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14.06.2015

13:26 Uhr

Dress for Success

Antwerpen zieht an

VonInge Hufschlag

Der belgische Designer Dries van Noten inspiriert auch die nächste Generation der Modemacher und Fashion Victims zum Shoppen. Seine Ausstellung „Inspirations“ ist noch in Antwerpen zu sehen.

Auf einem moosigen Kunstwerk liegen Models für Dries Van Noten. dpa

Paris Fashion Week

Auf einem moosigen Kunstwerk liegen Models für Dries Van Noten.

AntwerpenJulia ist ganz glücklich über den alten Burberry-Trenchcoat, den sie für eine Handvoll Euro im Second-Hand-Shop am Bahnhof in Antwerpen gefunden hat: „Nur der Gürtel fehlt, aber mein Vater hat noch einen Burberry, den er nicht mehr trägt. Von dem nehm' ich den Gürtel.“ Auch ihre Kommilitoninnen haben Beute gemacht, ziehen ein nachtblaues Samtkleid und einen lustigen Sommer-Fummel aus ihren Tüten.

Inspiriert beim Shoppen in Antwerpen, der längst nicht mehr heimlichen europäischen Modestadt, waren die Studentinnen der Düsseldorfer Akademie für Mode und Design von Dries van Notens „Inspirations“. Titel und Konzept der Ausstellung, die schon in Paris Furore machte und jetzt (noch bis 19. Juli) im MoMU, dem Modemuseum der Heimatstadt des bedeutenden Mode-Designers gezeigt wird.

Antwerpen, die nur auf den ersten Blick behäbige Hafenstadt an der Schelde, steht für Avantgarde in der Mode. Und dafür steht seit den 80-er Jahren die informelle Gruppe der „Antwerp Six“: neben van Noten sind das Walter Van Beirendonck, Ann Demoulemeester, Direk van Saene, Dirk Bikkembergs und Marina Yee. Die sind wiederum oft beeinflusst von verschiedenster Colours und Epochen.

Die Mode-Trends 2015

Safari

Chanel, Ralph Lauren und Rag & Bone begeben sich jenseits von Afrika auf Stilsafari und kombinieren Khakifarben zu Erdtönen und glamourösem Gold, langen Mänteln und Sandalen. Edle Stoffe wie Seide und Wildleder geben dem Look eine besondere Note. Toll dazu: Ethno-Accessoires.

Quelle: brigitte.de

New Denim

Auf den Fashion Weeks waren die Designer plötzlich alle verliebt in Denim von Kopf bis Fuß. Farblich lautet das Motto für 2015: Back to Basic. Die Töne reichen von Mittelblau bis zu dunklem Raw Denim, dabei verzichten die Designer auf Waschungen oder Dekor. Was die Schnitte und Formen angeht, wird Denim vielseitig: Jeansröcke in Mini- und Midilänge, weite Jeans-Culottes, Jeans mit Schlag, Jeansjacken, -Overalls und -Kleider. Alles ist erlaubt, solange Farbe und Waschung schlicht ist.

Clogs

Die Schuhe mit Holzsohle sind zurück – egal, ob als Sandale, Schlappen oder klassisch. Auf dem Laufsteg waren Clogs zum Beispiel bei Prada – in Kombination mit Söckchen – zu sehen. Günstigere Alternativen finden sich zum Beispiel bei Moheda, dem Klassiker aus Schweden, oder bei Softclox.

Niedliche Accessoires

Kulleraugen, Comic-Gesichter, Emoticons, und Sticker – überall ist es plötzlich niedlich, bunt und lustig. Schließlich darf man Mode mit Humor nehmen und nichts verpasst Ihrem Look so schnell ein Augenzwinkern wie bunte Ledersticker auf Ihrer Handtasche oder ein Portemonnaie im „Monster-Look“.

