Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2011

08:58 Uhr

Dress for Success

Altkleider oder Avantgarde - Vintage ist keine alte Klamotte

Nichts ist so alt wie die Mode von Gestern? I, wo. Plötzlich sind die Trends von Vorgestern wieder da. Alte Zeiten zum Anziehen

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle.

Es ist ja nicht so, dass den Designern die Ideen ausgingen. Vielleicht fehlt es ja nur an aktuellen Mode-Vorbildern. Welcher Zeitgenosse trägt heute seinen Anzug mit der Grandezza eines Gary Grant oder verschwitzt sein T-Shirt so sexy wie einst James Dean? Selbst das richtungweisende Deutsche Mode-Institut verweist gerne auf Stil-Ikonen von vorgestern. Bei den Damen sind’s immer mal wieder Audrey und Kathrine Hepburn oder, ganz aktuell, Grace Kelly, an der sich heute Fürstin Charlene messen (lassen) muss. Bei den Mannsbildern wird auf Steve McQueen verwiesen. Oder Marlon Brando. Wie spannend der einst seine Hemdsärmel aufrollte. Endstation Sehnsucht. So weit reicht kein kurzärmeliges Hemd.

Dies soll aber nun beileibe kein Statement für die eingemottete Altkleidersammlung sein, die Mann einfach so lange hängen lässt, bis sie vermeintlich wieder en vogue ist. Es geht einfach um Klassiker, die nie aus der oder zumindest immer wieder in Mode kommen. Man erkennt sie an ihrer zeitlosen Form, der sorgfältigen Verarbeitung, nicht zuletzt an der Liebe zu den Details. Hochwertige, gepflegte Einzelteile können durchaus mit ihrem Träger edel altern. Sollten aber dann etwas aufgepeppt und neu kombiniert werden. Zum Beispiel der klassische Einreiher mit einem aktuellen Armani-Shirt, die karierte Hose mit der bequemen Weite mit einem neuen Cashmere-Pulli in einer frischen Farbe.

In London versteht man unter Vintage nur echt gereifte Klassiker und nicht etwa auf Alt Nachgenähtes. Nichtsdestotrotz stöbern junge Designer gern wie Trüffelschweine auf Flohmärkten oder in einschlägigen Second Hand Läden auf der Suche nach Goldenen Schnitten, mit denen sie – leicht abgewandelt – dann noch mal Furore auf dem Laufsteg machen können. In solchen Katakomben der Mode kann man auch begehrte Schätzchen finden. Trench ist im Trend, immer. Besonders Burberry. Wenn noch ein kleines s dran ist, ist’s wirklich Vintage. Das robuste Teil wurde ja einst für den Schützengraben entworfen, lange bevor es Humphrey Bogart berühmt machte. Vielleicht ist ja noch ein bisschen Heldentum im Mantelfutter.

Avantgardisten schwören seit jeher auf japanische Designer wie Issey Mijake oder Yohji Yamamoto oder auch der deutschen Designerin Annette Görtz – deren Kreationen wirken auch nach Jahren noch futuristisch, erfordern aber ein wenig Modemut und viel Persönlichkeit.

Manche Fashion Victims erkennen Klassiker von Morgen schon heute – und kaufen sich von einem Lacoste-Hemd in ihrer Lieblingsfarbe oder ihrem Jeans-Favoriten immer gleich zwei. Sollte man bei gut passenden klassischen Schuhpaaren ohnehin tun. Vielleicht hat Ihnen die Schwiegermutter letztes Jahr zu Weihnachten so einen spießigen Pullunder mit Rhombenmuster geschenkt? Gerade wieder gesehen in der Vorschau für Sommer 2013. Muss man aber auch dann nicht unbedingt mögen. Bei Oldtimern, schicken Autos wie Outfits, gilt eben immer die Frage: „Möchte ich da auch nach Jahren noch gerne reinsteigen?“

 

 

Von

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

VSchmidt

12.07.2011, 10:58 Uhr

<<Das robuste Teil wurde ja einst für den Schützengraben entworfen, lange bevor es Humphrey Bogart berühmt machte. Vielleicht ist ja noch ein bisschen Heldentum im Mantelfutter.>>
Oder wenigstens ein paar Einschußlöcher und Blutspuren. Wäre doch geil, oder?
Brauchen Sie 'nen Helden? Oder reicht auch ein zum Krüppel geschossener Soldat?

Das, was Sie Mode nennen, sind Ihre Zwangsvorstellungen, von dem was Sie oder andere anziehen müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×