dazu Weißbrot.

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