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05.08.2012

09:28 Uhr

Das Geschäft mit den Toten

Wie Marilyn immer noch Millionen macht

VonDésirée Linde

Durch geschickte Vermarktung wurde die Sex-Ikone unsterblich. Auch 50 Jahre nach ihrem Tod lässt Marilyn Monroe bei Rechteverwaltern und der Erbengemeinschaft die Kassen klingeln.

Das weiße Kleid, der U-Bahn-Schacht, die Monroe. dapd

Das weiße Kleid, der U-Bahn-Schacht, die Monroe.

DüsseldorfMarilyn Monroe lebt. Sie lächelt, flirtet und kokettiert ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod, genau heute vor 50 Jahren, von Taschen, T-Shirts, Parfüm-Flacons und Champagnerflaschen. Die Blondine mit den vielen Namen und dem einen Image der Sex-Bombe liegt seit 50 Jahren auf dem Friedhof von Pierce Brothers Westwood Village Memorial Park Cemetery in Los Angeles begraben, doch Rekordsummen erwirtschaftet sie noch immer.

Sie ist regelmäßig auf der Liste der „bestverdienendsten Toten“ des US-Magazins Forbes ganz vorn dabei. Ihr legendäres weißes Neckholder-Kleid kam im vergangenen Sommer unter den Hammer. Der Erlös: 4,6 Millionen US-Dollar.

Insgesamt soll sie jährlich je nach Quelle noch zwischen 20 und 70 Millionen US-Dollar einbringen. In diesem Jahr, dem 50. ihres Todes, werden es voraussichtlich deutlich mehr sein. Monatlich bringen Verlage neue Bildbände, Chroniken und Bücher über die Schauspielerin heraus, die mit bürgerlichem Namen Norma Jeane Baker hieß. Wie kaum eine andere tote Ikone lässt der fleischgewordene Männertraum die Kassen klingeln, gar mehr als zu Lebzeiten. Für Marketingfachleute und Markenverwalter sind „delebs“ (dead celebrities, zu deutsch: tote Prominente) wie Marilyn, Elvis, Michael Jackson und Co. Garanten für gutes Geld und vergleichsweise leichte Vermarktung.

CMG Worldwide, die nach eigenen Angaben ebenfalls eine Reihe von Fotografen wie Andre Die Dienes vertritt, die Bilder von Marilyn Monroe gemacht und die Rechte daran haben, zweifelt an, dass der alleinige Vermarktungsanspruch der Authentic Brands Group trotz des Verkaufs der Marke rechtens ist. Gegenüber Handelsblatt Online betonte das Unternehmen, zuversichtlich zu sein, "unsere rechtliche Position in dieser Angelegenheit zu klären".

Das kurze Leben der Marilyn Monroe

1926

Am 1. Juni als Norma Jeane Mortenson in Los Angeles geboren, getauft am 6. Dezember auf den Namen Norma Jean Baker. Der Vater - offiziell unbekannt - war wohl Stanley Gifford, ein Arbeitskollege ihrer Mutter. Das Mädchen wächst bei Pflegeeltern und im Heim auf.

1942

Erste Hochzeit als 16-Jährige mit dem Mechaniker James Dougherty, Scheidung zwei Jahre später.

1946

Nach erfolgreicher Model-Arbeit erste Filmrollen. Sie nimmt den Künstlernamen Marilyn Monroe an.

1953

Sie erscheint auf der Titelseite des ersten „Playboy“-Magazins.

1954

Durchbruch mit „Blondinen bevorzugt“ und „Wie angelt man sich einen Millionär?“. Hochzeit mit dem Baseballspieler Joe DiMaggio - die Ehe hielt nur zehn Monate.

1955

Großer Erfolg mit „Das verflixte 7. Jahr“.

1956

Hochzeit mit dem Schriftsteller Arthur Miller, Scheidung nach fünf Jahren. Alle Ehen blieben kinderlos.

1959

Höhepunkt ihrer Laufbahn mit „Manche mögen's heiß“.

1962

Legendärer Gesangsauftritt bei einer im Fernsehen übertragenen Geburtstagsfeier für Präsident John F. Kennedy („Happy Birthday, Mr. President“). Am 5. August wird Marilyn Monroe in Los Angeles tot aufgefunden, wahrscheinlich starb sie an einer Überdosis Schlaftabletten.

Zynisch gesagt: Tote Weltstars lassen sich leichter vergolden als lebende. Marilyn Monroe ist immer 36 Jahre alt, ihr Gesicht wird stets jugendlich bleiben. „Lebende Stars können ihr Image noch ändern - manchmal nicht zum Vorteil“, sagt Michael A. Lou, der die Marke Marilyn seit mehr als 25 Jahren für den deutschsprachigen Raum verwaltet. Marilyn Monroe vermag es auch nicht mehr, ihren Marktwert zu schmälern und die Quelle ewiger Einnahmen versiegen zu lassen, etwa durch unrühmliche Affären oder ungeschickte politische Äußerungen. Das Bild, das die Welt von ihr hatte, als sie 36-jährig an einer Überdosis Tabletten starb, wird niemals angekratzt werden. Auch deswegen ist das Geschäft mit den Toten zu einem milliardenschweren Business geworden.

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