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14.07.2017

08:46 Uhr

Dickes Deutschland

Lidl, Aldi, Rewe und das „Überfettungsproblem“

Die Deutschen essen zu viel Zucker, mahnen Mediziner. Schon beim belegten Brot gegen Mittag haben viele Deutsche die empfohlene Obergrenze gerissen. Wie Supermärkte und Discounter halbherzig ihr Sortiment optimieren.

NeckarsulmDie Kunden kaufen ihre Produkte – und werden im deutschlandweiten Schnitt immer dicker. „Wir haben ein massives Überfettungsproblem hierzulande“, sagt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Krankheiten wie Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes nähmen überhand, „und die Gesundheitskosten fliegen uns um die Ohren“. Die Lebensmittelbranche habe ihren Anteil an dieser Misere, kritisiert Heinemann. Discounter und Supermarktketten nehmen das Problem nun stärker in den Fokus und lassen verlauten, sie wollten die Rezeptur ihrer Eigenmarken „optimieren“. Was genau das heißt, lassen sie häufig aber offen.

Einzig Lidl tut sich hervor mit einer erstaunlich konkreten Zielvorgabe. Bis 2025 soll der Salz- und Zuckergehalt der Eigenmarken um 20 Prozent sinken. Gestartet wurde mit Frühstücksflocken - der Zuckeranteil von „Honey Rings“ wurde nach Angaben der Firma sogar um rund 30 Prozent auf 23,9 Gramm pro 100 Gramm gesenkt.

Fünf Dinge, die man über Zucker wissen sollte

WHO-Empfehlung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass weniger als 10 Prozent der Nahrung freier Zucker sein sollen. Damit sind nicht nur zugesetzte Zucker gemeint, sondern auch die natürlich in Honig, Sirup und Fruchtsäften enthaltenen. Wer mehr isst, erhöht das Risiko für Karies, Übergewicht und Fettleibigkeit.

Deutscher Durchschnittskonsum

Im Durchschnitt nehmen Deutsche knapp über 100 Gramm Zucker pro Tag zu sich, pro Jahr ergibt das etwa 36 Kilogramm. Das entspricht rund 22 Prozent der Nahrung – das Doppelte von dem, was die WHO und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung raten.

Auch in Salaten ist Zucker

Nicht jedes Lebensmittel, das viel Zucker enthält, ist eine Süßigkeit. Die Verbraucherzentralen fanden in einer Studie Fleischsalat mit 6,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm, Krautsalat mit 12,3 Gramm und Soßenbinder mit 31 Gramm. Gut 200 Gramm des Krautsalats würden also den Tagesbedarf an Zucker decken.

Weltweite Produktion

Rund 175 Millionen Tonnen Zucker werden pro Jahr weltweit produziert. Mit Abstand größter Produzent und Exporteur der letzten Jahre ist das Land, in dem der Zuckerhut steht: Brasilien. Dort wird auch am meisten Zucker pro Kopf konsumiert.

Etymologie

Das Wort „Zucker“ stammt vom Sanskrit-Wort „sarkara“, das Geröll oder Kiesel bedeutet. Araber brachten das Zuckerrohr aus Indien in den Mittelmeerraum, von dort aus gelangte es über Italien nach Deutschland. Rüben werden erst seit dem 19. Jahrhundert für die industrielle Zuckergewinnung genutzt.

„Lidl bringt Schwung in die Debatte“, sagt Oliver Huizinga von Foodwatch. „Die anderen Handelskonzerne tun sich noch sehr schwer, ein konretes Ziel mit einer Zahl zu nennen.“ 20 Prozent weniger Zucker und Salz sei durchaus ambitioniert.

Tatsächlich äußern sich andere Händler bei dem Thema vage. „Wir wollen die ausgewogene Ernährung unserer Kunden fördern und setzen uns seit einigen Jahren für eine gesündere Produktzusammenstellung ein“, teilt Aldi Nord mit.

Von Aldi Süd heißt es, man sei „grundsätzlich bestrebt, den Zuckergehalt in den von uns gehandelten Artikeln so gering wie möglich zu halten“. Man habe „in vielen Warenbereichen bereits individuelle Rezepturänderungen im Hinblick auf die Reduktion von Salz und Zucker durchgeführt“, etwa bei Broten, Müsli oder Pudding. Die Supermarktkette Real will bis Ende 2017 die Rezepturen von Eigenmarkeprodukten „überprüfen und gegebenenfalls optimieren“.

Kommentare (21)

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Herr Holger Narrog

14.07.2017, 09:01 Uhr

Faszinierend ist das die Lebensmittelhändler jetzt in die Bevormundung der Mitmenschen einbezogen werden.

Meines Erachtens ist es Sache der Verbraucher zu entscheiden was sie zu essen gedenken.

Herr Kuno van Oyten

14.07.2017, 09:21 Uhr

@ Herr Holger Narrog - 14.07.2017, 09:01 Uhr - Das kann aber auch nur jemand schreiben der nicht zu ende denken kann. Leider ist der Bildungsstand einiger Deutschen so niedrig das genau dieses Klientel ist was schmeckt. Da Zucker, Salz und Fett sogenannte Geschmacksträger sind passiert es das die Menschen unter Folgekrankheiten leiden müssen. Dafür muss ihre immer gern angeführte Bildungselite dann mit den Beiträgen zu Renten- und Krankenversicherung aufkommen. leider stirbt man im Gegensatz zu den Rauchern weder früh noch schnell an diesen Krankheiten wie Diabetes etc. Man muss also ganz klar solche krank machenden Lebensmittel reglementieren. Deshalb plädiere ich lieber dafür das rauchen zu subventionieren denn Raucher sterben früh und schnell und belasten somit weder das Renten- noch das Gesundheitssystem. Der letzte Satz ist übrigens ironisch gemeint entspricht aber den statistischen Tatsachen.

Herr Holger Narrog

14.07.2017, 10:00 Uhr

Hallo Herr van Oyten

Diät und Ernährung ist eine Kernkompetenz der Frauenzeitschriften der Qualitätsmedien. Diese Zeitschriften werden auch von sehr bildungsfernen Mitmenschen gelesen. Daneben gibt es zahlreiche Blogs und Fernsehshows mit grosser Verbreitung. Das heisst die Deutsche Urbevölkerung ist gut informiert.

Kern einer bürgerlichen Gesellschaft ist die Eigenverantwortung. Dazu gehört auch die Freiheit zu wählen und sich ggf. selbst zu ruinieren.

Recht haben sie sicherlich dass die Menschen in sozialistischen Paradiesen wie Nordkorea schlanker sind. Daran dürfte die Ideologie und Bevormundung einen Anteil haben. Persönlich bevorzuge ich die Freiheit eines kapitalistischen Staats (Deutschland zähle ich nicht dazu).

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