Siebziger

Was im letzten Jahr schon ordentlich Fahrt aufnahm, ist jetzt nicht mehr zu stoppen: die Schlaghose ist als „neue“ Hosenform quasi gesetzt, hippieske und bodenlange Kleider bestimmen den Sommer, Fransen, Silbersandalen und Blümchenblusen spielen die oscarverdächtigen Nebenrollen.

Gelb

Gelb ist auch im Frühjahr 2015 ein stilsicherer Begleiter in Richtung Sommer. Denn die Gute-Laune-Farbe bringt modische Mitspieler erst so richtig schön zur Geltung und ist ein beliebtes Kontrastmittel – sei es ein sonnengelber Rock zum dunkelblauen Jeanshemd oder ein zitrusfarbener Mantel zum Khaki-Look.

Overall

Bereits letzte Saison der heimliche Liebling der Designer, avanciert der Overall nun zum lässigen Sommerstar. Und zeigt sich vielseitig wie nie. Ob zarte Nude-Töne oder maskuliner Workwear-Look: mit hohen Schuhen, Taillenbetonung, Schmuck und roten Lippen bleibt’s trotzdem schön weiblich.

Marsala

Marsala heißt die Pantone-Trendfarbe fürs neue Jahr und ist – wie der gleichnamige sizilianische Likör – ein Mix aus Rostbraun und Dunkelrot. Die eigentlich eher herbstlich anmutende Farbe ist das Schlüsselelement vieler aktueller Sommerkollektionen und lässt sich von Kopf bis Fuß tragen. Aber auch Nude-und Erdtöne, Weiß, Grau oder Schwarz sind eindrucksvolle Gegenspieler.

Spitze

Ein Frühling, in dem Spitze kein Trend war, gibt es vermutlich nicht. Zumal die neue Hochzeitssaison vor der Tür steht und die Dessins gar nicht zart genug sein können. Trotzdem, Spitze ist spitze und getragen wird sie diese Saison entweder pur oder im raffinierten Stilmix mit groben Stoffen wie Strick, Wolle oder Leder.

Orange

Sie ist mutig und lässt in diesem Frühjahr und Sommer leuchten: orange ist eine der neuen Trendfarben 2015 und macht bereits jetzt Lust auf die Sonne. Ob als Rüschen-Top mit blaugrauem A-Linien-Rock oder als Allover-Look – Orange sind 2015 fast keine Grenzen gesetzt. Wer es lieber langsam angehen möchte, kombiniert einen orangefarbenen Blazer mit einem weißen Top und einer zartblauen Stoffhose. Auch harte Kontraste sind erlaubt. So bilden Modefarbe Orange und Dauerbrenner Schwarz ein ideales Paar. Cremetöne sind ebenfalls erlaubt, wenn es der Teint hergibt. Dazu goldener Schmuck.

Bei van Noten sind es unter anderem Christian Dior und Elsa Schiaparelli. Kunst und Künstler, Blüten und Blätter, Schmetterlinge und Schamanen, Federn und Fetische – alles fließt ein in zeitlos schöne Kreationen, präsentiert in 25 märchenhafte Themen-Vitrinen mit Titeln wie „Punk“ oder „Piano“ nach dem gleichnamigen Film. Van Noten schert sich nicht um die Hierarchie von Künsten, verändert kunstvoll Codes, riskiert Brüche, besetzt Sportmode mit Pailletten, Parkas mit Posamenten, arbeitet Abendroben nach dem Vorbild afrikanischer Arbeitskleidung, ein rotes Kleid nach Motiven Mark Rothkos. Momento Mori Mode: Sein Engel leiht sich Flügel vom Kite-Surfer.

Die im Wortsinn wunderbare Ausstellung macht Appetit: Nicht nur auf die belgische Küche, die so vielfältig ist wie die Mode, von goldgelben Pommes bis zu blattgoldgesprenkelten Pralinés, sondern auch auf eine anschließende Shopping-Tour durch die beschaulich überschaubaren Gassen mit ihren schmalen, mal ornamentalen, mal futuristischen Häusern. Nicht wenige gekrönt von üppigen Dachgärten.  

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